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City gewinnt zu zehnt – Babbel zerlegt Uniteds Offensive

Mehr als eine Stunde in Überzahl – und trotzdem kein Tor: Manchester United verliert das Derby gegen Manchester City mit 0:1. Im Football Monday Podcast geht Markus Babbel mit Uniteds Offensive hart ins Gericht. Ihm fehlen Kreativität, Mut im Eins-gegen-eins und überraschende Lösungen gegen das City-Bollwerk.

Foto: Echo Media Group / KI unterstüzt

City früh in Unterzahl – eigentlich die große Chance für United

Es hätte der Nachmittag von Manchester United werden können. Im prestigeträchtigen Derby gegen Manchester City bot sich den Red Devils eine Gelegenheit, die man gegen einen der stärksten Konkurrenten der Premier League nur selten bekommt.

Nach der Roten Karte für Phil Foden spielte Manchester City bereits ab der 23. Minute mit zehn Mann.

United hatte damit mehr als eine Stunde Überzahl.

Doch wer anschließend einen Sturmlauf der Gastgeber erwartete, wurde enttäuscht. Manchester United schaffte es nicht, aus dem numerischen Vorteil entscheidendes Kapital zu schlagen.

Markus Babbel bringt seine Verwunderung im neuen Football Monday Podcast mit wenigen Worten auf den Punkt:

Und was passiert? Es passiert gar nichts.

Für den früheren Liverpool-Profi war nach dem Platzverweis sogar ein Bruch im United-Spiel zu erkennen. Ausgerechnet in Überzahl fehlten plötzlich die Ideen.

Babbel vermisst Kreativität und Mut

Besonders die Offensive bekommt Babbels Kritik zu spüren.

Manchester United hatte zwar viel Ballbesitz und konnte City tief in die eigene Hälfte drücken. Doch daraus entstanden zu wenige wirklich überraschende Aktionen.

Marcus Rashford nahm Babbel dabei teilweise ausdrücklich aus der Kritik.

Der Offensivspieler versuchte zumindest immer wieder, über Eins-gegen-eins-Situationen etwas zu erzwingen.

Er hatte wenigstens den Mumm, mal draufzugehen“, sagt Babbel.

Bei anderen Spielern vermisste er genau diesen Mut. Über Mbeumo sagt Babbel beispielsweise, dass dieser kaum versucht habe, seinen Gegenspieler im direkten Duell zu überwinden.

Das wurde zum Problem.

Denn gegen zehn tief verteidigende City-Spieler reichte es nicht, den Ball lediglich von einer Seite zur anderen laufen zu lassen.

Warum United Citys Bollwerk nicht knacken konnte

Babbel liefert im Podcast gleichzeitig eine interessante Erklärung dafür, warum sich Manchester United trotz Überzahl so schwertat.

Verteidigen ist eigentlich relativ einfach. Es ist viel schwieriger, Chancen zu kreieren.

Das klingt zunächst paradox.

Elf Spieler gegen zehn müssten schließlich einen klaren Vorteil besitzen.

Doch City zog sich nach dem Platzverweis kompakt zurück. Die Mannschaft verteidigte ungefähr 20 Meter vor dem eigenen Tor, verdichtete die Räume und machte es United damit extrem schwer, hinter die letzte Linie zu gelangen.

Tiefenläufe waren kaum möglich. Gleichzeitig standen im Zentrum zahlreiche Gegenspieler.

Babbel kennt solche Situationen aus dem Training und macht deutlich, dass die Mannschaft in Überzahl keineswegs automatisch zahlreiche Tore erzielt.

Manchester City setzte genau diese defensive Strategie nahezu perfekt um.

„Man City hat das großartig gemacht“

Während United offensiv keine Lösungen fand, lobt Babbel die Gäste ausdrücklich.

Man City hat das großartig gemacht.

City beschränkte sich dabei nicht darauf, nur den eigenen Strafraum zu verteidigen.

Immer wieder versuchte die Mannschaft, nach Ballgewinnen schnell umzuschalten. Kleine Fouls, Unterbrechungen und clever herausgeholte Standardsituationen störten zusätzlich den Rhythmus der Gastgeber.

Babbel beschreibt, wie City die Spielfortsetzung von Manchester United immer wieder unterbrach und den Gegner dadurch irritierte.

Genau diese Cleverness machte einen großen Unterschied.

United konnte trotz der langen Überzahl keinen konstanten Angriffsdruck entwickeln.

Zwei Pfostentreffer lassen United verzweifeln

Ganz ohne Chancen blieb Manchester United allerdings nicht.

Kurz vor der Halbzeit traf Rashford mit einem Freistoß den Pfosten. Nach der Pause scheiterte Mainoo ebenfalls am Aluminium.

Gerade der zweite Pfostentreffer hätte die Partie komplett verändern können.

Babbel macht deutlich, dass ein Führungstreffer für United City zu einer völlig anderen Spielweise gezwungen hätte.

Dann hätte die Mannschaft in Unterzahl irgendwann selbst mehr Risiko eingehen müssen.

Dadurch wären automatisch Räume für die schnellen United-Offensivspieler entstanden.

Doch der Ball ging nicht hinein.

Und so konnte City an seinem defensiven Plan festhalten.

