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Eklat beim Afrika-Cup-Finale: Wütender Mané wird zum Helden

Balljungen klauen Handtücher, Fans wollen den Platz stürmen, Senegals Team verlässt aus Protest das Feld – und am Ende wird Sadio Mané zum Helden. FIFA-Präsident Infantino fordert Konsequenzen.

Senegals Kapitän Sadio Mané.
Foto: Mosa'ab Elshamy/AP/dpa

Für Sadio Mané war es sicherlich der denkwürdigste Wutanfall seiner Karriere. Der Superstar des Senegal faltete seine Mitspieler in der Kabine gehörig zusammen, schickte sie zurück in die feindliche Final-Atmosphäre des Afrika Cups und wurde zum Helden einer einmaligen Nacht. «Ich habe getan, was ich tun musste», sagte der frühere Bayern-Star – als wäre es das Normalste der Welt.

Im Finale von Rabat gewann der Senegal mit 1:0 nach Verlängerung gegen Marokko. Es war jedoch wenig normal, da es kurz vor dem Abbruch stand. Der Schiedsrichter hatte zunächst ein zweifelhaftes Tor für den Senegal in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit nicht gegeben, aber dann einen fragwürdigen Elfmeter für die Gastgeber gepfiffen, den Pape Thiaw verwandelte. Aus Protest zitierte der Trainer des Senegals sein Team in die Kabine.

«Wenn Sadio redet, hört jeder zu»

Wenige Spieler um Sadio Mané blieben auf dem Platz. Der Kapitän holte sich den Rat von Trainer-Legende Claude Le Roy, lief dann in die Kabine. «Er kam rein und schrie. Schrie uns an, auf den Platz zu gehen und das Spiel zu beenden», berichtete Mittelfeldspieler Lamine Camara. «Wenn Sadio redet, hört jeder zu. Wir haben auf ihn gehört und es lief gut für uns.»

Mané zeigte in dieser Situation im Gegensatz zu seinem wie ein beleidigter Schuljunge agierenden Trainer den Blick auf das große Ganze. «Es wäre verrückt gewesen, das Spiel wegen eines Elfmeters aufzugeben. Das wäre das Schlimmste für den afrikanischen Fußball gewesen. Da verliere ich lieber», sagte der Stürmer. Es sei unmöglich, dass die ganze Welt dieses Bild zu sehen bekam.

Marokkos Stürmer Brahim Díaz verschoss den Elfmeter in der 24. Minute der Nachspielzeit, ein fantastisches Tor von Pape Gueye brachte Senegal in der Verlängerung den zweiten Turniersieg nach 2022. Doch der aktuelle Skandal ist der Eklat, besonders da senegalesische Fans versuchten, den Platz zu stürmen und es zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften kam.

Infantino fordert Konsequenzen

Da schaltete sich sogar der oberste Fußball-Boss ein.«Wir verurteilen das Verhalten einiger „Fans“ sowie einiger senegalesischer Spieler und Mitglieder des Trainerstabs aufs Schärfste. Es ist inakzeptabel, das Spielfeld auf diese Weise zu verlassen, und Gewalt darf in unserem Sport nicht toleriert werden», sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino. Er erwarte, dass die zuständigen Disziplinargremien des afrikanischen Fußball-Verbandes CAF die entsprechenden Maßnahmen ergreifen.

Marokkos Trainer Walid Regragui bezeichnete das Geschehen als «beschämend für Afrika». Sein Amtskollege Thiaw bat um Entschuldigung. «Manchmal reagiert man in der Hitze des Gefechts», sagte der 44-Jährige. «Wir akzeptieren die Fehler des Schiedsrichters, das kann passieren. Wir hätten nicht so reagieren sollen, aber das ist nun Vergangenheit. Wir entschuldigen uns beim Fußball.»

Um Thiaws Überreaktion besser zu verstehen, muss man das gesamte Finale und auch das Turnier im Blick behalten. Während des Endspiels herrschte unter den fast 70.000 Fans eine feindselige Atmosphäre, was durchaus üblich ist.

Balljungen wollen Handtuch klauen

Es ist jedoch ungewöhnlich, dass mehrere Balljungen bei starkem Regen mehrmals versuchten, das Handtuch von Senegals Torhüter Edouard Mendy zu stehlen. Schließlich musste ein Ersatzspieler aus dem Senegal das Handtuch nehmen und verteidigen. Auch der ehemalige Dortmunder Achraf Hakimi verdient keinen Fair-Play-Preis dafür, dass er Mendys Handtuch nahm und über die Bande warf.

Und dann war da noch die Sache mit den Schiedsrichtern. Diese, so hatte es Benins Trainer Gernot Rohr im Deutschlandfunk gesagt, würden für Marokko manchmal «ein bisschen Sympathie zeigen». Aber nicht nur das. Vor dem Viertelfinale zwischen Marokko und Kamerun wurden der Schiedsrichter und der Videoreferee kurzfristig ausgetauscht.

Am Ende gewann der Senegal den Pokal und flog am Montag mit der Mannschaft im Sonderflugzeug nach Dakar. Mané, der bereits als Volksheld galt, wurde als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Sein Wutanfall in Rabat dürfte diesen Status weiter gefestigt haben.

dpa