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Xabi Alonso: Vom Studium zum Weltmeister-Trainer

Alonso hätte fast in der Wirtschaft gearbeitet. Heute führt er Leverkusen zum möglichen Triple und plant eine Trainerkarriere.

Leverkusens Trainer Xabi Alonso kann mit seinem Team das Triple holen.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Xabi Alonso wäre fast in der freien Wirtschaft gelandet. Trotz seiner ersten Profi-Jahre bei Real Sociedad San Sebastián studierte der Baske nebenbei. Er hatte nicht so recht Vertrauen in die Sache mit dem Fußball.

Eine Profi-Karriere habe er «ehrlicherweise lange nicht für möglich gehalten, darum war es auch nie mein einziges Ziel im Leben», erzählte der Trainer des designierten deutschen Meisters Bayer Leverkusen mal im Vereinsmagazin «Werkself»: «Ich habe studiert und nebenbei gespielt und mal geschaut, wie weit ich es im Fußball schaffe.»

Er sei sogar zur Uni gegangen, «bis ich nach Liverpool gewechselt bin», berichtete Alonso weiter. 2004 war das, da war er schon 22. «Es hat nur ein Kurs gefehlt, um den Abschluss in Wirtschaftswissenschaften zu machen», sagte er: «Ich hätte ohne den Wechsel wohl den gleichen Weg wie meine Freunde eingeschlagen: das Studium abschließen, mir einen Job in der Wirtschaft suchen. Das war der klare Plan für den Fall, dass ich keinen Erfolg im Fußball gehabt hätte, und das war auch völlig okay für mich.»

Erst skeptisch, dann megaerfolgreich

Alonso wurde einmal Weltmeister, zweimal Europameister, zweimal Champions-League-Sieger und gewann 13 weitere Titel. Der Mittelfeldspieler wurde zu einem der erfolgreichsten Profis in diesem Jahrtausend. Mit 42 Jahren arbeitet er nun an einer möglicherweise genauso erfolgreichen Trainer-Karriere.

Mit Leverkusen kann er bereits am kommenden Wochenende den ersten Meistertitel in der Geschichte des Vereins gewinnen und die elfjährige Meisterserie des FC Bayern beenden. Als Finalist im DFB-Pokal und Viertelfinalist in der Europa League ist sogar das Triple möglich. Um dieses Ziel zu erreichen, möchte Alonso am Donnerstag (21.00 Uhr/RTL) mit seinem Team im Hinspiel gegen West Ham United einen weiteren Schritt in Richtung Finale in Dublin machen. Zuerst die Engländer besiegen, dann am Sonntag die Meisterschaft feiern: So könnte die perfekte Woche für Bayer aussehen.

Deutschland lange als erstes Ziel auserkoren

Dass er seine Trainer-Karriere so richtig in Deutschland starten will, hatte er schon lange im Kopf. Bereits vor seinem Wechsel als Spieler nach München 2014 habe Alonso «typisch deutsche Eigenschaften» gehabt, sagte er. Vor Ort habe ihm dann die Organisation und die analytische Herangehensweise sehr gefallen. «Nun, in der zweiten Etappe meiner Karriere, ist meine Verantwortung noch größer geworden und diese Dinge haben noch einmal an Bedeutung gewonnen», sagte er. Deshalb habe er sich «immer daran erinnert, dass diese Liga der richtige Ort für mich ist, um nach der Zeit in San Sebastián den nächsten Schritt in meiner Trainerlaufbahn zu gehen.»

2021 lehnte er Mönchengladbach noch ab, da er sich noch nicht bereit fühlte. Im Oktober 2022 klopfte Leverkusen an. Alonso sagte zu und startete mit Bayer durch. Im Frühjahr war er beim FC Bayern und beim FC Liverpool der Wunschkandidat. Alonso dachte darüber nach, zu beiden ehemaligen Vereinen hat er eine enge Bindung. Aber dann entschied er: Seine Mission in Leverkusen ist noch nicht abgeschlossen, er bleibt mindestens noch ein Jahr. Die Angebote werden wieder kommen, da kann er sich ziemlich sicher sein. Und viele glauben sowieso, dass sein nächster Schritt in ein oder zwei Jahren die Nachfolge von Carlo Ancelotti bei Real Madrid sein wird.

Verein hat sich in allen Bereichen entwickelt

Alonsos Einfluss in Leverkusen ist jedoch nicht nur an Titeln messbar. Die Begeisterung für den Verein ist enorm, die Fankultur hat sich weiterentwickelt und die Mitgliederzahlen sind gestiegen. Schon vor der Saison kamen Spieler wie Granit Xhaka, Alejandro Grimaldo oder Jonas Hofmann auch aufgrund seiner Präsenz. Sein Verbleib unterstützt die Entwicklung von Florian Wirtz und Bayer wird im Sommer bei der moderaten Verstärkung des Kaders mit ungewöhnlich prominenten Namen Chancen haben. Wie zu den besten Zeiten von Pep Guardiola, einem der vielen Mentoren von Alonso, möchten viele mit ihm arbeiten und unter ihm spielen. Allein in dieser Saison hat er acht Leverkusen-Spielern zu ihren Debüts in den Nationalmannschaften verholfen.

Seine Themen bekommt deshalb so gut vermittelt, weil er das mit Akribie, aber ohne Verbissenheit tut, mit der Aura eines Weltmanns und mit der nötigen Portion Lockerheit. So hat er eine Mannschaft geformt, die ihm bedingungslos folgt. «Xabi weiß, was eine Kabine braucht. Die Spieler hören auf ihn», sagte Clubchef Fernando Carro. «Er weiß genau, wie er mit den Spielern umgehen muss, wann er kritisieren, wann er loben muss», erklärte Xhaka. Dabei sei bei all dem Spektakulären das Besondere, dass Alonso die schwierigen Dinge einfach macht. Hofmann lobte seinen Coach vor allem für «viele einfache, aber effektive Dinge. Und das ist das, was im Fußball zählt».

Alonso musste sich während seiner Trainer-Karriere kein zweites Standbein aufbauen. Fakt ist, dass er bereits jetzt einer der besten in Europa ist.

dpa