Was für ein Spiel! Schalke gegen den HSV in der 2. Liga interessiert deutlich mehr als so mancher Erstliga-Kick. Doch beide Clubs haben Probleme. Die unterscheiden sich aktuell jedoch sehr.
Ein Duell, das elektrisiert: Schalke und HSV unter Druck

Mit über 280.000 Mitgliedern, 13 deutschen Meisterschaften, acht Pokalsiegen und drei Europapokal-Triumphen, erzeugt das Traditionsduell zwischen dem FC Schalke 04 und dem Hamburger SV in der 2. Bundesliga am Samstagabend (20.30 Uhr/Sport1 und Sky) eine deutlich größere Begeisterung bundesweit als so manches Bundesliga-Spiel.
Allerdings können nur etwa 62.000 Zuschauer das Spiel live in der Gelsenkirchener Arena verfolgen. Der FC Schalke hätte deutlich mehr Karten verkaufen können.
«Allein die Tradition dieser Begegnung und die Tatsache, dass wir vor mehr als 60.000 Zuschauern spielen dürfen, wirken für sich. Wir haben richtig Bock, dort zu spielen und sind gut darauf eingestellt», sagte Trainer Tim Walter vom Tabellendritten HSV. Derlei Tradition sucht man im Oberhaus des deutschen Fußballs teilweise vergeblich. Am Nachmittag vor Duell der Zweitliga-Großclubs spielen in der ersten Liga etwa der 1. FC Heidenheim gegen den VfL Wolfsburg vor maximal 15.000 Zuschauern.
Geld in Hamburg vorhanden
Dass Schalke und der HSV nicht mehr in der Lage sind, entsprechend ihrer Selbstwahrnehmung um Europapokal-Teilnahmen zu spielen, hat selbstverständlich Gründe. Aufgrund von jahrelanger Misswirtschaft und zweifelhaften Management-Entscheidungen kämpft der HSV nun bereits im sechsten Jahr nach dem ersten Abstieg in die Zweite Liga um den Wiederaufstieg.
Die Hamburger haben zu dieser Zeit immer noch genug Geld, im Gegenteil: Vor dieser Saison hat der Club von seinem Gönner Klaus-Michael Kühne ein weiteres Wandel-Darlehen über 30 Millionen Euro bis 2028 erhalten.
Trotz seines fortwährenden Misserfolgs im Aufstiegsrennen hat der HSV in der Tat Spieler von erstligatauglicher Qualität wie Robert Glatzel, Ludovit Reis und Bakery Jatta halten können. Darüber hinaus hat er in den letzten zwei Jahren fast ausschließlich Spieler verpflichtet, die entweder aus der ersten Liga kamen oder eigentlich in die erste Liga wechseln wollten.
Solche Investitionen sind derzeit auf Schalke undenkbar. Der hoch verschuldete Revierclub wurde hart vom sportlichen Absturz nach der Vizemeisterschaft 2018 getroffen – als der HSV abstieg – mit seinem damaligen Kostenapparat auf Champions-League-Niveau. Schalke hat die Pandemie gerade so überstanden und fährt einen strengen Sparkurs, den auch die Fans zu spüren bekommen: In der Winterpause wurden die Bierpreise im Stadion um mehr als zehn Prozent erhöht.
Wie bei vielen anderen ehemaligen Bundesligisten außer dem HSV ist es nach dem Abstieg entweder innerhalb von zwei bis maximal drei Jahren möglich, den Wiederaufstieg zu schaffen, oder es kommt zu strukturellen Veränderungen.
S04 vom Aufstieg weit entfernt
Vom Aufstieg ist Schalke zumindest in dieser Saison aber weit entfernt. Nach einer teilweise katastrophalen Hinserie mit der Beurlaubung von Trainer Thomas Reis liegt das Team von Nachfolger Karel Geraerts vor dem Rückrundenstart drei Zähler über der Abstiegszone. Trotz der sportlich prekären Situation konnten sich die Königsblauen bislang keine Verstärkungen leisten. «Ich bin da entspannt und habe Vertrauen in den aktuellen Kader», sagte Geraerts, der sein Team nach guten Eindrücken aus der Winterpause in der Lage sieht, dem HSV Paroli bieten zu können.
Anstatt auf Investitionen setzen sie auf Schalke eher auf Emotionen. Für Aufbruchstimmung hat die spektakuläre Rückkehr von Club-Ikone Marc Wilmots als neuer Sportchef gesorgt. Der ließ durchblicken, dass er sich mit Abstiegskampf der zweiten Liga nicht lange aufhalten will: «Wir werden alles dafür tun, aufzusteigen.» Wann, ließ er offen.
Für den HSV zählt dagegen nichts anderes. Schon eine Niederlage in seinem 100. Spiel als HSV-Trainer könnte Walters Position wieder schwächen. Sportvorstand Jonas Boldt hielt trotz der instabilen Hinrunde zwar an ihm fest. Dennoch ist der Trainer eher angezählt als gestärkt. «Ich habe schon viele Dinge hier erlebt. Ich habe schon sehr häufig auch erzählt, dass Druck ein Privileg ist. Und darum bin ich froh, privilegiert zu sein», sagte Walter dazu.








