Viele Menschen glauben, dass warmes Wasser beim Händewaschen deutlich mehr Bakterien und Viren entfernt als kaltes. Doch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Wassertemperatur für die Reinigungswirkung kaum entscheidend ist. Viel wichtiger sind Seife, gründliches Einreiben und die richtige Dauer. Wer seine Hände richtig wäscht, kann sich auch mit kaltem Wasser wirksam vor Krankheitserregern schützen.
Hände waschen: Kaltes oder warmes Wasser? Die Antwort überrascht viele

Kaltes oder warmes Wasser: Was reinigt die Hände wirklich besser?
Ob nach dem Toilettengang, vor dem Essen oder nach einer Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Regelmäßiges Händewaschen gehört zu den wichtigsten Maßnahmen, um die Übertragung von Krankheitserregern zu reduzieren. Doch bei einer alltäglichen Frage herrscht häufig Unsicherheit. Sollte man die Hände mit warmem Wasser waschen, weil dadurch mehr Keime verschwinden, oder reicht auch kaltes Wasser aus?
Die Antwort dürfte viele überraschen. Nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen spielt die Temperatur des Wassers beim normalen Händewaschen eine deutlich geringere Rolle als häufig angenommen. Entscheidend ist vor allem, dass die Hände mit Seife gründlich eingerieben und anschließend ausreichend lange abgespült werden.
Das gilt sowohl für kaltes als auch für angenehm warmes Wasser. Wer seine Hände sorgfältig reinigt, erzielt bei beiden Temperaturen eine vergleichbare hygienische Wirkung. Sehr heißes Wasser bringt dagegen keinen zusätzlichen Vorteil, kann aber die Haut belasten.
Der Grund dafür liegt in der Art, wie Händewaschen funktioniert. Krankheitserreger werden beim Waschen nicht in erster Linie durch die Temperatur des Wassers abgetötet. Stattdessen sorgen Seife, Reibung und das anschließende Abspülen dafür, dass Schmutz, Hautfette und daran haftende Mikroorganismen von den Händen entfernt werden.
Wissenschaftliche Untersuchung zeigt überraschendes Ergebnis
Bereits eine 2017 veröffentlichte Untersuchung der Rutgers University im US-Bundesstaat New Jersey beschäftigte sich mit der Frage, ob die Wassertemperatur die Wirksamkeit des Händewaschens beeinflusst.
Die Forscher untersuchten unter kontrollierten Bedingungen, wie gut sich Bakterien bei unterschiedlichen Wassertemperaturen von den Händen entfernen lassen. Dabei verwendeten sie Wasser mit Temperaturen von etwa 15, 26 und 38 Grad Celsius.
Das Ergebnis: Zwischen den untersuchten Temperaturen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bei der Entfernung der getesteten Bakterien. Auch die verwendete Seifenmenge hatte innerhalb der untersuchten Bedingungen keinen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis.
Die Wissenschaftler stellten damit eine weitverbreitete Annahme infrage. Denn häufig wird angenommen, dass möglichst warmes Wasser automatisch hygienischer sei. Die Untersuchung zeigte jedoch, dass dieser Zusammenhang beim gewöhnlichen Händewaschen nicht nachgewiesen werden konnte.
Allerdings bedeutet das nicht, dass jede Waschmethode gleich wirksam ist. Die Untersuchung betrachtete bestimmte Bakterien unter kontrollierten Bedingungen. Für die tägliche Hygiene bleiben die gründliche Reinigung aller Handflächen und die Verwendung von Seife besonders wichtig.
Warum Seife wichtiger ist als die Wassertemperatur
Die eigentliche Reinigungswirkung beim Händewaschen entsteht durch das Zusammenspiel von Seife und mechanischer Reibung. Seife enthält sogenannte Tenside. Diese helfen dabei, Fett und Schmutz von der Haut zu lösen und mit dem Wasser abzuspülen.
Viele Krankheitserreger befinden sich auf den Händen nicht isoliert, sondern haften an Hautfetten oder Schmutzpartikeln. Werden diese gelöst, lassen sich auch zahlreiche Mikroorganismen leichter entfernen.