City schlägt zu – Babbel hat Zweifel am Tor

Dann kam es für Manchester United noch schlimmer.

Erling Haaland erzielte den entscheidenden Treffer für City.

Babbel bewertet die Entstehung allerdings kritisch. Aus seiner Sicht stand ein anderer City-Spieler im Abseits und beeinflusste durch seine Position einen United-Verteidiger.

Da bist du als Verteidiger einfach irritiert.

Babbel argumentiert aus der Perspektive eines ehemaligen Abwehrspielers. Der Verteidiger müsse auf den im Abseits stehenden Spieler reagieren und verlasse dadurch seine eigentliche Position.

Haaland bekommt anschließend den notwendigen Raum.

Für Babbel hätte die Situation deshalb anders bewertet werden müssen.

Trotzdem macht er das Schiedsrichterteam nicht für Uniteds Niederlage verantwortlich.

Guéhi wird für Babbel zum Derby-Helden

Einer der großen Gewinner des Nachmittags ist für Babbel Marc Guéhi.

Besonders eine Szene unmittelbar nach Fodens Platzverweis beeindruckte ihn.

Guéhi ging zu seinem Teamkollegen und sprach ihm Mut zu. Babbel interpretierte die Szene sinngemäß als Botschaft: Wir gewinnen dieses Spiel jetzt für dich.

Danach ließ der Verteidiger Taten folgen.

Das war eine Weltklasse-Leistung.

Guéhi verteidigte konsequent, blieb am Ball ruhig und traf nach Babbels Einschätzung fast immer die richtige Entscheidung.

Für den ehemaligen Verteidiger war Guéhi einer der entscheidenden Gründe dafür, dass City trotz langer Unterzahl die Null halten konnte.

Donnarumma rettet City ganz spät

Erst in der Schlussphase gelang Manchester United noch einmal eine Aktion, die Babbel wirklich überraschte.

Mbeumo kam zu einer riesigen Möglichkeit.

Doch Gianluigi Donnarumma reagierte stark und verhinderte den Ausgleich.

Für Babbel war es eine „Weltklasseparade“.

Die Szene zeigte gleichzeitig das große Problem des United-Auftritts.

Es dauerte viel zu lange, bis die Offensive City mit einer wirklich unerwarteten Aktion aus der Ordnung bringen konnte.

Mehr als eine Stunde Überzahl hatte dafür nicht gereicht.

Babbel fordert mehr Spielwitz von United

Damit richtet sich der Blick zwangsläufig auf Manchester Uniteds Trainer Michael Carrick.

Babbel hält den Kader grundsätzlich für gut genug, um im oberen Bereich der Premier League mitzuspielen.

Doch er fordert mehr Spielwitz.

United benötigt aus seiner Sicht einstudierte Laufwege, überraschende Aktionen und Spieler, die den Gegner aus seiner defensiven Ordnung reißen.

Das zu trainieren, sei deutlich schwieriger, als einer Mannschaft eine kompakte Defensive beizubringen.

Genau hier wartet viel Arbeit auf Carrick.

Ob es Michael Carrick jetzt hinbekommt, da auch mehr Spielwitz reinzubekommen, mehr Kreativität reinzubekommen“, ist für Babbel eine der entscheidenden Fragen der kommenden Wochen.

Vier Punkte sind für Babbel viel zu wenig

Das Derby ist schließlich nicht das einzige Problem.

Manchester United steht nach vier Spieltagen bei lediglich vier Punkten.

Babbel hatte die Mannschaft vor der Saison selbst deutlich stärker eingeschätzt. Gerade angesichts des Auftaktprogramms ist die Ausbeute für ihn enttäuschend.

Dann erwarte ich mindestens sieben Punkte, wenn nicht sogar neun.

United wollte wieder ganz oben angreifen und um die Champions-League-Plätze kämpfen.

Stattdessen muss die Mannschaft bereits früh einem Rückstand hinterherlaufen.

Die Niederlage im Derby verschärft die Situation zusätzlich.

City gewinnt – United muss Antworten liefern

Manchester City nimmt aus einem schwierigen Derby drei Punkte mit und bleibt damit Verfolger von Meister Arsenal.

Noch bemerkenswerter als das Ergebnis ist jedoch die Entstehung.

City verliert früh Phil Foden, spielt über eine Stunde mit zehn Mann und findet trotzdem einen Weg, das Spiel zu gewinnen.

Manchester United hatte dagegen alle Voraussetzungen, um das Derby auf seine Seite zu ziehen.

Die Mannschaft hatte die Überzahl. Sie spielte zu Hause. Sie traf zweimal den Pfosten.

Doch sie fand viel zu selten die spielerischen Lösungen, um Citys Defensive wirklich auseinanderzunehmen.

Genau deshalb fällt Babbels Urteil so kritisch aus.

Vier Punkte aus vier Spielen sind für ihn ein Fehlstart. Vor allem aber zeigt das Derby ein grundsätzliches Problem: Wenn United auf eine kompakte Defensive trifft, fehlt der Offensive derzeit die Kreativität, um diese zu knacken.

City demonstrierte dagegen, was eine Spitzenmannschaft auch in Unterzahl auszeichnet: Disziplin, Cleverness, defensive Qualität – und die Fähigkeit, den entscheidenden Moment zu nutzen.

TS