Eine Studie zeigt, dass Gedächtnisprobleme bei Parkinson oft psychisch bedingt sind, insbesondere durch Angst und Depression, und nicht unbedingt auf kognitiven Abbau hinweisen. Betroffene neigen dazu, ihre geistige Leistungsfähigkeit schlechter einzuschätzen, obwohl kognitive Tests normale Ergeb…
Psychische Faktoren hinter Gedächtnisproblemen bei Parkinson

Viele Personen, die an Parkinson leiden, berichten von einem Gefühl des geistigen Abbaus. Eine aktuelle Studie legt jedoch nahe, dass diese Wahrnehmung oft psychisch bedingt ist.
Parkinson äußert sich nicht ausschließlich durch die typischen Symptome wie Zittern oder Muskelsteifheit. Die Erkrankung kann auch mit einer Vielzahl von geistigen und emotionalen Beschwerden einhergehen. Betroffene beschreiben häufig einen Zustand, der als „Brain Fog“ bezeichnet wird, was sich in Vergesslichkeit oder verlangsamtem Denken äußert. Interessanterweise zeigen kognitive Tests oft, dass die tatsächliche geistige Leistungsfähigkeit der Betroffenen im Normalbereich liegt und altersgerecht ist.
Eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Boston University bietet eine Erklärung für diesen scheinbaren Widerspruch: Die Probleme mit Gedächtnis und Konzentration stehen demnach weniger im Zusammenhang mit einem messbaren geistigen Abbau, sondern vielmehr mit psychischen Faktoren, insbesondere Angst und Depression.
Häufigkeit von psychischen Erkrankungen bei Parkinson
Es ist bekannt, dass Depressionen und Ängste bei Parkinson-Patienten häufig vorkommen, wobei etwa 50 Prozent der Betroffenen an Depressionen und rund 40 Prozent an Angstzuständen leiden.
Studienaufbau und Ergebnisse
In die Studie wurden über 1.200 Parkinson-Patienten einbezogen. Davon hatten 468 bereits Symptome der Erkrankung, während 817 sich in der prodromalen Phase befanden, in der die Krankheit biologisch bereits begonnen hat, jedoch noch keine typischen Bewegungsstörungen aufgetreten sind.
Die Teilnehmer führten Tests durch, die ihre Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Denkfähigkeit bewerteten. Zudem gaben sie in Fragebögen an, wie sie ihre geistige Leistungsfähigkeit im Alltag einschätzten. Anzeichen für Depressionen und Ängste wurden ebenfalls durch standardisierte Fragebögen erfasst.
Die Ergebnisse zeigten, dass Personen mit ausgeprägteren depressiven Symptomen oder Ängsten ihre eigene geistige Leistungsfähigkeit deutlich schlechter bewerteten, selbst wenn die kognitiven Tests normale Ergebnisse lieferten. Die Forscher bezeichneten dieses Phänomen als „negative metakognitive Verzerrung“: Betroffene glauben, ihre geistigen Fähigkeiten hätten stark nachgelassen, obwohl objektive Messungen dies nicht bestätigen.
Metakognition und ihre Auswirkungen
Der Begriff „Meta“ bedeutet „über“, während „Kognition“ das Denken, Wahrnehmen und Erinnern beschreibt. Metakognition bezieht sich darauf, wie jemand sein eigenes Denken bewertet. Es ist bekannt, dass Angst und Depression die Selbstwahrnehmung beeinflussen: Betroffene neigen dazu, ihre eigenen Fehler übermäßig zu beachten und ihre Fähigkeiten zu unterschätzen. Die neue Untersuchung verdeutlicht, welche Auswirkungen diese Verzerrung auf Menschen mit Parkinson haben kann.
Implikationen für Betroffene
Die Ergebnisse der Studie könnten für Betroffene entlastend sein: Das Gefühl eines kognitiven Abbaus muss nicht zwangsläufig auf einen tatsächlichen Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit hindeuten. Dennoch ist es wichtig, diese Beschwerden ernst zu nehmen und nicht zu ignorieren. Wer bemerkt, dass Konzentration oder Gedächtnis subjektiv nachlassen, sollte dies ärztlich abklären lassen. Wenn psychische Faktoren eine Rolle spielen, kann psychotherapeutische Unterstützung hilfreich oder notwendig sein.
Die Ergebnisse der Studie sollten jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Sie zeigen zwar Zusammenhänge auf, belegen jedoch keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung. Es bleibt unklar, ob eine Behandlung von Angst oder Depression tatsächlich die Wahrnehmung der eigenen Denkfähigkeit verbessern könnte, da dies mit den vorliegenden Daten nicht nachgewiesen werden kann.
Bildquelle: ai-generated-gemini








