Neue Studienergebnisse zeigen, dass Abnehmspritzen, die zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden, möglicherweise das Risiko für Sehnenrisse erhöhen. Besonders betroffen sind Patienten mit Adipositas, bei denen Risse der Rotatorenmanschette und anderer Sehnen häufiger auftreten.
Risiken im Fokus: Abnehmspritzen und die unerwarteten Gefahren für Ihre Sehnen

Studie zu Abnehmspritzen: Erhöhtes Risiko für Sehnenrisse festgestellt
Abnehmspritzen, die als effektive Therapie gegen starkes Übergewicht eingesetzt werden, stehen aufgrund neuer Forschungsergebnisse im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Eine aktuelle Studie zeigt, dass bei einigen Patienten ein erhöhtes Risiko für Sehnenrisse bestehen könnte.
Die betreffenden Medikamente, bekannt als GLP-1-Rezeptor-Agonisten, imitieren ein Hormon im Darm, das den Appetit reguliert und den Blutzuckerspiegel stabilisiert. Ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt, werden diese Mittel zunehmend auch zur Bekämpfung von Adipositas verschrieben. Die neuen Erkenntnisse einer US-amerikanischen Studie deuten darauf hin, dass die Anwendung dieser Medikamente mit einem erhöhten Risiko für Sehnenverletzungen verbunden sein könnte.
Studienaufbau und Ergebnisse
Die Forscher analysierten Gesundheitsdaten aus dem TriNetX-Netzwerk, das elektronische Patientendaten von über 70 großen Gesundheitseinrichtungen in den USA umfasst. Insgesamt wurden rund 157.000 Patienten über einen Zeitraum von fünf Jahren untersucht. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt GLP-1-Medikamente, während die andere Hälfte nicht behandelt wurde.
Die Analyse ergab, dass bei Patienten mit Adipositas ein Riss der Rotatorenmanschette, einer Gruppe von Sehnen in der Schulter, bei 2,4 Prozent der GLP-1-Nutzer auftrat. In der Kontrollgruppe ohne diese Medikamente lag der Anteil bei 1,5 Prozent. Auch andere Sehnenverletzungen traten etwas häufiger auf: Ein Riss der Achillessehne wurde bei 0,3 Prozent der Patienten mit GLP-1-Therapie festgestellt, verglichen mit 0,2 Prozent in der Vergleichsgruppe. Zudem registrierten die Forscher mehr Risse der Pectoralis-major-Sehne, die zum großen Brustmuskel gehört: 0,8 Prozent gegenüber 0,5 Prozent.
Bei Patienten, die sowohl an Typ-2-Diabetes als auch an Adipositas litten, zeigte sich ein ähnliches Muster. In dieser Gruppe wurden zusätzlich erhöhte Raten für Risse weiterer Sehnen, beispielsweise an Fuß oder Knie, festgestellt.
Gesamtbewertung des Risikos
Jad Lawand, der Studienleiter von der University of Texas, betont jedoch, dass das absolute Risiko für größere Sehnenrisse insgesamt gering bleibt. „Das Gesamtrisiko für einen größeren Sehnenriss liegt weiterhin bei unter einem Prozent für die meisten dieser Verletzungen“, erklärte er. Dennoch sei das Risiko etwa 1,5-mal höher als bei Patienten, die keine GLP-1-Medikamente einnehmen.
Die Studie wird als besonders aussagekräftig angesehen, da sie eine große Anzahl an Patientendaten berücksichtigt und verschiedene Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI), Diabetesrisiko, Cholesterinwerte sowie die Einnahme von Statinen, die ebenfalls mit Sehnenverletzungen in Verbindung gebracht werden, einbezieht.
Mögliche Erklärungen für die Sehnenverletzungen
Die Gründe, warum GLP-1-Medikamente möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für Sehnenrisse assoziiert sind, sind bislang unklar. Die Forscher diskutieren mehrere Hypothesen:
- Mangelernährung: Die Medikamente können den Appetit dämpfen und eine Gastroparese verursachen, was zu einer verzögerten Magenentleerung führt. Dies könnte die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen und das Sehnengewebe schwächen.
- Muskelverlust: Ein schneller Gewichtsverlust kann häufig mit einem Verlust an Muskelmasse einhergehen, was die Belastung der Sehnen erhöhen könnte.
- Aktivitätssteigerung: Nach einer signifikanten Gewichtsreduktion könnten Patienten aktiver werden. Eine plötzliche Steigerung der körperlichen Aktivität ohne strukturiertes Training kann das Verletzungsrisiko erhöhen.
Vorsicht bei der Anwendung von Abnehmspritzen
Angesichts der zunehmenden Verwendung von Abnehmmedikamenten ist es wichtig, mögliche Nebenwirkungen offen zu kommunizieren. Besonders Personen mit einem bereits erhöhten Risiko für Sehnenverletzungen, etwa aufgrund anderer Medikamente oder früherer Sehnenrisse, sollten vorsichtig sein.
Die Forscher betonen, dass weitere Studien erforderlich sind, um den möglichen Zusammenhang zwischen GLP-1-Medikamenten und Sehnenrissen genauer zu untersuchen. Bis dahin sollten Ärzte und Patienten gemeinsam die Vorteile und potenziellen Risiken dieser Medikamente abwägen.
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