Schweiz verhindert deutschen WM-Coup und Halbfinaleinzug, trotz Toren von Kahun und Schwächen in der Abwehr.
Deutschland scheitert an cleveren Schweizern

Diesmal war die Schweiz zu schlau. Die Eidgenossen haben einen erneuten WM-Coup der deutschen Eishockey-Cracks und den dritten Halbfinal-Einzug binnen vier Jahren verhindert. Die Mannschaft von Bundestrainer Harold Kreis verlor mit 1:3 (0:2, 1:0, 0:1) das WM-Viertelfinale in Ostrava gegen den Erzrivalen, gegen den sie 2021 und im vergangenen Jahr jeweils noch gewonnen und das Halbfinale erreicht hatte.
Die Schweiz revanchierte sich somit auch für das Viertelfinal-Aus 2010 und die Niederlage im Entscheidungsspiel bei Olympia 2018. In allen Spielen war die Schweiz jeweils der Favorit gewesen. Diesmal brachte sie es mit sechs NHL-Spielern um Topstar Roman Josi von den Nashville Predators auch erstmals aufs Eis.
Dominik Kahun (32. Minute) vom SC Bern erzielte das einzige deutsche Tor in Überzahl. Christoph Bertschy (8./60.) traf sogar in Unterzahl und mit einem Treffer ins leere deutsche Tor, während NHL-Top-Stürmer Nico Hischier (17.) die Tore für die Schweiz erzielte, die die Schwächen in der deutschen Abwehr konsequent ausnutzten. Ein negativer Höhepunkt war ein schlimmer Kniecheck des Schweizers Andrea Glauser gegen JJ Peterka kurz vor dem ersten deutschen Tor, der jedoch nur mit einer Zwei-Minutenstrafe geahndet wurde.
Starke gegnerische Defensive
«Wir dürfen das Schweizer Powerplay nicht auf das Eis lassen», sagte Coach Kreis, der im vergangenen Jahr mit dem Final-Einzug im finnischen Tampere noch für die erste deutsche WM-Medaille seit 70 Jahren gesorgt hatte. Der Respekt vor Power-Verteidiger Josi oder New Jerseys Hischier war extrem groß. Schon nach nur 13 Sekunden bekam das Team von Patrick Fischer aber die Chance in Überzahl. Die im bisherigen Turnierverlauf immer mal wieder wackelige deutsche Defensive überstand da noch die erste Druckphase des Favoriten.
Wie bereits in den Spielen gegen die Top-Nationen USA (1:6) und Schweden (1:6) in der Vorrunde, sah es so aus, als ob die deutsche Defensive ohne den Weltklasse-Verteidiger Moritz Seider von den Detroit Red Wings auseinander genommen werden würde. Zu einfach kamen Josi & Co. zu Torabschlüssen.
Das Kreis-Team machte vor 6583 Zuschauern ausgerechnet im bisher starken eigenen Überzahlspiel einen Fehler. Mit einem Spieler mehr auf dem Eis verlor das deutsche Team den Puck, Bertschy überwand die Abwehr und erzielte das 0:1. NHL-Torhüter Philipp Grubauer von den Seattle Kraken sah dabei nicht gut aus. Glück hatte der Keeper zudem bei einem Pfostenknaller nur eine Minute später.
Sturm wollte «eklige Tore»
Für das 0:2 sorgte NHL-Star Hischier: Der Stürmer profitierte von einem Stockbruch von Gegenspieler Lukas Kälble und schoss den Puck problemlos ein. «Wir müssen einfacher und schneller hinten rausfahren», sagte Abwehrspieler Kai Wissmann nach den ersten 20 Minuten bei MagentaSport. Nice Sturm forderte bei ProSieben «eklige Tore».
Die Deutschen machten jedoch erst zum Ende des zweiten Drittels Druck auf das Schweizer Tor in Überzahl. Der Schweizer Torhüter Leonardo Genoni musste gegen die bisher treffsichere deutsche Offensive lange Zeit kaum eingreifen. „34 Treffer nach der Vorrunde sind ein WM-Rekord für eine deutsche Nationalmannschaft.“
Das harte Foul an NHL-Stürmer Peterka brachte den bis dahin ideenlosen Vizeweltmeister zurück ins Spiel. Die bis dahin so überlegenen Schweizer hörten plötzlich auf, Eishockey zu spielen. Erinnerungen an Riga 2021 kamen hoch. Damals lag die DEB-Auswahl auch nach dem ersten Drittel mit 0:2 zurück und siegte am Ende doch noch nach Penaltyschießen. «Jetzt ist alles möglich», sagte Kahun bei MagentaSport.
Die deutsche Stürmer hoffte vergeblich. Die DEB-Auswahl bemühte sich, Druck aufzubauen, konnte Genoni im Schweizer Tor jedoch nicht überwinden und musste sich zum ersten Mal seit der WM 1992 in Prag der Schweiz in der K.o.-Runde geschlagen geben. Bertschy traf zur Entscheidung, als Deutschland Grubauer zugunsten eines weiteren Feldspielers aus dem Tor genommen hatte.








