Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Warum wir trotz Sättigung weiteressen – Forscher erklären das Phänomen

Eigentlich sind wir satt – und greifen trotzdem noch einmal zu. Wissenschaftler erklären, warum unser Körper und unser Gehirn oft unterschiedliche Signale senden und weshalb Dessert oder Snacks selbst nach einer großen Mahlzeit noch verlockend wirken.

Artikel hören

Foto: depositphotos

Sättigung heißt nicht automatisch Ess-Stopp

Viele Menschen kennen das Gefühl: Nach dem Hauptgericht ist der Magen eigentlich voll, doch für Nachtisch scheint immer noch Platz zu sein. Ernährungsforscher erklären dieses Verhalten mit dem sogenannten Belohnungssystem im Gehirn.

Während der Körper über Hormone wie Leptin und Insulin signalisiert, dass genügend Energie aufgenommen wurde, reagiert das Gehirn weiterhin auf attraktive Reize wie Zucker oder Fett. Diese Lebensmittel aktivieren neuronale Belohnungszentren, wodurch das Verlangen bestehen bleibt – selbst bei physischer Sättigung.

Rolle von Dopamin und Gewohnheiten

Beim Essen werden Botenstoffe wie Dopamin ausgeschüttet. Sie verstärken das positive Gefühl beim Konsum bestimmter Speisen. Besonders süße oder fettreiche Lebensmittel lösen starke Reaktionen aus.

Hinzu kommen erlernte Gewohnheiten. Wer regelmäßig nach dem Essen ein Dessert isst, trainiert das Gehirn darauf, diese zusätzliche Mahlzeit zu erwarten. Das Hungergefühl spielt dann eine geringere Rolle als Routine und emotionale Verknüpfung.

Unterschied zwischen Hunger und Appetit

Wissenschaftler unterscheiden klar zwischen physiologischem Hunger und Appetit. Hunger entsteht durch einen tatsächlichen Energiebedarf des Körpers. Appetit dagegen wird durch äußere Reize ausgelöst – etwa durch Gerüche, Anblicke oder soziale Situationen.

Auch Stress, Langeweile oder Emotionen können dazu führen, dass Menschen weiteressen, obwohl sie keinen körperlichen Bedarf mehr haben. Das Gehirn sucht in solchen Momenten nach kurzfristiger Belohnung.

Evolutionärer Hintergrund

Evolutionsbiologisch ergibt das Verhalten ebenfalls Sinn. In Zeiten knapper Nahrungsangebote war es vorteilhaft, energiereiche Nahrung aufzunehmen, sobald sie verfügbar war. Der Körper speichert überschüssige Energie als Reserve.

In einer modernen Umgebung mit ständigem Zugang zu Lebensmitteln kann dieser Mechanismus jedoch dazu führen, dass regelmäßig mehr gegessen wird als nötig.

Einfluss von Umgebung und Portionsgröße

Studien zeigen außerdem, dass große Portionen und ständige Verfügbarkeit das Essverhalten stark beeinflussen. Je mehr Essen auf dem Tisch steht, desto eher greifen Menschen erneut zu. Auch soziale Faktoren wie gemeinsame Mahlzeiten können die aufgenommene Menge erhöhen.

Das Zusammenspiel aus biologischen Signalen, Gewohnheiten und Umweltfaktoren erklärt, warum das Sättigungsgefühl nicht immer automatisch bedeutet, dass wir aufhören zu essen.

TS
Quellen: n-tv.de