Das 0:0 der Bayern in Leverkusen war rechnerisch ein Erfolg im Meisterkampf. Ein Remis würde auch gegen Celtic Glasgow reichen. Aber in der Königsklasse geht’s auch um die wahre Bayern-DNA.
Bayerns Doppelkampf gegen Celtic und die Topteam-Zweifel
Bayer 04 mit Bayern-Spezialist Xabi Alonso oder Atlético Madrid mit Psycho-Coach Diego Simeone? Diese Champions-League-Frage beschäftigt bereits viele in München, besonders nach dem beeindruckenden Auftritt der Bayern in Leverkusen. Trainer Vincent Kompany muss mit seinen Stars am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video) den erwarteten Einzug ins Königsklassen-Achtelfinale im Playoff-Rückspiel gegen Celtic Glasgow schaffen.
Aber wer wollte daran ernsthaft zweifeln nach dem 2:1 der Münchner beim Hinspiel in Schottland? Selbst der stets vorsichtige Trainer Vincent Kompany sprach danach von «einer guten Ausgangsposition».
Alle Statistiken sprechen für Bayern
Alle Europapokal-Statistiken belegen die Überlegenheit des deutschen Rekordmeisters, der zu Hause noch nie gegen ein schottisches Team verloren hat und in insgesamt 20 Heimspielen in der Königsklasse unbesiegt ist. In 28 von 29 Fällen konnten die Münchner nach einem Auswärtssieg im Hinspiel weiterkommen. Unter Kompany gab es in der Ligaphase vier Heimsiege.
Celtic, das zu Hause stark ist, tritt im Ausland eher als europäisches Leichtgewicht auf. In Dortmund – angesichts des aktuellen BVB-Zustandes mag man es kaum glauben – gab es in dieser Saison ein deutliches 1:7.
Auch das dramatisch unterlegene Auftreten der Bayern beim möglicherweise entscheidenden 0:0 im Bundesliga-Topspiel in Leverkusen hat intern keine Zweifel am Weiterkommen gegen Celtic aufkommen lassen. Vielmehr wird bezweifelt, ob die Bayern wirklich die Qualität besitzen, um sich den Traum vom Heimfinale am 31. Mai in der Allianz Arena zu erfüllen.
Es geht um ein Zeichen – an Bayer oder Atlético
Es geht jetzt vor allem darum, ein europäisches Zeichen der Stärke gegen Celtic zu setzen. Das reine Ergebnisfußball in Leverkusen, das pure Verteidigen und die ausnahmsweise in Kauf genommene Offensiv-Auszeit sollten nicht erneut vorkommen. Selbst wenn ein weiteres 0:0 bereits ausreichen würde, um weiterzukommen.
«Grundsätzlich ist es nicht die Bayern-DNA, auf Unentschieden zu spielen», sagte Sportvorstand Max Eberl nach dem historisch harmlosen Auftritt gegen total dominante Leverkusener. «Wir können sicher besser Fußball spielen», räumte auch Sportdirektor Christoph Freund ein. Aber im Vordergrund stand wohl, in der Liga den deutlichen Vorsprung auf Meister Bayer zu behaupten.
«Wir können das Spiel als für uns ordentliches Ergebnis abhaken. Wir sind acht Punkte vorne in der Liga und haben zu Hause die Chance, in der Champions League weiterzukommen», sagte Thomas Müller: «Wir haben gut zu tun, weiter geht’s.» Der mit schweren Spielen vollgepackte Februar erweist sich aber nun exakt als die Energieverschwendung, die sich die Münchner eigentlich – so wie die direkt ins Achtelfinale eingezogenen Leverkusener – ersparen wollten.
Befürchtetes Februar-Szenario
Auch Kompany sprach die Thematik nach dem mit viel Glück gemeisterten Abwehr-Kraftakt in Leverkusen an. «Wir haben gut verteidigt, und das nach einem Riesenkampf in Glasgow. Und wir müssen im Rückspiel gegen Celtic wieder bereit sein», sagte der Belgier. Er könnte darum personell rotieren.
Der Drei-Tages-Rhythmus schlaucht. Körperlich und mental fehlt nicht nur dem fürs Offensivspiel so wichtigen Kreativkünstler Jamal Musiala gerade die nötige Frische für inspirierenden Power-Fußball. «Wir können nicht nachlassen», stöhnte der 21 Jahre alte Nationalspieler, dessen Vertragsverlängerung bis 2030 eigentlich einen Energieschub im gesamten Verein auslösen sollte.
In Leverkusen war Musiala oft grätschend und am Boden zu sehen. Auch Harry Kane spielte hauptsächlich in der Verteidigung. Ein typischer Mia-san-mia-Auftritt gegen Celtic ist daher vor den bevorstehenden schwierigen Liga-Prüfungen gegen Eintracht Frankfurt und beim VfB Stuttgart erforderlich, um die berechtigten Zweifel am Status des Münchner Spitzenteams zu beseitigen. Besonders im Hinblick auf das fest eingeplante Champions-League-Achtelfinale mit den unangenehmen Gegnern Bayer Leverkusen und Atlético Madrid. Die Auslosung findet am Freitag statt.