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Wie eine Grippe das Herz gefährden kann

Eine Grippe trifft nicht nur die Atemwege – sie kann auch das Herz in Mitleidenschaft ziehen. Studien zeigen, dass das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall während und kurz nach einer Influenza-Infektion deutlich steigt. Welche Mechanismen dahinterstecken, wer besonders gefährdet ist und warum die Impfung auch dem Herzen nützt – ein Überblick über aktuelle Erkenntnisse.

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Foto: NF24 / KI

Eine saisonale Influenza, umgangssprachlich Grippe, ist weit mehr als eine einfache Atemwegserkrankung: Sie kann auch direkte und indirekte Folgen für das Herz-Kreislauf-System haben. Neben den klassischen Symptomen wie Fieber, Husten und Abgeschlagenheit zeigen epidemiologische Daten, dass die Zahl schwerer Herzprobleme in der Grippesaison nach oben geht.

Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Untersuchungen zeigen, dass das Risiko für akute kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall während und in den Tagen nach einer Influenza-Infektion deutlich steigt. Laut medizinischen Beobachtungen kann das Herzinfarktrisiko um das Vier- bis Sechsfache ansteigen, besonders in der ersten Woche nach dem Krankheitsbeginn.

Warum das so ist, hängt unter anderem mit der Aktivierung entzündlicher Prozesse zusammen: Eine Infektion führt im Körper zu einer starken Immunreaktion, die Blutgefäße beeinträchtigen und die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen kann – zentrale Mechanismen, die Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen.

Direkte Folgen für das Herzgewebe

Neuere Forschungsergebnisse liefern erste mechanistische Erklärungen dafür, wie eine Grippe auch das Herzgewebe selbst schädigen kann. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten zeigen, dass bestimmte Abwehrzellen des Immunsystems nach einer Influenza-Infektion in das Herz eindringen und dort entzündliche Botenstoffe freisetzen. Diese Typ-1-Interferone können bei Überproduktion Herzmuskelzellen schädigen und zum Zelltod führen – eine wichtige Entdeckung zur Erklärung saisonaler Herzinfarkthäufigkeit.

Ein weiterer Mechanismus ist die sogenannte Myokarditis, eine Entzündung des Herzmuskels. Diese kann durch direkte Viruswirkung oder sekundär durch Immunreaktionen entstehen und in seltenen Fällen zu Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder sogar plötzlichem Herzversagen führen. Auch internationale Fallberichte bestätigen, dass solche Verläufe möglich, wenn auch selten sind.

Wer ist besonders gefährdet?

Menschen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen ein deutlich erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen bei einer Grippe. Bluthochdruck, Atherosklerose oder eine frühere Herzschwäche können dazu beitragen, dass sich weniger ausgeprägte Erkrankungen zu kritischen Ereignissen entwickeln.

Auch ältere Menschen und Personen mit chronischen Grunderkrankungen gehören zu den Risikogruppen. Generell gilt: Je beeinträchtigter das Herz-Kreislauf-System bereits ist, desto größer ist die Gefahr, dass eine systemische Infektion das Gleichgewicht weiter destabilisiert.

Prävention: Impfung und Vorsorge

Ein zentraler Ansatz zur Reduktion dieser Risiken ist die jährliche Grippeimpfung. Studien aus den letzten Jahren zeigen, dass geimpfte Personen ein niedrigeres Risiko für Herz- und Kreislaufkomplikationen aufweisen als Ungeimpfte. Dies gilt besonders für Hochrisikogruppen wie ältere Menschen oder solche mit Herzkrankheiten.

Die Impfung wirkt nicht nur gegen die klassische Grippe, sondern kann durch die Vermeidung von schweren Verläufen auch indirekt Herzinfarkte und Krankenhausaufenthalte reduzieren. Zusätzlich empfehlen Fachärzte beim Auftreten grippeähnlicher Symptome, insbesondere bei Patienten mit Vorerkrankungen, frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.

Fazit

Die Grippe ist nicht nur eine Atemwegserkrankung: Sie kann tiefgreifende Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben – von einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall bis hin zu entzündlichen Prozessen im Herzmuskel selbst. Eine Kombination aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und klinischen Beobachtungen unterstreicht die Bedeutung von Präventions- und Schutzmaßnahmen, insbesondere für ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen.

bh
Quellen: Ntv.de