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Auftakt in die «Todesgruppe»: DHB-Team heiß auf Revanche

Zum Hauptrunden-Start wartet mit Portugal der Angstgegner. Nach der WM-Pleite haben Deutschlands Handballer noch eine Rechnung offen. Jetzt beginnt der «Hitchcock-Klassiker im Zwei-Tages-Rhythmus».

Justus Fischer zeigte gegen Spanien eine herausragende Leistung.
Foto: Sina Schuldt/dpa

Beim entspannten Teamabend in einem Restaurant in Silkeborg wollten die deutschen Handballer vor dem großen Knall Ruhe genießen. Keine Kameras, kein Lärm, sondern leckeres Essen und entspannte Gespräche. Noch einmal Energie tanken vor dem Start der Hauptrunde am Donnerstag gegen Dänemark, das beste Team der Welt. Doch der Abend verlief anders als erwartet.

Die erwartete «Hölle von Herning» mit einer roten Wand aus 15.000 Fans dürfte sich wie schon in den Vorrundenspielen in ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer verwandeln. Denn nicht der Co-Gastgeber aus dem Norden ist der Gegner. Sondern der WM-Vierte Portugal, der den Olympiasieger entzauberte und ihm die erste Niederlage in Herning seit 2014 zufügte.

Die deutsche Nationalmannschaft hat die Möglichkeit, sich gleich zu Beginn der zweiten Turnierphase für die bittere Niederlage im WM-Viertelfinale 2025 zu revanchieren. Trotz einer herausragenden Leistung von Torhüter Andreas Wolff hatte Deutschland damals seine Chance auf eine Medaille durch das 30:31 nach Verlängerung verloren. Ein Jahr zuvor gab es vor der Heim-EM zwei knappe Testspielsiege. Bei der letzten EM-Endrunde trafen beide Teams vor sechs Jahren aufeinander, wobei Deutschland im Spiel um Platz 5 mit 29:27 siegte.

Niemand dachte an Dänemark

DHB-Teammanager Benjamin Chatton lobte den Überraschungscoup als eine «eindrucksvolle Leistung der Portugiesen, die anscheinend ihre Qualität aus dem letzten Jahr nochmal unterstreichen wollen. Sicherlich für alle Beteiligten ein überraschendes Ergebnis», gestand der 44-Jährige. 

Auf der deutschen Pressekonferenz wurde nur über die dänischen Überflieger gesprochen, und weder Spieler noch DHB-Verantwortliche erwähnten Portugal als Auftaktgegner. Dies verdeutlicht die kleine Handball-Sensation.

«Hitchcock-Klassiker im Zwei-Tages-Rhythmus»

Nach dem Duell mit Portugal am Donnerstag wartet am Samstag Norwegen. Dann Dänemark am Montag, bevor es zum Hauptrundenabschluss am Mittwoch gegen Titelverteidiger Frankreich geht. «Das macht unsere Gruppe nicht nur wahrscheinlich zur schwersten Hauptrunde seit vielen Jahren, sondern zur absoluten Todesgruppe und verspricht Hitchcock-Klassiker im Zwei-Tages-Rhythmus», sagte Chatton.

Heißt: Jedes Spiel ein Thriller, körperliche Dauerbelastung und dramatische Spielverläufe. Deutschland bestimmt selbst, ob es lieber einen Horrorstreifen dreht oder einen Psychokrimi mit Happy End. «Die Handball-Fans in Europa und auf der Welt können sich auf Top-Begegnungen freuen. Für alle Beteiligten heißt das intensive Tage», betonte Chatton.

Bundestrainer Alfred Gislason hatte die Konstellation unabhängig von der Reihenfolge der Gegner schon vorab so zusammengefasst: «Jetzt kommen nur noch Endspiele.»

Knorr: Es könnte eine schöne Geschichte werden

Deutschland zeigt Mut und steigert seine Leistung zum Abschluss der Vorrunde gegen Spanien. Der nervenstarke Auftritt des Olympia-Zweiten im Alles-oder-Nichts-Spiel hat neue Energien freigesetzt. Anstatt die Hauptrunde nach dem Ausrutscher gegen Serbien vor dem Fernseher in Deutschland zu verfolgen, startet man nun mit der bestmöglichen Punkteausbeute in die entscheidenden Duelle.

«Es könnte eine schöne Geschichte werden», sagte Spielmacher Juri Knorr, nachdem gefühlt halb Deutschland die Mannschaft nach der Serbien-Pleite schon abgeschrieben hatte.

Die deutsche Riege ist optimistisch. Das Problem: Portugal dürfte nach seinem Sieg gegen Weltmeister Dänemark vor Selbstvertrauen strotzen wie selten zuvor. «Wir kennen Deutschland. Sie haben einen der besten Torhüter und eine starke Abwehr. Aber wir wissen, was wir zu tun haben», sagte Rückraumspieler Martim Costa mit Blick auf den WM-Krimi vor zwölf Monaten. «Es wird für uns ein Endspiel werden wie heute», stellte der Portugiese klar.

dpa