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Die Königin und ihr Knie: Vonn elektrisiert die Ski-Welt

US-Star Lindsey Vonn träumt vom goldenen Karriereabschluss in Cortina d’Ampezzo. Lässt ihr Knie das zu? So oder so ist die Geschichte der langjährigen Speed-Queen um ein Drama reicher.

Vor ihren fünften Olympischen Winterspielen: Lindsey Vonn. (Archivbild)
Foto: Gabriele Facciotti/AP/dpa

Lindsey Vonn wäre nicht Lindsey Vonn, wenn auch die letzte Etappe ihrer bemerkenswerten Reise nicht noch so manches Drama bereithielte. Die Ski-Königin ist zurück an ihrem Sehnsuchtsort. In Cortina d’Ampezzo, wo sie so viele prägende Erlebnisse hatte und niemand so oft gewonnen hat wie sie, will die Amerikanerin ihre ohnehin schon schillernde Karriere endgültig veredeln. Vonn könnte der ganz große Star dieser Olympischen Winterspiele in Italien werden. Vorausgesetzt, das Knie hält.

Heftiger Sturz am vergangenen Freitag

Sie gebe ihr «Bestes» hatte die 41-Jährige nach ihrem Sturz im schweizerischen Crans-Montana zuletzt wissen lassen. Die Ski-Welt hatte den Atem angehalten, als die langjährige Speed-Queen in der letzten Abfahrt vor den Spielen vom 6. bis 22. Februar zu Fall gekommen und in ein Fangnetz gerauscht war. Vonn war zwar noch auf Skiern ins Ziel gerutscht, anschließend aber per Helikopter abtransportiert worden. Sie sei am linken Knie verletzt, teilte sie mit. Wie schwer, ließ sie offen.

Die Bilder boten genug Material für die nächste mögliche Heldinnengeschichte. Vonn, die Kämpferin. Wird sie nach ihrem beeindruckenden Comeback im Weltcup erneut triumphieren? Auf der größten Bühne des Weltsports. Wenn das Knie hält, ist sie am Sonntag (11.30 Uhr) die klare Favoritin für die Olympia-Abfahrt.

Speed-Queen überstrahlt sogar Shiffrin

Vonn hat bereits zwölf Siege in Cortina d’Ampezzo errungen. Als sie im Januar 2002 zum ersten Mal die berühmte Piste Olimpia delle Tofane im Weltcup hinunterfuhr, war so manche ihrer heutigen Konkurrentinnen wie die deutsche Hoffnungsträgerin Emma Aicher (22) noch nicht einmal geboren.

Im Jahr 2004 raste Vonn erstmals als Drittplatzierte bei der Abfahrt in den Dolomiten auf das Podest. Wie sie berichtete, war dies ein prägendes Erlebnis. Von da an war sie wirklich überzeugt, dass sie mit den Besten der Welt mithalten könne – und wurde für lange Zeit selbst die Beste. Olympia-Gold 2010 in Kanada, zwei WM-Titel, vier Gesamtweltcup-Siege – Vonn, die Dominatorin.

Ihre bislang 84 Weltcup-Erfolge wurden von Landsfrau Mikaela Shiffrin (108) zwar übertroffen. Ihre Strahlkraft aber nicht. Vonn, der Superstar. Mehr als 2,5 Millionen Follower bei Instagram, hoch dotierte Werbeverträge, eine Titelgeschichte im «Time»-Magazin. Vonn elektrisiert. Und sie polarisiert.

Neureuther schwärmt von der «Göttin»

Als sie im Dezember 2024 nach fast sechs Jahren Pause in den Weltcup zurückkehrte, musste die Amerikanerin viel Kritik einstecken – und von so manchem Experten durchaus grenzwertige. Belastend sei das gewesen, erklärte Vonn. Aber auch ein Ansporn. Spätestens als sie im letzten Rennen der Vorsaison in Sun Valley Zweite wurde, war klar: Die Speed-Queen ist zurück.

Und wie. In diesem Winter präsentierte sich Vonn, zu deren Trainerstab auch der frühere norwegische Topfahrer Aksel Lund Svindal gehört, bislang in bestechender Form. In Abfahrt und Super-G raste sie zu zwei Siegen und fünf weiteren Podestplätzen. Sie sei eine «Göttin», entfuhr es dem begeisterten Ex-Skistar Felix Neureuther nach Vonns Triumphfahrt in St. Moritz Mitte Dezember.

Fünfte Winterspiele für Vonn

Nun, kurz vor der Eröffnung der Spiele am Freitag, also der Rückschlag. Die in ihrer Karriere von vielen Verletzungen geplagte Vonn fährt ja ohnehin schon mit einer Teilprothese im Knie. Dem rechten allerdings. Diesmal geht’s ums linke. Lässt es ihren Traum vom krönenden Karriereabschluss womöglich platzen?

Vonn ließ wissen, dass sie ihr viel beachtetes Comeback wohl gar nicht gewagt hätte, wenn die Spiele – es sind bereits ihre fünften – nicht in Cortina d’Ampezzo stattfinden würden. Dieser malerische Ort in den Dolomiten sei für sie eben ganz speziell, erklärte die älteste Weltcup-Siegerin der Alpin-Historie. Irgendetwas ziehe sie immer dorthin zurück. In diesem Fall womöglich auch ein bisschen Genugtuung. Ganz sicher aber die Gier nach Gold.

dpa