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Blutiger Eklat vor Fury vs. Usyk: Vater des Briten verletzt sich im Streit

Die Nerven vor dem WM-Vereinigungskampf liegen blank. Usyks Promoter lästert über Fury’s Vater, der für einen Eklat sorgte.

Bereit für das «Jahrhundertkampf»: Tyson Fury (l) und Oleksandr Usyk.
Foto: Zac Goodwin/Press Association/dpa/Archiv

Der erste Gong im Jahrhundert-Kampf zwischen Tyson Fury und Oleksandr Usyk hat noch nicht einmal geläutet, aber es ist bereits Blut geflossen. Allerdings nicht bei den beiden Schwergewichts-Weltmeistern, sondern beim exzentrischen Vater von Fury. Zu Beginn der Woche hatte er sich mit einem Kopfstoß gegen ein Mitglied von Usyks Team eine blutige Wunde an der Stirn zugezogen und damit für einen Eklat gesorgt.

Die Nerven vor dem mit Spannung erwartetet WM-Vereinigungskampf scheinen blank zu liegen. «Sein Vater ist nervös. Er versucht den kleinsten Typen in Usyks Team zu bekämpfen», lästerte Usyks Promoter Alexander Krassyuk.

Bei der Schwergewichts-Show am Samstagabend (DAZN) in Riad steht sehr viel auf dem Spiel. Erstmals nach Lennox Lewis vor 25 Jahren kann der Sieger des Mega-Fights der sogenannte «Undisputed Champion» werden. Er sichert sich alle vier bedeutenden WM-Titel der Verbände IBF, WBO, WBA und WBC – und damit einen viel beachteten Platz in der Box-Historie. Zusätzlich geht es auch noch um den IBO-Titel. «Es ist großartig. Es ist gut für mich, aber auch sehr wichtig für mein Land», sagte Usyk, der seinen Sieg den ukrainischen Soldaten im Kampf gegen Russland widmen will.

«Das ist ein Kampf, auf den die Boxwelt seit einem Vierteljahrhundert wartet. Die ganze Welt schaut darauf, das ist Box-Historie», sagte Experte Bernd Bönte der Deutschen Presse-Agentur. Promoter Frank Warren sprach vor einiger Zeit vom «größten Box-Ereignis des Jahrhunderts».

«Es wird auf jeden Fall ein Spektakel», sagte Agit Kabayel. Der aktuell beste deutsche Schwergewichtler wird im Vorprogramm vor dem Mega-Duell in den Ring steigen. Im sogenannten WBC-WM-Eliminator nimmt es der 31-Jährige mit dem Kubaner Frank Sanchez auf. Sollte der Bochumer gewinnen, ist er der nächste Pflichtherausforderer des WBC-Weltmeisters im Schwergewicht. Das ist aktuell Tyson Fury, Usyk hält die anderen Titel.

Kabayel: «Das ist die Champions League»

Kabayel rechnet mit einem ausgeglichenen Kampf. «Wenn wir nach den letzten Leistungen gehen, stehen die Karten für Fury nicht so gut. Aber ich glaube trotzdem, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird, die Tagesform und die mentale Stärke wird entscheiden», sagte er: «Das ist die Champions League, da ist jeder wirklich brandgefährlich und für ein Spektakel bereit.»

Beide Box-Stars sind bislang noch unbesiegt. Der flinke Usyk (21 Siege) dürfte dem 15 Zentimeter größeren Fury (34 Siege) vor allem mit der Geschwindigkeit Probleme bereiten wollen. «Fury hat nie mit solch einem Speed umgehen müssen», sagte Usyk-Promoter Krassyuk dem Portal «sport.de». «Tyson hat Vorteile in Größe, Reichweite und Gewicht. Punkt. Usyk hat Vorteile in Geschwindigkeit, Box-IQ und Technik», fügte Krassyuk hinzu.

Hier sieht auch Bönte Vorteile für den Ukrainer. «Usyks großes Plus ist seine Geschwindigkeit – sowohl die Schnelligkeit seiner Hände als auch seine exzellente Beinarbeit. Und er boxt sehr präzise», sagte er.

Generell geht der frühere Manager der Klitschko-Brüder von einem «50/50-Kampf» aus. «Beide stehen vor dem schwersten Kampf ihrer Karriere. Wenn ich wetten würde, dann sehe ich Usyk als leichten Favoriten. Ich tippe auf einen knappen Punktsieg Usyks.»

Bönte: Fury muss Usyks Rhythmus brechen

Es sei extrem schwer, für einen großen Mann wie Fury einen kleinen und schnellen Mann wie Usyk überhaupt zu stellen, meint Bönte, der für DAZN den Kampf als Experte begleiten wird. «Fury gewinnt diesen Kampf nur dann, wenn er den Rhythmus von Usyk brechen kann. Er muss ihn stellen, den Weg abschneiden, klammern, auch mal unsauber boxen und den Kampffluss in jeder Hinsicht brechen», prognostizierte Bönte. «Usyk gewinnt ein Boxing-Match, Fury gewinnt einen «dreckigen Straßenkampf».»

Usyk hatte 2021 seine WM-Titel von Anthony Joshua abgenommen und im Jahr 2022 erfolgreich gegen den Briten verteidigt. Der Kampf gegen Fury wurde bereits damals sehnsüchtig erwartet. Fury hatte 2015 überraschend Wladimir Klitschko besiegt und war somit Weltmeister geworden. Später gab er alle Titel auf, kämpfte gegen Depressionen und Drogenmissbrauch. Im Jahr 2018 kehrte er zurück – und holte sich den WBC-Titel.

Organisation des Kampfs war zäh

Wie es für einen so großen Kampf angemessen ist, gestaltete sich die Planung des Events als schwierig. Uneinigkeiten bezüglich der finanziellen Aufteilung führten beinahe zum Scheitern der Verhandlungen. Laut mehreren Medienberichten erhält Fury mehr als 100 Millionen für den Kampf, während Usyk weniger bekommen soll.

«Jede Seite hat einen separaten Deal mit dem Veranstalter und Investor Turki AlalSheikh vor Ort abgeschlossen», sagte Bönte. «Keine Seite weiß, wie viel Geld die andere bekommt. Beide sind somit zufriedengestellt. Und nur deshalb ist der Kampf zustande gekommen.»

Der Zweikampf wurde nicht nur durch Geld verzögert. Am 23. Dezember sollten beide gegeneinander antreten. Allerdings erlitt der damals untrainiert wirkende Fury einige Wochen zuvor einen Cut im Schaukampf gegen den früheren MMA-Champion Francis Ngannou – und musste daraufhin eine Pause einlegen. Kurze Zeit später zog sich Fury erneut einen Cut zu, als er sich im Sparring auf den Kampf im Februar gegen Usyk vorbereitete. Und wieder musste das Spektakel verschoben werden. Nun sollte dem Jahrhundertkampf aber nichts mehr im Weg stehen.

dpa