Das Pokal-Halbfinale gegen Leverkusen ist für Bielefeld das größte Spiel seit langer Zeit. Der Drittligist träumt von Berlin. Trainer Kniat denkt vor dem Duell auch an einen Tennis-Star.
Forscher Außenseiter: Arminia glaubt an «Wunder» gegen Bayer
Außenseiter, na und? Forsch und selbstbewusst geht Arminia Bielefeld ins Pokal-Halbfinale gegen Doublesieger Bayer Leverkusen. «Ich würde auch in ein Duell mit Alexander Zverev gehen und sagen: „Ich gewinne das Ding“», sagt Trainer Mitch Kniat mit Blick auf den Tennis-Star bei MagentaSport. «Ich glaube zu hundert Prozent an das Wunder.»
Die Begeisterung für die Arminia ist enorm, man kann die Sehnsucht in der gesamten Stadt spüren. Ein Sieg trennt den Traditionsclub vom erstmaligen Einzug ins DFB-Pokalfinale in Berlin am 24. Mai. Die bisherige Saison wirkt wie ein Booster für den Glauben an die eigene Chance im größten Spiel seit Jahren (Dienstag, 20.45 Uhr/ARD und Sky).
«Wir hatten vier Mal keine Chance und haben sie genutzt. Das wird auch das Motto gegen Leverkusen sein», sagt Kniat. Seine Mannschaft wäre der erste Drittligist im Finale seit dem 1. FC Union Berlin 2001.
Großer Fanmarsch zum Stadion
Die Arminia verlässt sich im ausverkauften Stadion innerhalb kürzester Zeit unter anderem auf die Unterstützung der Fans. Die Anhänger, die mit einem großen Marsch aus der Altstadt auf das Spiel einstimmen, haben die altehrwürdige Alm bereits in den vorherigen Runden zu einem bundesweit beachteten Tollhaus gemacht. Sie sollen dem Team um Kniat auch dieses Mal den zusätzlichen Schub geben, um dem Topfavoriten Paroli zu bieten.
Granit Xhaka, Mittelfeldspieler von Leverkusen, weiß aus eigener Erfahrung, wie das aussehen kann. Bereits einmal schied er auf der Alm im Viertelfinale 2015 aus dem Pokal aus, damals noch im Trikot von Borussia Mönchengladbach.
Xhaka ist gewarnt
«Nicht nur wegen der Erfahrung von damals wissen wir auch jetzt, was auf uns zukommen wird», sagte der 32-Jährige dem «Westfalen-Blatt». Kapitän Lukas Hradecky sagte: «Das wird ein Kracher. Die werden alles geben und es ist für sie wahrscheinlich das Spiel des Jahres.»
Das Spezielle an der Arminia ist auch: Bielefeld tritt nicht wie ein typischer Drittligist gegen einen Erstligisten auf. Wie schon im Viertelfinale gegen Werder Bremen (2:1) oder zuvor gegen den SC Freiburg (3:1) und den 1. FC Union Berlin (2:0) wollen sich die Ostwestfalen auch gegen den Bundesliga-Zweiten keineswegs nur auf die Defensive konzentrieren und mauern.
Die Bielefelder sind sich bewusst: Selbst mit einem mutigen Angriffsspiel können sie Teams herausfordern, die ihnen aufgrund ihrer Liga-Zugehörigkeit und ihres Kaderwerts eigentlich deutlich überlegen sein sollten.
Pokaleinnahmen helfen enorm
Nach langen Jahren des sportlichen Abstiegs und der Krisen herrscht bei der Arminia wieder Aufbruchstimmung – nicht nur, aber auch wegen des Pokals. Der Club, der um den Aufstieg kämpft, profitiert extrem von den Einnahmen. Bisher haben die Bielefelder allein an DFB-Prämien rund 6,5 Millionen Euro verdient.
«Im Verein will keiner immer wieder sagen, wie schlecht es uns ging. Aber es ging uns wirklich nicht gut», sagte Sport-Geschäftsführer Michael Mutzel der Deutschen Presse-Agentur. «Die Planung für die neue Saison war schon von Beginn an eine große Herausforderung. Die Pokaleinnahmen, mit denen wir natürlich nicht rechnen konnten, erleichtern unsere Planungen enorm.»
Der Finaleinzug würde zusätzliche 2,88 Millionen Euro sicherstellen. Zuschauereinnahmen kämen noch hinzu. Dieses Geld könnte nach dem Abbau der Altlasten auch in den Kader investiert werden.