Ein Streit zwischen Rekordmeister Düsseldorf und Herausforderer Neu-Ulm hielt den Tischtennis-Sport lange in Atem. Der Ovtcharov-Club gab auf, zog sich zurück – und hat jetzt eine letzte große Chance.
Düsseldorf und Neu-Ulm: Letzter Akt in der Champions League?

Diese Geschichte hätte kein Drehbuch-Autor besser schreiben können. Im Jahr 2022 verpflichtete der Tischtennis-Club Neu-Ulm vier Weltklasse-Spieler, um den deutschen Serienmeister Borussia Düsseldorf herauszufordern. 2023 kam es zu einem so heftigen Streit zwischen den Verantwortlichen beider Clubs, dass sich die Neu-Ulmer aus der Bundesliga zurückzogen.
Und es könnte ausgerechnet an Ostern 2024 das Ende einer kurzen und turbulenten Ära markieren: das Champions-League-Endspiel zwischen Borussia Düsseldorf und dem TTC Neu-Ulm (Ostermontag, 14.00 Uhr).
Beide Teams haben sich erfolgreich für das Finalturnier der besten vier Teams am Sonntag und Montag in Saarbrücken qualifiziert. Der 16-malige Europapokalsieger Düsseldorf und sein Topstar Timo Boll treffen im ersten Halbfinale auf den TTC Wiener Neustadt (Sonntag, 13.00 Uhr). Dimitrij Ovtcharov und seine Neu-Ulmer müssen danach gegen den Gastgeber und Titelverteidiger 1. FC Saarbrücken antreten (Sonntag, 17.00 Uhr).
TTC-Profis spielten für Heimatclubs und wurden gesperrt
«Natürlich wollen wir es zum Abschluss packen», sagte Ovtcharov. In der Champions League ist das ehrgeizige Projekt des Medienunternehmers Florian Ebner nur noch dabei, weil man dort bislang auch ohne nationale Liga-Zugehörigkeit antreten durfte. Ab der nächsten Saison hat der Deutsche Tischtennis-Bund das durch eine Änderung seiner Statuten unterbunden. «Dann werden wir mit Tischtennis nichts mehr zu tun haben», sagte Ebner der Deutschen Presse-Agentur.
Um das gesamte Zerwürfnis zwischen dem Ovtcharov-Club und dem Boll-Club zu verstehen, muss man ein Jahr zurückgehen, als sich beide bereits im Endspiel des deutschen Pokals (Sieger Neu-Ulm) und im Halbfinale der Champions League (Sieger Düsseldorf) gegenüberstanden. Für genau diese beiden Wettbewerbe hatte Ebner eine Weltauswahl mit Ovtcharov, dem Japaner Tomokazu Harimoto, dem Schweden Truls Möregardh und dem Taiwaner Lin Yun-Ju zusammengestellt.
Der TTC-Boss war nur am Rande an der langen Bundesliga-Saison interessiert, daher erlaubte er seinen Stars nach dem gewonnenen Pokalfinale in eigener Halle, auch für andere Clubs in ihrer Heimat zu spielen. Ebner sah es nicht so eng, dass dies gegen die geltenden Regeln verstieß, aber die Tischtennis-Bundesliga (TTBL) schon: Ihr Sportgericht sperrte Harimoto, Möregardh und Lin jeweils für zehn Spiele in der folgenden Saison 2023/24.
Turnierserie World Table Tennis als Zukunft?
Die Neu-Ulmer waren so empört über das Strafmaß, dass sie ihren Rückzug aus der Bundesliga erklärten und dem Düsseldorfer Manager Andreas Preuß vorwarfen, als Aufsichtsratsvorsitzender der TTBL Einfluss auf das harte Urteil genommen zu haben, um einem Konkurrenten zu schaden. Preuß bestreitet dies vehement. Ein Schiedsgericht hob die langen Sperren auch sechs Monate später wieder auf. Doch zu diesem Zeitpunkt war der Rückzug bereits vollzogen.
Der interessante Kern dieses Streits wurde immer von der Heftigkeit überlagert: Wie soll die Zukunft eines Traditionswettbewerbs wie der Bundesliga gestaltet werden, wenn sich die Sportart und das Konsumverhalten vieler Zuschauer deutlich verändern? Dies betrifft auch andere Sportarten.
Als Ebner die vier Topstars nach Neu-Ulm brachte, hatte gerade die neue Turnierserie World Table Tennis (WTT) begonnen. Ihr Versprechen war: mehr Geld und Aufmerksamkeit für die Spielerinnen und Spieler. Und die Befürchtung: In Zukunft wird es kaum noch Zeit für Tischtennis als Teamsport mit seinen Ligen und Europacups geben.
Konflikt innerhalb der Liga bleibt
Allein in dieser Woche sind je zwei Spieler von Düsseldorf, Saarbrücken und Neu-Ulm noch bei einem WTT-Turnier in Südkorea aktiv. Und alle drei Clubs hoffen, dass sie rechtzeitig und halbwegs erholt zum Champions-League-Finale wieder zurück sind. Die Neu-Ulmer Vision zielte deshalb immer auf kürzere Team-Wettbewerbe mit attraktiverer Besetzung ab. «Der Grundkonflikt ist: Das Vereinswesen oder eine Eventisierung wie in der NBA – was setzt sich langfristig durch?», sagte Ebner.
Düsseldorfs Manager Preuß hat eine andere Meinung. Er bemerkt wie viele andere in der Branche, dass die WTT-Serie bisher nicht das gehalten hat, was sie versprach. Schlechte Bezahlung und viel zu kurzfristige Planung – das ist die Realität.
«Für die Spieler ist das fatal», sagte Preuß der Deutschen Presse-Agentur. Aber Clubs wie Düsseldorf oder Saarbrücken profitieren insofern davon, dass sie als Arbeit- und Geldgeber immer noch deutlich attraktiver sind, als das vor zwei Jahren abzusehen war. Deshalb wollen sie das bestehende Liga-System eher stärken als aufweichen.
Ovtcharov will in Deutschland bleiben
«Es ist ein ständiges Ringen», sagte Preuß. «Es kann sein, dass in drei Jahren alles eintritt, was vorher angekündigt wurde. Dann hätte Herrn Ebners Modell eine ganz andere Grundlage. Dann rufe ich ihn an und sage ihm: Sie waren ein Prophet. Aber davon sind wir noch meilenweit entfernt. Tischtennis ist nicht Tennis oder Golf.» Aus seiner Sicht habe der TTC Neu-Ulm «einen Beitrag zu einer wichtigen Diskussion geleistet – aber im Ton falsch vorgetragen und mit dem Holzhammer durchgesetzt.»
Ovtcharov drückt sein Bedauern aus. «Wir hatten Spieler wie Lin Yun-Ju oder Harimoto in Deutschland, die jetzt nicht mehr in Deutschland spielen», sagte er. Trotzdem hat sich der ehemalige Weltranglisten-Erste zur Bundesliga bekannt. Anstatt in die chinesische Super League zu gehen oder sich nur auf seine Einzelkarriere zu konzentrieren, wechselt er im Sommer zum TTC Fulda-Maberzell.








