In Kitzbühel geht es für die deutschen Ski-Asse emotional auf und ab. Einem kleinen Abfahrts-Coup folgt ein sportpolitisches Tohuwabohu. Es gibt ein Happy End – dank Slalomfahrer Straßer und des DOSB.
Kitzbühel-Wahnsinn: Vogts Olympia-Chaos und Straßers Podest

Unter dem Jubel der tausenden Ski-Fans lehnte sich Linus Straßer glückselig auf seine Ski, die Erleichterung über sein Podest-Comeback war ihm deutlich anzusehen. Nach fast zwei Jahren Durststrecke und pünktlich vor den Olympischen Winterspielen hat es ausgerechnet beim Klassiker in Kitzbühel wieder geklappt mit dem Sprung unter die besten drei im Weltcup. «Das Timing hätte schlechter sein können», sagte der Münchner in der ARD und verriet: «Ich kann mich jetzt endlich rasieren. Ich habe mir selbst das Ding gesetzt: Ich rasiere mich erst, wenn ich wieder auf dem verdammten Podium stehe.»
Fast zeitgleich mit dem Straßer-Coup in Tirol gab der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auch bekannt, dass der Abfahrer Luis Vogt für die Winterspiele nachnominiert werden soll. Ein entsprechender Antrag wird an das IOC geschickt, da Vogt bei der legendären Abfahrt auf der Streif am Samstag einen starken achten Platz belegt hatte. Das oft kritisierte deutsche Männer-Ski-Team erlebte somit ein doppeltes Happy End in Kitzbühel.
Straßers Aufholjagd: «Die Kirsche obendrauf»
Straßer spielte eine Hauptrolle. Auf dem Ganslernhang, wo er als Kind das Skifahren erlernte und 2024 im Weltcup siegte, waren nur Manuel Feller aus Österreich und der Schweizer Weltmeister Loic Meillard schneller als der 33-jährige Straßer, der nach dem ersten Durchgang nur Zehnter war und dann stark aufholte.
«Das ist die Kirsche obendrauf», schilderte Straßer. Er hatte im Sommer nach vielen Jahren seine Skimarke gewechselt und danach etliche Rückschläge kassiert. In dieser Saison war er stets jenseits der Top 7 gelandet. Aber er glaubte an sich. «Der Weg dorthin, die Zweifel, die zu überwinden und eine Lösung zu finden, daran zu wachsen, das ist das, was Spaß macht und was mich heute ein bisschen emotional werden lässt», sagte der Familienvater.
Doppelter DSV-Jubel dank Vogt und Straßer
Als Straßer auf dem Siegerpodest eine bronzene Gamsstatue überreicht bekam, reckte er diese strahlend in die Höhe und brüllte ein lautes «Jaaa!».
Vor gut 24 Stunden hatte Abfahrer Vogt ähnlich reagiert – nur ohne Pokal – auf seinen achten Platz in der Abfahrt. Es war ein kleiner Coup: Der 23-Jährige war noch nie so weit vorn im Weltcup und sorgte zudem für einen Lichtblick im bislang trübgrauen Winter der deutschen Speedfahrer.
Die Freude wurde jedoch schnell getrübt – denn im deutschen Ski-Team kam die Frage auf, ob der Garmischer nun mit zu Olympia kommen durfte. Es drohte ein Chaos: Die Nominierungsfrist des DOSB war bereits abgelaufen, und die fünf deutschen Startplätze für Bormio waren bereits vergeben.
Vogt kommt Shootingstar Franzoni und Superstar Odermatt nahe
«Das liegt nicht in meinen Händen», sagte Vogt selbst zur Bredouille. Der Zwei-Meter-Rennfahrer, der sich mit Schuhgröße 50 in Skistiefel der Größe 47 zwängte, hatte mit einer beherzten Fahrt sogar Sieger Giovanni Franzoni (Italien) und Superstar Marco Odermatt (Schweiz) auf Rang zwei bangen lassen. «Saugeil», fand Vogt, den Verletzungen in den vergangenen Jahren immer wieder gebremst hatten. Das Grinsen wich ihm im Zielraum von Kitzbühel nicht aus dem Gesicht; Fans und Freunde mit Plakaten jubelten dem Oberbayern zu.
Deutsche Männer nur mit fünf Olympia-Startplätzen
Aber natürlich wurde er auch nach Olympia gefragt. Eine Nachnominierung «wäre mega», meinte er, sagte aber auch, dass die bisher Ausgewählten «große Namen mit guten Platzierungen» und «berechtigt» eingeladen seien.
Unter den vielen Fragezeichen ist eines klar: Es wird nicht mehr als die fünf Startplätze geben, die der Skiweltverband Fis den Deutschen zugeteilt hatte. Ursprünglich waren es sogar nur drei, aber der DSV erhielt immerhin noch zwei Extra-Plätze. Die Fis möchte so viele Nationen wie möglich bei Olympia haben, was den Top-Teams missfällt.
Neureuther schimpft: «Geh auf Barrikaden»
«Diese Quotenregelung ist totaler Quatsch», schimpfte Ex-Skirennfahrer Felix Neureuther in der ARD. «Es werden Athleten mitgenommen aus Ländern, die nicht den Hauch einer Chance haben. Und von den Besten der Welt müssen einige daheim bleiben.» Neureuther sagte im Hinblick auf Vogt: «Wenn der nicht mitgenommen wird, dann geh’ ich auf die Barrikaden.»
Es sollte nicht so weit kommen: Am Sonntag kündigte der DOSB an, Vogt beim IOC nachzumelden. Der Verband hofft, dass der Athlet zunächst an den Trainings auf der Olympia-Strecke in Bormio teilnehmen darf und im Wettkampf eingesetzt wird, falls ein anderer deutscher Athlet ausfällt.








