Beim Sommermächen-Prozess in Frankfurt kommen wieder neue Details rund um die umstrittene Millionen-Zahlung des Deutschen Fußball-Bundes heraus.
DFB-Anwalt: Beckenbauer dachte über Rücktritt nach

Franz Beckenbauer soll gedroht haben, inmitten der Wirren um die umstrittene Millionen-Zahlung vor der Fußball-WM 2006 zurückzutreten.
Dies geht aus Aussagen von DFB-Anwalt Jan Olaf Leisner beim sogenannten Sommermärchen-Prozess vor dem Frankfurter Landgericht hervor, die er mit Bezug auf eine Einlassung des früheren Verbandsgeneralsekretärs Horst R. Schmidt am dritten Verhandlungstag vortrug. Der inzwischen gestorbene damalige OK-Chef Beckenbauer hätte bei einer Sitzung Rücktrittsgedanke geäußert, da ihm die Sache «über den Kopf wachse».
Im Prozess, der im März begonnen hat, dreht es sich um eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die der Deutsche Fußball-Bund im April 2005 über die FIFA an den französischen Unternehmer Robert Louis-Dreyfus überwiesen hatte. Genau diese Summe hatte Beckenbauer drei Jahre zuvor als Darlehen von Louis-Dreyfus erhalten, und diese 6,7 Millionen Euro waren letztlich beim früheren FIFA-Vizepräsidenten Mohammed bin Hammam gelandet.
Laut Leisner hat der ehemalige Fußball-Star Günter Netzer als Geschäftspartner von Louis-Dreyfus mehrmals beim DFB darauf gedrängt, das Darlehen zurückzuzahlen. Der Verband befürchtete, dass mit Beckenbauer das Aushängeschild des deutschen Fußballs und der WM verloren gehen könnte. Der frühere Nationalspieler Netzer soll im Mai vor Gericht als Zeuge aussagen. Fortsetzungstermine sind bis Ende Oktober geplant.
Es wird den ehemaligen Spitzenfunktionären Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Schmidt von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, dass das Geld in der Steuererklärung des Verbandes für das Jahr 2006 unberechtigt als Betriebsausgabe in die Gewinnermittlung eingeflossen sein soll.
Leisner erklärte am Donnerstag ausführlich die aus seiner Sicht Rechtmäßigkeit der Betriebsausgabe. Der DFB-Anwalt und Schmidts Rechtsbeistand Tilman Reichling weisen den Vorwurf zurück, dass mit dem Geld bei der WM-Vergabe Stimmen gekauft worden seien. Oberstaatsanwalt Jesco Kümmel machte keinen Hehl daraus, dass er die Erklärungen Leisners zur Betriebsausgabe für «Unsinn» hält. Er sprach von der Möglichkeit, dass der DFB «ein halblegales Korruptionsmodell entwickelt hat».








