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Friedrich holt fünftes Double bei zehnter Viererbob-WM

Die Dominanz der Deutschen inklusive Bob-König Friedrich ist erschreckend. Am Geld allein liegt es nicht. Chefcoach Spies sieht die Ursache in der fehlenden Strukturarbeit der anderen Nationen.

Francesco Friedrich, Thorsten Margis, Alexander Schüller und Felix Straub beim Start mit dem Viererbob.
Foto: Robert Michael/dpa

Sein 100. Rennen in der Königsklasse wurde für Francesco Friedrich zu einem Triumph. Bei seiner zehnten Viererbob-Weltmeisterschaft in Winterberg feierte der 33-jährige Sachse mit seiner Crew Thorsten Margis, Alexander Schüller und Felix Straub seinen sechsten Titel und damit sein fünftes WM-Double.

«Wir hatten alles auf diesen Moment vorbereitet. Die Startzeiten passen, die Fahrten passen, das Material passt. Es macht einfach Spaß», sagte Rekordweltmeister Friedrich im ZDF nach seinem insgesamt 16. WM-Gold in beiden Disziplinen.

Johannes Lochner aus Berchtesgaden («Ich war so oft Zweiter, ich will Gold») konnte nicht mehr wie erhofft kontern, blieb jedoch mit seiner Mannschaft auf dem Silberrang. Zusammen mit Adam Ammour komplettierte er den deutschen Dreifach-Erfolg, nachdem am Samstag auch die deutschen Zweierbob-Pilotinnen Lisa Buckwitz und Vanessa Mark als Weltmeisterinnen zu dritt auf dem Podium gestanden hatten.

Spies: «Performen in allen Bereichen am Limit»

Im ersten Lauf des Zweierbob-Rennens fuhr der zweimalige Doppel-Olympiasieger Friedrich erneut einen Bahnrekord mit dem großen Schlitten und verbesserte in 53,12 Sekunden die neun Jahre alte Bestmarke seines ehemaligen Vereinskollegen Nico Walther (53,48 Sekunden). Mit 53,11 Sekunden unterbot er die Marke erneut im dritten Lauf und ebnete den Weg zum Sieg.

Fraglich ist, ob die deutsche Dominanz bei der Heim-WM mit den Dreifacherfolgen im Zweierbob bei Frauen und Männern und nun auch in der Königsklasse Viererbob so bleibt. «Wir performen gerade in allen Bereichen am Limit», sagte Cheftrainer René Spies der Deutschen Presse-Agentur. Zweierbob-Weltmeisterin Lisa Buckwitz, die vor Monobob-Weltmeisterin Laura Nolte und Kim Kalicki am Samstag gewann, meinte: «Wir haben ja einige Materialveränderungen vom Weltverband, die diese Saison schon gegriffen haben. Da müssen wir jetzt weiter tüfteln, um vorn zu bleiben.» Andere Nationen sagen nur, «der FES-Schlitten läuft super. Klar, das ist auch so, wir haben die besten Schlitten. Wir haben aber auch viel in die Entwicklung investiert», sagte Buckwitz.

Das könnte sich schon bei der nächsten WM in Lake Placid ändern. Buckwitz-Anschieberin Vanessa Mark betonte, «man kann nicht sagen, dass die anderen nicht konkurrenzfähig sind. So eine Kaysha Love oder Elana Meyers Taylor, die nach zwei Kindern wiedergekommen ist, entwickeln sich super». Und zum guten Material gehören dann auch immer noch gute Starts und die Fahrkünste der Pilotin.

«Kein Aufbau von langfristigen Topstrukturen»

Spies verwies auf die viel besseren Reserven anderer Nationen beim Scouten aus der Leichtathletik: «Die kommen nicht von allein, die muss man holen.» Dafür sei systematische Arbeit unabdingbar. «Als wir 2014 bei Olympia in Sotschi leer ausgegangen sind, haben wir intensiv an Strukturen im Nachwuchs zusammen mit der Leichtathletik bundesweit gearbeitet. Dazu in mehreren Schritten das Material sowohl mit der FES als auch zwischenzeitlich mit Wallner optimiert. Diese Möglichkeiten haben andere Nationen auch», sagte Spies.

Das Problem besteht jedoch darin, dass viele Top-Trainer im olympischen Vier-Jahres-Rhythmus das Team wechseln und dadurch keine langfristigen Top-Strukturen aufbauen. Die Schweizer haben mit dem Milliardär Peter Spuhler und seiner Bahnbau-Firma Stadler Rail den wohl zahlungskräftigsten Sponsor im gesamten Weltcup-Zirkus. Allerdings haben die untereinander zerstrittenen Vereine in der Schweiz und das ständige Einmischen in die Verbandsspitze von Swiss Sliding, die in den vergangenen Jahren mehrfach gewechselt hat, bisher eine ähnliche Dominanz der Eidgenossen wie einst in den 70er und 80er Jahren verhindert.

dpa