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Bereit für Mega-Kampf: Kabayel fordert Champion Usyk heraus

Profiboxer Kabayel feiert vor packender Kulisse in Oberhausen seinen nächsten Sieg. Und steht vor seinem ersehnten WM-Kampf. Vielleicht in Deutschland? Es gibt schon Ideen für ein passendes Stadion.

Der deutsche Schwergewichtsboxer Agit Kabayel hat seinen Interims-WM-Titel verteidigt.
Foto: Bernd Thissen/dpa

Angefacht von der stimmungsvollen Kulisse machte Agit Kabayel deutlich, gegen wen er seinen herbeigesehnten ersten WM-Kampf bestreiten will. Nach dem klaren Knockout-Erfolg des besten deutschen Schwergewichtsboxers über den Polen Damian Knyba vor 13.000 Zuschauern in Oberhausen riefen Fans laut «Usyk, Usyk». Die Anhänger und wohl ein großer Teil der deutschen Boxszene wünschen sich den Mega-Kampf zwischen Kabayel und Dreifach-Champion Oleksandr Usyk. 

«Dieser Mann ist der beste Boxer der Welt», huldigte Kabayel den Ukrainer. «Habe ich den Kampf gegen Usyk verdient? Ich denke schon, dass ich den Kampf verdient habe. Ja, ich bin ready», sagte der 33-Jährige in den Katakomben der Arena. «Er ist umgeschlagen, ich bin umgeschlagen. Warum nicht? Let’s go.» 

Halmich: «Erinnert mich an die gute alte Boxzeit»

Kabayel feierte seinen 27. Sieg und will sich nach Max Schmeling vor mehr als 95 Jahren als zweiter Deutscher die WM-Krone im Schwergewicht aufsetzen. Die Bewerbung von Kabayel um einen großen Kampf war angesichts der elektrisierenden Kulisse erfolgreich. Die Stimmung in der vollen Halle begeisterte auch Ex-Weltmeisterin Regina Halmich: «Ich habe wirklich Gänsehaut, das erinnert mich an die gute alte Boxzeit. Das Boxen in Deutschland lebt wieder – und das tut so gut», sagte die DAZN-Expertin. 

Der Boxer mit kurdischen Wurzeln löste einen kleinen Hype aus. «Ich weiß nicht, ob ich den Boxsport verändert habe. Ich denke einfach, ich habe den Boxsport wiederbelebt», sagte er, nachdem sich das deutsche Boxen nach Henry Maske und den ukrainischen Klitschko-Brüdern lange nach derart ausverkauften Hallen gesehnt hatte. Dass viele Menschen mit kurdischen Wurzeln nach Oberhausen kamen, freut Kabayel. Der Profi stellte erneut klar, dass er sowohl Deutschland als auch Kurdistan im Herzen trage. 

Zum letzten Mal verfolgten in Deutschland mehr Zuschauer einen Boxkampf als bei der Niederlage von Wladimir Klitschko gegen Tyson Fury. Vor über zehn Jahren kamen etwa 50.000 Menschen nach Düsseldorf.

Wenn es nach Kabayel geht, dann steigt sein gewünschter WM-Kampf hierzulande. «Ich denke, wir können das in einem deutschen Stadion organisieren. Es gibt hier auch sehr viele ukrainische Menschen in Deutschland», sagte der Boxer über einen möglichen Fight in Deutschland. Die Stadien in Düsseldorf und die Arena in Gelsenkirchen stoßen bei den Box-Organisatoren hinter Kabayel offenbar auf großes Interesse. 

Kabayel-Manager schwärmt

Die Chancen auf ein WM-Duell hierzulande würden gut stehen, sagte Kabayels britischer Manager Spencer Brown der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn es Usyk ist, dann brauchen wir ein großes Stadion. Am besten mit 75.000 Zuschauern.» Die Arena auf Schalke in Gelsenkirchen beispielsweise sei groß genug, um einen möglichen Kampf gegen Usyk durchzuziehen. «Wenn die Stimmung so wie hier sein wird, dann könnte es eines der besten Publikumserlebnisse aller Zeiten werden», schwärmte er.

In letzter Zeit hat sich Kabayel dank seiner drei Knockout-Siege in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad gegen starke Gegner in der Weltspitze etabliert. Boxbeobachter hoffen auf ein Duell zwischen Usyk und Kabayel zum Ende des Jahres. Der Ukrainer erhielt von der WBC die Möglichkeit, eine freiwillige Titelverteidigung durchzuführen – und wird voraussichtlich im Frühjahr gegen den US-Amerikaner Deontay Wilder antreten. Möglicherweise wird Kabayel im Sommer einen weiteren Überbrückungskampf bestreiten.

Kabayel in erster Runde verkrampft

Kabayel zeigte ein aufregendes Ambiente. Der Lokalmatador kämpfte in der ersten Runde gegen Knyba mit angezogener Handbremse. Der zehn Zentimeter größere Gegner nutzte seine größere Reichweite clever aus und traktierte Kabayel mit einigen satten Treffern und Aufwärtshaken. Der Bochumer zog sich einen empfindlichen Cut über dem Auge zu.

«In der ersten Runde war ich einfach nicht da, weil ich von den Zuschauern abgelenkt war», sagte Kabayel, der angesichts der Kulisse ein «bisschen eingefroren» gewesen sei. «Dann hat der Coach zu mir gesagt: „Ey, du kämpfst auf Weltniveau. Du gehörst zu den Besten in der Welt. Was lässt du dich von so etwas durcheinander bringen?“» 

Kabayels erster Kampf in Deutschland seit fast drei Jahren endete mit einem technischen Knockout in der dritten Runde gegen den zuvor ungeschlagenen Kontrahenten. Er präsentierte stolz seinen Gürtel als Interimsweltmeister des Verbands WBC, den er verteidigt hatte.

Doch die harten Trainingswochen und fehlende Zeit mit der Familie forderten ihren Tribut. «Ich will einfach nur nach Hause», sagte Kabayel, der sich jetzt über die Zeit mit seiner Frau und seiner Tochter freut. Bevor er demnächst möglicherweise nur wenige Kilometer von seinem Haus in Bochum entfernt einen der größten Boxkämpfe in Deutschland seit langer Zeit austragen wird.

dpa