Geschichte wird auf 22.000 Quadratkilometern geschrieben, mit ungewöhnlichen Sportstätten und neuen Disziplinen, während die Natur leidet.
Dezentrale Winter-Olympia in Mailand und Cortina: Neue Ära des Sports

Vier Jahre nach den Geisterspielen von Peking aufgrund von Corona kehren die Zuschauer zu den Olympischen Winterspielen zurück. In Mailand und Cortina d’Ampezzo wird Geschichte geschrieben.
Was ist das Besondere an diesen Spielen?
Zum ersten Mal teilen sich zwei Orte offiziell die Rolle der Gastgeber. Dennoch sollte es eigentlich Norditalien statt Mailand und Cortina heißen. Denn die Spiele erstrecken sich über eine Fläche von etwa 22.000 Quadratkilometern und machen sie zu den ersten dezentralen Spielen der Geschichte. Ein Beispiel: Die alpinen Skirennfahrerinnen tragen ihre Wettkämpfe in Cortina d’Ampezzo aus, während die Männer in Bormio – 300 Kilometer weiter westlich – antreten. Für die Eröffnungs- und Schlussfeier werden ungewöhnliche Sportstätten fernab der Berge genutzt. Die Eröffnungsfeier findet im Fußball-Tempel San Siro statt, während die Spiele in der antiken Arena von Verona enden. 90 Prozent der Wettkampfstätten existierten bereits oder wurden temporär errichtet.
Was ist an diesen Spielen so umstritten?
Das Hauptthema der vergangenen Jahre war der Bau der Bob- und Rodelbahn in Cortina d’Ampezzo. Das IOC schlug vor, die Wettbewerbe aus Kostengründen an eine bereits existierende Bahn im Ausland zu vergeben. Innsbruck und St. Moritz wurden als mögliche Standorte diskutiert. Jedoch lehnte die italienische Regierung letztendlich diesen Vorschlag ab und entschied sich für einen Neubau.
Die Ausgaben für den Bau sind jetzt bei 120 Millionen Euro. Es wird bemängelt, dass in die Natur eingegriffen wird, besonders da die zukünftige Nutzung und wirtschaftliche Unterhaltung der Bahn unklar sind.
Sind diese Spiele ein Konzept für künftige Winterspiele?
Die Spiele in Italien gelten als zentraler Baustein für die «Agenda 2020+5», mit der das IOC auf Nachhaltigkeit in Zeiten des Klimawandels setzt und von kostenintensiven Neubauten abrückt. Bei den aktuellen Spielen ist die Verteilung auf bestehende Infrastruktur besonders weitläufig. Ähnlich dürfte es auch 2030 in den französischen Alpen werden, ehe es 2034 in Salt Lake City wieder kompakter wird.
Wie hoch ist das Budget?
Das Organisationskomitee schätzt die operativen Kosten auf etwa 1,7 Milliarden Euro. Diese sollen durch Sponsoring, Ticketverkäufe und IOC-Beiträge abgedeckt werden. Zusätzlich werden die Kosten für Sicherheit und Infrastruktur von der italienischen Regierung übernommen. Diese werden auf 3,5 Milliarden Euro geschätzt.
Was ist über die Eröffnungsfeier bekannt?
Am Freitagabend (20.00 Uhr) beginnt die Zeremonie im Guiseppe-Meazza-Stadion von Mailand. Dezentrale Spiele führen allerdings auch zu einer dezentralen Feier, weshalb Teile der Show neben Mailand auch in Cortina d’Ampezzo, Bormio und Predazzo aufgeführt werden. Das Thema «Harmonie» soll die Verbindung zwischen Städten (Mailand) und der alpinen Natur (Cortina) symbolisieren. Bestätigt sind Auftritte von Musik-Stars wie Andrea Bocelli, Mariah Carey und Lang Lang. Das olympische Feuer wird simultan in Mailand und Cortina entzündet.
Wie viele Teilnehmer und Wettbewerbe gibt es?
Etwa 2.900 Athletinnen und Athleten aus 90 Ländern werden teilnehmen. 47 Prozent davon sind Frauen, was die Quote aus Peking um weitere zwei Prozentpunkte erhöht. Es wird 116 Entscheidungen geben, so viele wie noch nie. Davon werden 50 reine Frauenwettbewerbe sein, ebenfalls so viele wie noch nie.
Welche neuen Sportarten sind dabei?
Das Skibergsteigen wird erstmals olympisch mit neuen Disziplinen. Es gibt Sprintrennen für Männer und Frauen sowie eine Mixed-Staffel. Im Rodeln wird erstmals der Doppelsitzer der Frauen eingeführt, im Skeleton gibt es einen Mixed-Team-Wettbewerb. Frauen dürfen im Skispringen auch von der Großschanze fliegen, Männer springen im Super-Team-Format. Im Freestyle kommt die Doppel-Buckelpiste hinzu, im Ski Alpin wird das Parallel Team Event durch die Team-Kombination ersetzt.
Wer überträgt die Winterspiele im Fernsehen?
Die Spiele werden sowohl von den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF im linearen Fernsehen als auch auf ihren Internetplattformen gezeigt. Außerdem werden sie von Eurosport im Fernsehen und auf der Streaming-Plattform Discovery+ übertragen.








