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Fingerzeig zum Himmel: Herthas emotionaler Gedenk-Spieltag

Hertha BSC hat für seinen gestorbenen Präsidenten Bernstein eine würdige Gedenkfeier abgehalten. Das schwierige Spiel gegen Düsseldorf endet remis, doch das erscheint zweitrangig.

Hertha-Profi Haris Tabakovic erinnerte nach seinem Treffer an den gestorbenen Präsidenten Kay Bernstein.
Foto: Andreas Gora/dpa

Haris Tabakovic kannte nach seinem Tor nur einen Weg. Schnell zur Auswechselbank. Dort hielt der Stürmer das schwarze T-Shirt mit dem Aufdruck «Wir Herthaner in tiefer Trauer» hoch und reckte dann einen Finger zum Himmel. Es war ein stiller Gruß des Torjägers.

Der einzige mögliche Gruß und die einzige mögliche Geste nach einer bewegenden Trauerfeier des Berliner Fußball-Zweitligisten vor dem Rückrundenauftakt gegen Fortuna Düsseldorf für seinen unerwartet verstorbenen Präsidenten Kay Bernstein.

Dass nach Tabakovic (30. Minute) noch Derry Scherhant (45.+1) für die Hertha, aber auch Isak Bergmann Johannesson (44.) und Christos Tzolis (49./Foulelfmeter) für Düsseldorf getroffen haben, dass Tzolis (56.) einen weiteren Strafstoß neben das Tor gesetzt hat und dass das Spiel somit 2:2 (2:1) geendet hat, das war lediglich die statistische Fortsetzung eines emotionalen, kalten Fußball-Sonntags im zum Ort des Gedenkens umgewandelten Olympiastadion.

Die nackten Zahlen zeigen, dass Hertha nun zehn aufeinanderfolgende Spiele ohne Niederlage hat. Im Rennen um den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga hat sich jedoch nichts geändert und sie haben weiterhin einen Rückstand von fünf Punkten auf den Mitbewerber Düsseldorf. Das ist ein Fakt, ja. Aber es ist nicht das Wichtigste. Die Trauer über den Verlust von Bernstein, der am Dienstag im Alter von 43 Jahren verstorben ist, überdeckt alles für die Berliner.

Dardai mit Tränen

Hertha-Trainer Pal Dardai hatte Tränen in den Augen gehabt, als die Spieler am Mittelkreis standen und alle kurz vor dem Anpfiff im Stadion eine Schweigeminute abhielten. Im kollektiven Gedenken war die Bedeutung Bernsteins für die Hertha nochmals deutlich geworden. «Kay war ein Mensch, der uns berührt hat. Er war ein Mensch, der nie von oben herab geredet hat. Er hat nie gefragt, was ist gut für Kay. Er hat immer gefragt, was ist gut für Hertha BSC», sagte Dardai bei Sky.

Doch wie würde das Team reagieren, nach Tagen der Trauer und der Emotionen und nach einem Spiel-Vorlauf, der mit einem Trauermarsch von 7000 Fans, einer christlichen Andachtsfeier und besinnlicher Musik so gar nicht zu den eigentlichen Fußball-Ritualen passte. Trauer kann lähmen, das war auch Dardai bewusst. «Das kann man nicht in Worte fassen, wie schwer das war. Jeder hat seine eigene Familie, sein eigenes Schicksal. Trauer ist etwas Persönliches», sagte der Ungar.

Die Mannschaft reagierte vor 42.209 Zuschauern stabil und kontrollierte das Spiel. Scherhant hatte eine frühe Schusschance (8.). Keines der Teams ging jedoch ein Risiko ein. Die Fortuna hielt sich anständig zurück, genauso wie die eigenen Fans, die im Vorfeld des Spiels schweigend den würdigen Rahmen des Bernstein-Gedenkens mitgetragen hatten. Dieses Spiel wirkte lange Zeit nicht wie ein Kampf um einen Aufstiegsplatz.

Schuss mit Tempo 105

Es war Scherhant, der aus Berlin stammt und am meisten rannte. Als ein Konter von ihm fast verpuffte, gelangte der Ball zu Tabakovic, der ihn mit einer Geschwindigkeit von 105 Kilometern pro Stunde ins Tor schoss. Der Jubel war eine Befreiung. Kurz nachdem der Mittelstürmer den Pfosten getroffen hatte (42.), erzielte Fortuna den Ausgleich durch einen Fernschuss von Bergmann Johannesson. Doch Scherhant wollte das nicht akzeptieren. Sein kraftvoller Schuss aus einer ähnlichen Position wie Tabakovic war noch einen Kilometer pro Stunde schneller und brachte erneut die Führung.

Post an X

Düsseldorf änderte seine vornehme Zurückhaltung. Sie kamen durch Tzolis‘ Strafstoß-Tor zum Ausgleich. Und nach dem zweiten Elfmeter-Foul von Marc Oliver Kempf hätten sie fast mit einer kuriosen Wiederholung in Führung gehen können. Jetzt waren die Gäste eindeutig das bessere Team. Die Hertha-Ultras, denen Bernstein als Vorsänger einst Takt und Stimme gab, schwiegen während des gesamten Spiels. Auf Bernsteins Präsidentenplatz auf der Haupttribüne lagen seine typische blau-weiße Club-Jacke, sein Megafon und weiße Rosen.

Magdeburg überholt Wehen Wiesbaden

Der eingewechselte Japaner Tatsuya Ito hat in der 80. Minute den 1. FC Magdeburg zum Sieg beim Rückrundenstart geschossen. Gegen den SV Wehen Wiesbaden traf er zum 1:0 (0:0) und sorgte dafür, dass die Magdeburger die Gäste in der Tabelle überholten. Wehen Wiesbaden spielte die letzten Minuten in Unterzahl, nachdem Amar Cadiz in der 84. Minute die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Magdeburg hat nun einen Vorsprung von sechs Punkten vor dem Abstiegs-Relegationsplatz, Wehen Wiesbaden hat fünf Punkte Rückstand.

Fürth klettert auf Rang vier

Die SpVgg Greuther Fürth kehrte wieder auf die Erfolgsspur zurück und verbesserte sich auf den vierten Platz. Nach zwei Unentschieden vor der Winterpause gelang es dem Team von Trainer Alexander Zorniger, einen 1:0 (1:0)-Sieg gegen den bisherigen Tabellennachbarn SC Paderborn zu erzielen. Dank des Treffers von Armindo Sieb (33. Minute) vor 10 975 Zuschauern in der Home Deluxe Arena bleibt der Relegationsplatz mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Hamburger SV in Reichweite. Die Erfolgsserie der Ostwestfalen endete dagegen mit drei aufeinanderfolgenden Siegen. Dadurch verpassten sie die Chance, an Greuther Fürth vorbeizuziehen.

dpa