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Benedikt Doll holt Bronze bei Biathlon-WM in Nove Mesto

Der 33-Jährige ist stolz auf seine Leistung am Schießstand und freut sich über die Erlösung für das deutsche Team.

Holte die erste Medaille für die deutschen Männer bei der WM in Nove Mesto: Benedikt Doll.
Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Benedikt Doll wurde von Gratulanten im Zielraum förmlich überrannt. Kaum hatte der Schwarzwälder seinen Bronze-Coup bei der Biathlon-WM in Nove Mesto erreicht, umarmten ihn seine Teamkollegen voller Freude.

«Ich bin unfassbar stolz, dass ich am Schießstand so cool geblieben bin», sagte der 33-Jährige nach dem dritten Platz im schweren Einzel. Er musste sich nach einem Schießfehler nur den norwegischen Brüdern Johannes Thingnes Bö und Tarjei Bö geschlagen geben. Beide hatten ebenfalls jeweils eine Strafminute auf dem Konto.

Einen Tag nach dem überraschenden Silber für Janina Hettich-Walz bei den Frauen sorgte Doll mit der zweiten WM-Einzelmedaille seiner Laufbahn auch bei den Herren des Deutschen Skiverbands für die erhoffte Erlösung. Nach 20 Kilometern hatte Doll im Ziel 1:53,2 Minuten Rückstand auf den alten und neuen Champion Bö. «Heute hat alles zusammengepasst. Ich bin unfassbar glücklich, dass ich mir das noch mal selbst beweisen konnte», sagte Doll im ZDF und ergänzte: «Ich bin nicht an den Schießstand gegangen und habe Angst gehabt, sondern ich habe Spaß und Freude gehabt.»

Bö auf den Spuren von Björndalen

In der Zwischenzeit verteidigte Bö erfolgreich seinen Titel und holte auch sein 19. WM-Gold in seiner Karriere. Für ihn war dies der zweite Sieg in Tschechien. Bö ist jetzt nur noch einen Titel davon entfernt, den Rekord-Weltmeister Ole Einar Björndalen einzuholen. Selbst ein Schießfehler konnte den Dominator nicht aufhalten, nur sein älterer Bruder Tarjei kam ihm nahe, der auch einen Fehler machte. Die Norweger hatten zuvor bereits einen Dreifach-Sieg im Sprint und einen Fünffach-Sieg im Verfolgungsrennen gefeiert. Doll war der erste Nicht-Norweger, der eine Einzelmedaille in Nove Mesto gewann.

Nachdem er zwei Sprintsiege errungen hatte, reiste er mit großen Erwartungen zum Höhepunkt der Saison. Bei der WM belegte er bisher jedoch nur die Plätze 13 (Sprint) und 16 (Verfolgung). Mit drei perfekten Schießeinlagen erhöhte der Schwarzwälder im längsten aller Biathlonrennen den Druck auf die Konkurrenz. In der stimmungsvollen Vysocina Arena lag Doll zwischenzeitlich an erster Stelle, aber nach einer Strafminute zog Bö nach dem dritten Schießen vorbei. Beim letzten Stehendschießen patzte Doll einmal, aber da auch die Konkurrenz Fehler machte, war das am Ende fast unwichtig.

Für Doll ist es bereits das zweite Mal, dass er eine Einzelmedaille bei der Weltmeisterschaft gewonnen hat. Im Jahr 2017 konnte er in Hochfilzen überraschend die Goldmedaille gewinnen und sich dabei im Sprint knapp mit nur 0,7 Sekunden Vorsprung vor Bö durchsetzen. Danach folgten fünf weitere Siege in seiner Karriere, wobei die letzten beiden erst in dieser Saison erzielt wurden. Sowohl in Lenzerheide als auch in Oberhof konnte er über zehn Kilometer triumphieren. Allerdings hatte er zuletzt größere Probleme am Schießstand und musste Anpassungen vornehmen. Doll hatte technische Schwierigkeiten beim Schießen und die grundlegenden Elemente stimmten nicht mehr überein. Um dies zu verbessern, nutzte er den Laser zur Feinabstimmung. Doch in Nove Mesto unterliefen ihm im Sprint zunächst zwei Fehler und im Verfolgungsrennen sogar vier Fehler.

Doll deutete schon mehrfach Rücktritt an

Auch zuvor hatten ihm in seiner Karriere Strafrunden oder Strafminuten oft bessere Ergebnisse gekostet. Vor diesem Winter, seinem vermutlich letzten als Profisportler, ließ er sich jedoch noch eine neue Waffe anfertigen. Ob er diese auch nach dem Ende der Saison weiterhin nutzen wird oder sich mehr seiner Ehefrau und dem gemeinsamen Sohn widmet, lässt Doll weiterhin offen. Zwar hatte er bereits mehrfach einen Rücktritt angedeutet, eine Entscheidung will er jedoch erst noch bekannt geben.

Seine Teamkollegen waren nicht an der Entscheidung beteiligt und verfehlten die Top Ten. Roman Rees war mit zwei Fehlern auch der zweitbeste Deutsche. Johannes Kühn (4) und Philipp Horn (5) platzierten sich weiter hinten.

Am Donnerstag (18.00 Uhr/ZDF und Eurosport) haben die Deutschen in der Single-Mixed-Staffel ihre nächste große Chance auf eine Medaille. Vanessa Voigt und Justus Strelow, die vor knapp einem Monat ihren ersten Weltcupsieg feierten, gehen nach beeindruckenden Schießleistungen als Mitfavoriten in den Wettkampf. Strelow aus Sachsen wurde speziell für den turbulenten Wettbewerb im Einzel geschont, während Voigt aus Thüringen nach ihrem fünften Platz im Einzel am Dienstag mit 20 perfekt getroffenen Schüssen Selbstvertrauen für die Aufgabe gewonnen hat.

dpa