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1. FC Union Berlin gewinnt Spiel trotz Fan-Protesten

Der 1. FC Union Berlin hat trotz massiver Fan-Proteste einen wichtigen Sieg im Kampf gegen den Abstieg errungen. Das Spiel wurde mehrmals unterbrochen, doch am Ende erzielte Union das entscheidende Tor und vergrößerte den Abstand zu den Abstiegsplätzen.

Danilho Doekhi (3.v.l) traf für Union Berlin zum 1:0.
Foto: Andreas Gora/dpa

Im Kampf gegen den Abstieg hat der 1. FC Union Berlin einen bedeutenden Sieg errungen, während eines Spiels, das kurz vor dem Abbruch aufgrund massiver Fan-Proteste stand. Unter der Leitung von Nenad Bjelica, der nach seiner Sperre sein Comeback auf der Trainerbank gab, besiegten die Eisernen den weiterhin sieglosen VfL Wolfsburg von Trainer Niko Kovac mit 1:0 (1:0) im Stadion An der Alten Försterei an einem langen Nachmittag.

Die Partie wurde insgesamt über 30 Minuten lang durch Tennisballwürfe von Fans beider Teams unterbrochen. Der Grund dafür ist der Widerstand gegen die Investorenpläne der Deutschen Fußball Liga. Das Tor wurde von Danilho Doekhi (45.+25) erzielt. In der Tabelle hat Union Berlin den Vorsprung auf den Relegationsrang vorerst auf sechs Punkte vergrößert und befindet sich nun auf dem 15. Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga. Die Rheinländer müssen an diesem Sonntag gegen den VfB Stuttgart antreten.

Es hätte ein Spiel mit vielen Geschichten sein können: Die Rückkehr von Bjelica, das Wiedersehen der Unioner mit dem neuen VfL-Stürmer Kevin Behrens, die Suche der Eisernen nach einem rechten Verteidiger aufgrund von drei Personalausfällen für diese Position. Doch es wurde vor allem ein Protest-Nachmittag.

Stadion-Sprecher mit klarer Ansage

«Die Botschaft sei sehr, sehr klar und deutlich angekommen», betonte Stadionsprecher Christian Arbeit, der auch der Kommunikationschef der Berliner ist, über das Außenmikrofon. In einer weiteren Durchsage sagte er: «Wir sind so, so kurz davor dieses Spiel nicht weiter austragen zu können.»

Der Protest begann bereits zum Anpfiff. Laut brüllten die Union-Fans noch das obligatorische «Fußball-Gott» bei der Vorstellung von Bjelica, der im Nachholspiel beim FC Bayern Leroy Sané zweimal ins Gesicht gefasst hatte und dafür vom DFB, aber auch von Union sanktioniert worden war.

Fans vereint in der Wut auf die DFL

Sowohl die Fangruppen als auch die Gäste richteten sich mit passenden Bannern und Rufen gegen die DFL. Jonas Wind hatte die erste Chance für die Gäste auf dem Rasen, konnte den Ball aber aus kurzer Distanz nicht an Torwart Frederik Rönnow vorbeibringen. Auf der anderen Seite hatte Kevin Volland die erste Gelegenheit für die Gastgeber.

Spielfluss konnte nicht aufkommen. Nach gut 26 Minuten flogen die ersten Tennisbälle auf den Rasen. Als Referee Matthias Jöllenbeck die Begegnung nach gut elf Minuten wieder anpfiff, weil er glaubte, die Lage hätte sich beruhigt, landeten weitere gelbe Filzkugeln auf dem Platz. Er schickte beide Mannschaften in die Kabine, die Fans sangen zuerst «Tennisbälle sind kein Verbrechen» und danach: «Auf Wiedersehen».

Union-Kapitän: Protest sollte schon wehtun

Mit weiteren Bannern wie «Private-Equity-Heuschrecken ohne Einflussnahme?» oder «DFL-Geprüfte Investoren: Finanziert vom Saudischen Blutgeld» unterstrichen die Fans ihre Position. Als wäre nichts gewesen, stimmten sie dann, als die Partie erneut fortgesetzt wurde, ihre Fangesänge an. Doch kurz darauf flogen die Tennisbälle aus den Reihen der Wolfsburger Fans. Wieder kurze Pause.

Wöllenbeck pfiff dann zum letzten Versuch an – mit einer Nachspielzeit allein der ersten Hälfte von fast 30 Minuten. Dass dabei der aufgerückte Doekhi nach einem Eckball das Unioner Tor erzielte, ließ auch die Hoffnungen auf ein reguläres Ende der Partie anwachsen. «Allgemein sehe ich es so, dass ein Protest schon wehtun sollte, weil sonst sieht und hört man ihn nicht. Aus Spielersicht natürlich nicht optimal, wir führen, also ziehe ich was Positives raus», sagte Unions rotgesperrter Kapitän Christopher Trimmel bei Sky.

Obwohl die Wolfsburger Mannschaft weiterhin auf den Ausgleich drängte, testete Wind erneut Rönnow mit einem Kopfball (63.). Letztendlich warten die Niedersachsen jedoch seit dem 1:0 gegen den SV Darmstadt am 16. Dezember auf den nächsten Sieg in der Liga. Alle vier Spiele des VfL vor dem Union-Spiel endeten unentschieden.

dpa