2024 ist nicht nur das Jahr der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. In Afrika und Asien beginnen die Kontinentalturniere schon im Januar. Die Bundesligisten trifft das mitunter hart.
Fragen und Antworten zum Afrika- und Asien-Cup

Zum Zeitpunkt des Wiederbeginns der Bundesliga nach der Winterpause finden in der Elfenbeinküste und Katar der Afrika- und Asien-Cup statt. Viele Mannschaften aus der ersten Liga müssen auf ihre Schlüsselspieler verzichten. Besonders hart trifft es den Tabellenführer Bayer Leverkusen, da sich bereits ein Topspieler während der Vorbereitung auf das Turnier schwer verletzt hat. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu den beiden Kontinentalturnieren:
Wann und wo finden die zwei Turniere statt?
Die beiden Kontinentalturniere finden nahezu gleichzeitig von Mitte Januar bis Mitte Februar statt. Beim Afrika-Cup in der Elfenbeinküste wird das Eröffnungsspiel am 13. Januar angepfiffen, das Finale ist für den 11. Februar geplant. Die Asienmeisterschaft in Katar findet vom 12. Januar bis zum 10. Februar statt.
Warum werden die Meisterschaften inmitten der europäischen Club-Saison ausgetragen?
Die Asienmeisterschaft sollte ursprünglich im Sommer 2023 in China stattfinden, wurde jedoch aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie abgesagt. Katar sprang kurzfristig ein. Da es im Sommer in diesem Wüstenstaat jedoch zu heiß ist für ein Turnier – siehe die WM 2022 – wird es nun im Winter gespielt. Beim Afrika-Cup gab es auch meteorologische Gründe für den Termin im Januar: Ursprünglich war das Turnier für den Sommer 2023 in der Elfenbeinküste geplant; jedoch ist dort Regenzeit, daher wurde auf den europäischen Winter ausgewichen.
Wie viele Spieler aus deutschen Ligen sind dabei?
Insgesamt wurden 32 Fußballspieler, die in Deutschland tätig sind, für die Turniere abgestellt: 20 beim Afrika-Cup und zwölf in Asien. Darunter befinden sich Bundesliga-Stars wie Minjae Kim, Innenverteidiger von Bayern München (Südkorea), und Serhou Guirassy, Torjäger des VfB Stuttgart (Guinea). Es sind auch Spieler aus der 2. Bundesliga sowie ein Amateurfußballer dabei: Stanley Ratifo vom Oberligisten 1. CfR Pforzheim hat es in den Kader von Mosambik geschafft.
Überraschenderweise wurde Eric Maxim Choupo-Moting, der erfahrene Stürmer des FC Bayern und Nationalspieler aus Kamerun, nicht nominiert. Der Top-Torjäger von Bayer Leverkusen, Victor Boniface, hat sich bei der nigerianischen Nationalmannschaft verletzt und fällt kurzfristig für das Turnier aus.
Könnten die Abstellungen Auswirkungen auf den Titelkampf in der Bundesliga haben?
Es ist nicht ausgeschlossen, dass die deutschen Spitzenteams auf einige Profis verzichten müssen. Während Bayerns Serienchampion Kim und sein Verteidigerkollege Noussair Mazraoui (Marokko) nominiert wurden, muss Tabellenführer Leverkusen gleich vier Profis ersetzen: Boniface (Nigeria), Odilon Kossounou (Elfenbeinküste), Edmond Tapsoba (Burkina Faso) und Amine Adli (Marokko), die alle nominiert waren und nun verletzt sind. Boniface wird voraussichtlich bis April aufgrund einer Muskel-Sehnenverletzung im rechten Adduktorenbereich nicht zur Verfügung stehen.
Dem VfB Stuttgart fehlt vor allem Torjäger Guirassy (Guinea), der in der ersten Halbzeit bereits 19 Pflichtspieltore erzielt hatte. Der 27-Jährige verletzte sich im Testspiel gegen Nigeria am Oberschenkel – wie schwer, ist jedoch noch unklar. Auch die Abstellungen von Hiroki Ito (Japan) und Silas (DR Kongo) könnten sich auf den VfB auswirken, außerdem wurde Woo-yeong Jeong für Südkorea abgestellt. Von RB Leipzig und Borussia Dortmund wurden jeweils zwei Spieler nominiert, Eintracht Frankfurt muss drei Profis zum Afrika-Cup schicken.
Und was sagen die Trainer der betroffenen Vereine dazu?
Sie sind selbstverständlich nicht begeistert. «Immer extrem unglücklich» nannte etwa Bayern-Coach Thomas Tuchel die Abstellungspflicht mitten in der Saison. Leverkusens Club-Chef Fernando Carro forderte in der «Bild am Sonntag», dass die Terminierung für die beiden Kontinentalturniere in Zukunft überdacht wird und hofft auf eine Verständigung zwischen der europäischen Club-Vereinigung ECA und dem Weltverband FIFA. Trainer Xabi Alonso meinte: «Ich weine nicht. Ich bin kein Opfer. Wir haben genug Spieler.»
Auch Leverkusens Sportchef Simon Rolfes schilderte, dass Bayer die beiden Turniere in Asien und Afrika bei der Kaderzusammensetzung im Sommer schon einkalkuliert habe. Der Stuttgarter Coach Sebastian Hoeneß gab sich pragmatisch: «Solche Situationen bieten auch immer Chancen – insbesondere für unsere Jungs von unten.»
Wer sind die Favoriten und Stars der zwei Turniere?
Einige Stürmer könnten beim Afrika-Cup im Rampenlicht stehen. Mohamed Salah, der Torjäger von Liverpool, will mit Ägypten den Titel gewinnen, nachdem er 2017 und 2022 jeweils im Finale gescheitert war – vor zwei Jahren musste er seinem früheren Teamkollegen und damaligen Bayern-Profi Sadio Mané beim Jubeln mit Senegal zusehen. Bei der Wahl zum Afrikas Fußballer des Jahres wurden Salah und Mané kürzlich von Victor Osimhen übertroffen – der Stürmer von Napoli will nun auch mit Nigeria überraschen. Zu den Favoriten gehören neben Titelverteidiger Senegal und Finalgegner Ägypten vor allem auch der WM-Halbfinalist Marokko mit seinen Stars Hakim Ziyech (Galatasaray Istanbul) und Achraf Hakimi (Paris Saint-Germain).
Beim Asien-Turnier stehen vor allem zwei Trainer im Fokus. Jürgen Klinsmann soll die Südkoreaner um Bayerns Kim und Sturm-Routinier Heung-min Son von Tottenham Hotspur zum Erfolg führen – Südkorea wartet seit 64 Jahren auf diesen Titel. Der ehemalige deutsche Nationalstürmer und Auswahlchef beim «Sommermärchen» 2006 verkündete jüngst, dass er in den Augen seiner Spieler den Erfolgshunger erkenne. Neben Klinsmann ist Roberto Mancini der prominenteste Coach des Turniers: Der Italiener verließ im vorigen Sommer überraschend die Nationalmannschaft seines Heimatlandes, wurde in Italien damit vom EM-Helden zum Verräter und heuerte in Saudi-Arabien an.








