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Bitteres Grand-Slam-Debüt für Seidel – Djokovic mit Kraftakt

Das hatte sich Ella Seidel ganz anders vorgestellt. Ihr erstes Spiel auf der Grand-Slam-Bühne ist schnell vorbei. Novak Djokovic steht kurz vor dem Aus.

Ella Seidel (l) musste sich in Melbourne gegen Titelverteidigerin Aryna Sabalenka geschlagen geben.
Foto: Frank Molter/dpa

Bei ihrem Grand-Slam-Debüt um Mitternacht vergoss Ella Seidel bittere Tränen, während Melbourne-Rekord-Champion Novak Djokovic nur nach einem vierstündigen Kraftakt ein sensationelles Erstrunden-Aus abwenden konnte. Die Australian Open erlebten einen spektakulären Start.

Der Start ins erste Grand-Slam-Turnier der Tennis-Saison war für die 18-jährige Seidel eine bittere Lektion. Gegen die Titelverteidigerin Aryna Sabalenka aus Belarus musste sich die Hamburger Qualifikantin mit 0:6, 1:6 geschlagen geben und hatte dabei keinerlei Chancen. Das Grand-Slam-Debüt, auf das Seidel so sehnsüchtig gewartet hatte, dauerte nur 53 Minuten, bevor die gnadenlose Sabalenka ihren siebten Matchball verwandelte.

Boris Becker hat beim chancenlosen Auftakt Ella Seidel mitgelitten und hofft trotz der Lehrstunde auf einen Schub für die Zukunft. «Das ist natürlich brutal für ihre Familie, für uns alle ein trauriges Mädchen zu sehen. Trotzdem muss sie stolz sein», sagte der dreimalige Wimbledonsieger als TV-Experte bei Eurosport. «Diese Erfahrungen kannst du nicht mit Geld bezahlen. Ich glaube, das wird ihr unglaublich viel Kraft und Energie geben in den nächsten Wochen und Monaten.»

Da die Partie von Novak Djokovic zuvor länger als vier Stunden gedauert hatte, begann das bisher größte Match in Seidels Karriere erst kurz vor Mitternacht. In der nicht einmal halb gefüllten Arena hatte Sabalenka dann sehr viel Eile. Mit ihren kraftvollen Schlägen verhinderte sie jegliche Entfaltung von Seidel und sicherte sich nach nur 22 Minuten den ersten Satz.

Nicht den Hauch einer Chance

Auch im zweiten Durchgang hatte Seidel nicht den Hauch einer Chance. Mitte des zweiten Satzes kämpfte die Norddeutsche mit den Tränen, auf der Tribüne litten Barbara Rittner und Andrea Petkovic mit der deutschen Nachwuchshoffnung. «Man möchte sich am liebsten verkriechen und rausschleichen. Das ist kein schönes Gefühl», sagte Ex-Profi Anke Huber als TV-Experten bei Eurosport.

«Das ist natürlich brutal für ihre Familie, für uns alle ein trauriges Mädchen zu sehen. Trotzdem muss sie stolz sein», sagte Boris Becker bei Eurosport. «Diese Erfahrungen kannst du nicht mit Geld bezahlen. Ich glaube, das wird ihr unglaublich viel Kraft und Energie geben in den nächsten Wochen und Monaten.»

Immerhin schaffte Seidel am Ende noch einen Spielgewinn, sodass ihr die Demütigung eines 0:6, 0:6 erspart blieb. Als sie ihren Aufschlag zum ersten Mal durchgebracht hatte, huschte sogar ein leichtes Lächeln über ihre Lippen. Doch kurz darauf war die Partie beendet. «Das ist jetzt eine Lehrstunde gewesen, aber da muss man weitermachen», sagte Huber über Seidel, die schon Ende des vergangenen Jahres starke Leistungen gezeigt hatte und sich in Melbourne immerhin mit ihrem – wenn auch schmerzhaften – Grand-Slam-Debüt belohnte.

Djokovic muss hart kämpfen

Während also Titelverteidigerin Sabalenka einen einfachen Start in das erste Grand-Slam-Turnier der Saison hatte, musste Djokovic bei seinem ersten Auftritt hart kämpfen. Der Weltranglisten-Erste aus Serbien besiegte den kroatischen Qualifikanten Dino Prizmic mit 6:2, 6:7 (5:7), 6:3, 6:4 und zog somit in die zweite Runde seines Lieblings-Grand-Slams ein. Djokovic wäre der erste Titelverteidiger seit Boris Becker 1997 gewesen, der bereits in der ersten Runde ausscheidet.

«Er ist ein unglaublicher Spieler. Es ist sein Moment, er verdient jeden Applaus», sagte Djokovic (36) nach der Partie über seinen halb so alten Kontrahenten. «Er hat mich heute wirklich für mein Geld laufen lassen. Es war eine unglaubliche Leistung für einen 18-Jährigen, der noch nie zuvor ein Grand-Slam-Spiel bestritten hat.»

Djokovic, der bereits zehn Mal das Tennis-Spektakel am Yarra River gewonnen hat, zeigte in der Rod Laver Arena ungewohnte Schwächen. Nachdem er den ersten Satz einfach gewonnen hatte, machte er zahlreiche leichte Fehler und Prizmic spielte plötzlich groß auf.

Im dritten Satz war Djokovic sogar schon ein Break hinten, kämpfte sich jedoch zurück in das Spiel und gewann den Satz noch. Dadurch war der Widerstand von Prizmic, der letztes Jahr den Junioren-Wettbewerb bei den French Open in Paris gewonnen hatte und in Melbourne sein Grand-Slam-Debüt bei den Herren gab, vorerst gebrochen.

Siebten Matchball verwandelt

Djokovic zog im vierten Satz zügig auf 4:0 davon. Obwohl Prizmic sich noch einmal zurückkämpfte, beendete der 24-fache Grand-Slam-Turnier-Champion nach 4:01 Stunden seinen siebten Matchball. Es war sein 29. aufeinanderfolgender Sieg in Melbourne. Djokovic holte den Titel in Down Under in den Jahren 2019, 2020, 2021 und 2023. Aufgrund seiner fehlenden Corona-Impfung durfte er 2022 nicht in Melbourne antreten.

Zuvor hatte Tamara Korpatsch als erste deutsche Spielerin ihre Erstrundenpartie gewonnen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten siegte die 28-jährige Hamburgerin gegen die Britin Jodie Burrage mit 2:6, 6:3, 6:0. Korpatsch wird nun gegen die an Nummer neun gesetzte Tschechin Barbora Krejcikova antreten.

dpa