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Englands Titeltraum bei der EM – Wird Kane zum Helden oder Sündenbock?

England hofft auf den ersten großen Triumph seit 1966, Kane als Schlüsselspieler im Fokus. Neue Stars wie Bellingham sollen den Weg zum Titel ebnen.

Englands Nationalteam trifft zum EM-Start auf Serbien.
Foto: Robert Michael/dpa

Die Liste der Misserfolge ist lang – und erstreckt sich mittlerweile über mehrere Jahrzehnte. Im Wohnzimmer Wembley verloren die Three Lions vor drei Jahren das EM-Endspiel – natürlich im Elfmeterschießen. Und auch Gelsenkirchen, wo Harry Kane und Co. am Sonntag (21.00 Uhr/ZDF/MagentaTV) gegen Serbien ins Turnier starten, ist ein besonderer Ort für Englands Fußball: 2006 verlor das Nationalteam dort im Viertelfinale gegen Portugal – natürlich im Elfmeterschießen.

England ist bei dieser EM das Team mit dem höchsten Marktwert aller Teilnehmer, wenn man die Werte der einzelnen Spieler zusammenzählt. Die Buchmacher betrachten das Team unter der Leitung von Cheftrainer Gareth Southgate als Topfavoriten. Doch wird die Durststrecke von 58 Jahren nach dem ersten und bisher einzigen großen Triumph bei der Heim-WM 1966 enden? Diese Säulen sind für den Vize-Europameister entscheidend:

Harry Kane

Der 30 Jahre alte Bayern-Star hat seit Jahren das Kapitänsamt. Er gilt sportlich und charakterlich als Anführer, Ex-Nationalspieler Owen Hargreaves nannte ihn jüngst «einen Gentleman». Kane gilt bisher als unvollendet, weil ihm sowohl im Verein als auch im Nationalteam noch ein Titel fehlt. Seinen Elfmeter-Fehlschuss im WM-Viertelfinale von Katar gegen Frankreich verübelte ihm keiner so wirklich. Doch in seiner Wahlheimat ist der vielseitige Weltklasse-Stürmer gefordert, das Team ist in großem Maße von Kane abhängig.

Jude Bellingham

Als bester Spieler ist der Kapitän wahrscheinlich bereits abgelöst – und zwar von Champions-League-Sieger Bellingham. Der frühere Dortmunder hat in den vergangenen Jahren einen steilen Aufstieg hinter sich und könnte nach der Königsklassen-Krönung mit Real Madrid sogar ein Kandidat für den Weltfußballer des Jahres 2024 sein. «Er wird riesigen Einfluss auf unser Spiel haben», sagte Southgate über den 20-Jährigen. Bellingham ist als Spielmacher im offensiven Mittelfeld gesetzt. In der abgelaufenen Liga-Saison in Spanien erzielte er so viele Tore wie Robert Lewandowski (19) – bei deutlich weniger Einsätzen.

Gareth Southgate

Kein Titel oder wahrscheinlicher Abschied. Dies kündigte der ehemalige Fußballprofi vor der EM über seine eigene Zukunft an. Nach der WM 2018 (Platz vier), der EM 2021 (Niederlage im Finale) und der WM 2022 (Viertelfinal-Aus) ist es bereits der vierte Anlauf bei einem großen Turnier unter Southgate. Das Spielermaterial ist hervorragend, nur der Silberpokal zählt. Anders als in den vergangenen Turnieren nominierte der 53-Jährige diesmal mutig. Raheem Sterling und Marcus Rashford wurden nicht berücksichtigt, ebenso wenig Routinier Jordan Henderson und der angeschlagene Harry Maguire. Henderson und Maguire waren Lieblinge von Southgate und standen noch in Katar in der Startelf.

Jungstars in der Offensive

Bukayo Saka (22), Cole Palmer (22) und Phil Foden (24) – kaum ein anderer Teilnehmer der EM hat ein ähnlich großes Offensivpotenzial wie England. Die Premier League Stars müssen jedoch um ihre Plätze kämpfen, da Southgate sein Team traditionell defensiver aufstellt. Declan Rice und Bellingham sind im Mittelfeld gesetzt, dazu spielt neben Rice normalerweise auch ein zweiter Sechser. Neben Kane in der Mitte bleiben für Saka, Palmer und Foden auf den Außenbahnen nur zwei Stammplätze in der Startelf übrig.

dpa