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Senken von LDL-Werten: Ein Schlüssel zu besserem Herzschutz

Neue Studienergebnisse zeigen, dass eine stärkere Senkung des LDL-Cholesterins das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant verringern kann. Experten empfehlen nun Zielwerte unter 55 mg/dl für gefährdete Personen.

Neue LDL-Zielwerte: Cholesterin weiter zu senken, schützt das Herz besser
KI-generiert

Ein erhöhter Cholesterinspiegel stellt einen erheblichen Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle dar. Neueste Studienergebnisse belegen, dass eine noch stärkere Senkung der Cholesterinwerte das Risiko signifikant reduzieren kann.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Vor Kurzem haben Fachleute der American Heart Association zusammen mit weiteren medizinischen Gesellschaften ihre Empfehlungen zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen, die als Hauptursache für Herzkrankheiten gelten, umfassend überarbeitet. Ein zentrales Element dieser Neuerungen ist die Empfehlung, die Zielwerte für LDL-Cholesterin deutlich zu senken. Insbesondere für Erwachsene, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, wird nun ein Zielwert von unter 55 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) empfohlen, anstelle des früheren Wertes von 70 mg/dl. Diese Richtlinie gilt auch in Deutschland.

Bislang waren die wissenschaftlichen Belege, die diese Empfehlung stützen, begrenzt. Forscher aus Südkorea haben nun erstmals die neuen und alten Zielwerte direkt verglichen und festgestellt, dass eine stärkere Senkung des LDL-Cholesterins tatsächlich erhebliche Vorteile für die Herzgesundheit mit sich bringt und potenziell Leben retten kann. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Die Gefahren von LDL-Cholesterin

Cholesterin ist ein lebensnotwendiges Lipoprotein, das im Körper zirkuliert. Ein übermäßiger Cholesterinspiegel im Blut kann jedoch zu Ablagerungen in den Blutgefäßen führen, was deren Verengung und Versteifung zur Folge hat. Diese Gefäßverkalkung, auch als Arteriosklerose bekannt, erhöht das Risiko für verschiedene Erkrankungen, darunter koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Durchblutungsstörungen in den Beinen oder im Darm. LDL-Cholesterin wird als besonders schädlich angesehen, da es Fette in verschiedene Organe transportiert.

Studie zeigt signifikante Vorteile

In einer Untersuchung unter der Leitung von Yong-Joon Lee vom Yonsei University College of Medicine in Seoul wurden 3.048 Patienten mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Angina pectoris oder Schlaganfall, in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe sollte einen LDL-Wert von unter 55 mg/dl erreichen, während die andere Gruppe den Zielwert von 70 mg/dl anstrebte. Die Patienten wurden über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtet, wobei die Therapie bei Bedarf mit Statinen, Ezetimib oder PCSK9-Hemmern angepasst wurde.

Die Ergebnisse waren eindeutig: In der Gruppe mit dem strengeren Zielwert traten schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um 33 Prozent seltener auf. Dazu zählen Herzinfarkte, Schlaganfälle, Krankenhausaufenthalte aufgrund instabiler Angina pectoris sowie chirurgische Eingriffe wie Bypass-Operationen. Insgesamt erlebten 6,6 Prozent der Patienten in der intensiven Gruppe ein solches Ereignis, während der Anteil in der Vergleichsgruppe bei 9,7 Prozent lag.

Weniger Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Besonders auffällig war der Unterschied bei Herzinfarkten und Eingriffen an den Herzgefäßen. Der Vorteil für die Herzgesundheit führte zudem dazu, dass weniger Menschen an kardiovaskulären Ereignissen starben.

Therapie mit vergleichbaren Nebenwirkungen

Byeong-Keuk Kim, der Hauptautor der Studie und Professor für Kardiologie am Severance Hospital, erklärte, dass die neuen Zielwerte eine sichere Methode darstellen, um das Risiko schwerwiegender Herz-Kreislauf-Erkrankungen über einen Zeitraum von drei Jahren zu senken. Er betonte, dass die Therapie voraussichtlich für alle Arten von arteriosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Vorteil ist, wobei Patienten mit besonders hohem Risiko am stärksten profitieren.

Wichtig ist, dass die intensivere Senkung des Cholesterins nicht zu einer Zunahme von Nebenwirkungen führte. Die Sicherheit der Therapie blieb insgesamt vergleichbar. Bei der Nierenfunktion zeigte sich sogar ein leichter Vorteil für die intensivere Behandlung. Typische Nebenwirkungen einer cholesterinsenkenden Therapie sind Muskelschmerzen, Verdauungsstörungen und in seltenen Fällen die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Neuere Daten deuten jedoch darauf hin, dass solche Nebenwirkungen nicht so häufig auftreten, wie oft befürchtet wird.

Grenzen der Studie

Die Untersuchung hat jedoch auch ihre Einschränkungen. Alle Teilnehmer stammten aus Südkorea, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bevölkerungen fraglich macht. Zudem erreichten knapp 40 Prozent der Probanden den angestrebten Zielwert von unter 55 mg/dl nicht, und einige moderne Medikamente standen während der Studie nur eingeschränkt zur Verfügung.

Trotz dieser Einschränkungen verdeutlicht die Studie, dass eine konsequente Senkung des LDL-Cholesterins entscheidend dazu beitragen kann, weitere Herz-Kreislauf-Ereignisse zu verhindern. Für Patienten bedeutet dies vor allem, dass die Therapieziele ernst genommen und regelmäßig überprüft werden sollten, da jeder gesenkte Wert das Risiko für lebensbedrohliche Komplikationen weiter reduzieren kann.

Bildquelle: ai-variation-gemini

Ronny Winkler