Besonders wichtig ist dieser Effekt bei bestimmten Viren mit einer Fetthülle. Dazu gehören beispielsweise Influenzaviren und Coronaviren. Seifenbestandteile können die empfindliche Hülle solcher Viren angreifen. Zusätzlich werden Viren und andere Erreger beim Abspülen mechanisch entfernt.
Entscheidend ist deshalb, dass die Seife möglichst alle Bereiche der Hände erreicht. Wer lediglich kurz Wasser über die Handflächen laufen lässt, reinigt seine Hände deutlich weniger gründlich.
Auch die Fingerzwischenräume, Fingerspitzen, Daumen und der Bereich rund um die Fingernägel sollten sorgfältig eingerieben werden. Gerade diese Stellen werden beim schnellen Händewaschen häufig vergessen.
So lange sollten die Hände wirklich gewaschen werden
Die Bundesinstitut-für-Öffentliche-Gesundheit-Expertin Andrea Rückle empfiehlt, die Hände etwa 20 bis 30 Sekunden gründlich einzuseifen. Dabei sollten nicht nur die Handinnenflächen, sondern auch die Handrücken, Fingerzwischenräume, Daumen und Fingerspitzen berücksichtigt werden.
Als einfache Orientierung eignet sich ein bekannter Trick: Wer zweimal hintereinander das Lied „Happy Birthday“ singt, erreicht ungefähr die empfohlene Dauer.
Anschließend sollten die Hände unter fließendem Wasser gründlich abgespült werden. Ebenso wichtig ist das sorgfältige Abtrocknen. Besonders zwischen den Fingern sollte keine Feuchtigkeit zurückbleiben, da sich Mikroorganismen in feuchter Umgebung leichter vermehren können.
In öffentlichen Toiletten sind Einmalhandtücher eine hygienische Möglichkeit zum Abtrocknen. Zu Hause sollte möglichst ein eigenes, regelmäßig gewechseltes Handtuch verwendet werden.
Kaltes Wasser schont die Haut und spart Energie
Neben der hygienischen Wirkung hat die Wassertemperatur noch weitere Auswirkungen. Wer beim Händewaschen kaltes oder lauwarmes Wasser verwendet, benötigt weniger Energie als beim Waschen mit heißem Wasser.
Außerdem kann kühleres Wasser die Haut schonen. Häufiges Waschen mit sehr warmem Wasser kann die Haut stärker austrocknen und ihren natürlichen Schutzmantel beeinträchtigen. Das ist besonders für Menschen wichtig, die sich im Berufsalltag häufig die Hände waschen müssen.
Andrea Rückle empfiehlt deshalb, eine angenehme Wassertemperatur zu wählen. Entscheidend ist, dass man die Hände lange genug und sorgfältig reinigt. Wer kaltes Wasser als unangenehm empfindet, kann also problemlos lauwarmes Wasser verwenden.
Für Menschen mit empfindlicher Haut können außerdem milde, pH-hautneutrale Waschprodukte sinnvoll sein.
Wann Händewaschen besonders wichtig ist
Nicht nur die richtige Technik, sondern auch der Zeitpunkt spielt beim Infektionsschutz eine wichtige Rolle. Krankheitserreger können über gemeinsam benutzte Gegenstände, Türklinken, Handläufe oder direkten Kontakt auf die Hände gelangen.
Wer anschließend Mund, Nase oder Augen berührt, kann Erreger auf die Schleimhäute übertragen. Deshalb empfiehlt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit insbesondere nach dem Toilettengang, nach dem Husten, Niesen oder Naseputzen sowie vor der Zubereitung und dem Verzehr von Lebensmitteln gründliches Händewaschen.
Auch nach dem Kontakt mit erkrankten Menschen, nach dem Umgang mit Abfällen oder nach der Rückkehr nach Hause kann Händewaschen sinnvoll sein.
Gerade während der Erkältungs- und Grippesaison gehört diese einfache Hygienemaßnahme zu den Möglichkeiten, das Risiko einer Ansteckung zu verringern. Dabei ist es nicht notwendig, besonders heißes Wasser zu verwenden. Gründliches Einseifen, ausreichend Zeit und sorgfältiges Abtrocknen sind für saubere Hände wesentlich wichtiger.








