Die vermeintliche Ruhe für Christian Horner war von kurzer Dauer. Im Formel-1-Fahrerlager von Bahrain rücken anonyme E-Mails Red Bulls Teamchef wieder in den Mittelpunkt.
Anonyme Mails: Neuer Druck auf Red-Bull-Teamchef

Fotografen und TV-Teams haben sich vor dem sandfarbenen Pavillon von Red Bull im Formel-1-Fahrerlager von Bahrain positioniert. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen nicht wie üblich Triple-Weltmeister Max Verstappen, sondern erneut sein Teamchef Christian Horner.
Die Erleichterung nach dem vermeintlichen Freispruch für den 50-Jährigen in der delikaten Affäre bezüglich angeblich unangemessenem Verhalten gegenüber einer Mitarbeiterin war nur von kurzer Dauer in der steinigen Wüste von Sakhir. Zwei anonyme E-Mails an eine ausgewählte Gruppe von Personen, darunter auch die anderen neun Teamchefs und Bosse der Formel 1, überschatteten einen Tag vor dem Saisonauftakt erneut das sportliche Geschehen. Unruhe brach aus, als die E-Mails etwa 24 Stunden nach der Ankündigung des Mutterkonzerns Red Bull bezüglich der abgelehnten Beschwerde gegen Horner in den Postfächern auftauchten.
Horner äußert sich nach anonymen E-Mails
Ob die per Link mitversendeten Inhalte echt sind, blieb vorerst unklar. Horner, der seit 2005 Teamchef von Red Bull Racing ist, ließ wenig später über einen Sprecher in seinem Namen eine Stellungnahme im Fahrerlager vorlesen. «Ich werde mich nicht zu anonymen Spekulationen äußern, aber um es noch einmal zu wiederholen: Ich habe die Anschuldigungen immer zurückgewiesen.»
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er sich bei der Präsentation des neuen Rennwagens oder bei den Testfahrten genauso verhalten wie immer: Business as usual. Horner unterhielt sich in Bahrain auf der Terrasse des Pavillons mit Teammitgliedern, er verbarg sich nicht.
Affäre mit Zügen eines Kriminalfalls
Die anonymen E-Mails, die die Wochen vor dem Beginn der glänzenden Formel-1-Welt beschäftigt hatten, wurden erneut zum Hauptgesprächsthema, und die Angelegenheit um den seit 2015 mit dem ehemaligen Spice-Girl Geri Halliwell verheirateten Briten nahm kriminalistische Züge an.
Die Fragen, wer von den E-Mails profitieren würde, wer überhaupt Zugang zu den Empfängern hatte, darunter zum Beispiel nur Medienvertreter mit einer Saisonakkreditierung, und wer die E-Mails tatsächlich verschickt hat, bleiben offen. Es ist unklar, ob all dies Gegenstand möglicher weiterer Ermittlungen und Untersuchungen sein wird. Die Anwälte von Horner haben jedenfalls noch am selben Abend eine E-Mail verschickt und darauf hingewiesen, dass Horner alle Anschuldigungen bestritten hat.
Er habe die Integrität der unabhängigen Untersuchung respektiert und bei jedem Schritt uneingeschränkt mit ihr kooperiert, hatte Horner selbst nach Bekanntwerden der E-Mails verlautbaren lassen. «Es war eine gründliche und faire Untersuchung, die von einem unabhängigen Fachanwalt durchgeführt wurde und zu dem Ergebnis kam, dass die eingereichte Beschwerde abgewiesen wurde. Ich bin weiterhin voll auf den Saisonstart fokussiert.»
Mercedes-Teamchef fordert mehr Transparenz
Nachdem am 5. Februar der Mutterkonzern die Vorwürfe und die Ermittlung bestätigt hatte, teilte Red Bull 23 Tage später die Abweisung der Beschwerde mit. Das war am Mittwoch, einen Tag vor dem Trainingsauftakt der Formel-1-Saison. Red Bull stellte auch klar, dass der Untersuchungsbericht vertraulich sei und private Informationen der Parteien und Dritter enthalte, die an der Untersuchung mitgewirkt hätten. «Aus Respekt für alle Beteiligten wird Red Bull sich daher nicht weiter dazu äußern.»
Die Formel 1 schien aufzuatmen, der große Image-Crash vor dem Start in die Rekordsaison mit 24 Rennen abgewendet. Gleichwohl beklagten Horners Amtskollegen Toto Wolff und Zak Brown schon bei der offiziellen Medienrunde am Donnerstag die ihrer Meinung nach fehlende Transparenz in der Angelegenheit. «Als Sport können wir es uns nicht leisten, Dinge im Ungefähren und Dunklen zu lassen», sagte Wolff, Teamchef des deutschen Werksrennstalls Mercedes.
Horner-Angelegenheit angeblich Top-Punkt bei Treffen der Bosse
Er und Brown sahen auch die Bosse der Formel 1 und des Internationalen Automobilverbandes in der Pflicht. «Der Sport braucht das, um einen Schlussstrich darunter zu machen, sonst ist es nicht gesund für den Sport», sagte Brown.
Eine Antwort des kommerziellen Rechteinhabers aus den USA und der Regelhüter mit Sitz in Paris auf die E-Mails blieb vorerst aus. In den Büros herrschte jedoch geschäftiges Treiben. Bei einem bereits geplanten Treffen zwischen dem Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali und dem Fia-Präsidenten Mohammed Ben Sulayem soll das Thema Gerüchten zufolge noch vor dem Rennen am Samstag (16.00 Uhr/Sky und RTL) ganz oben auf der Agenda stehen.








