Mit dem großen NBA-Tross ziehen die Wagner-Brüder jetzt weiter nach London. Für die Fans in ihrer Geburtsstadt Berlin könnten ähnliche Basketball-Spektakel bald häufiger anstehen.
Emotionale NBA-Heimsieg in Berlin, eine riesige emotionale Überforderung

Nach dem emotionalen NBA-Heimsieg in Berlin umarmte Basketball-Star Moritz Wagner schwer ergriffen seine Familie. Der Weltmeister genoss die Atmosphäre in der ausverkauften Halle, die ihm und seinem Bruder Franz bei ihrer Rückkehr unvergessliche Momente beschert hatte. «Ich bin ja selber ein deutscher Fan. Da kriege ich Gänsehaut, wenn ich das sehe. Und danach kommt der Gedanke, dass ich Teil dessen bin. Das ist eine riesige emotionale Überforderung», sagte der 28-Jährige.
Die Wagner-Brüder ziehen nun mit dem großen NBA-Tross weiter nach London. Es könnte für die Fans in Berlin bald öfter ähnliche Basketball-Spektakel geben. Franz und Moritz Wagner waren beim ersten Saisonspiel in Deutschland als heimische Helden im Mittelpunkt des NBA-Sturms in der Hauptstadt.
«Die Aufmerksamkeit, die wir jetzt bekommen, ich weiß gar nicht, ob die gesund ist. Ich freue mich dann auch, wenn das jetzt ein bisschen wieder runtergeht», sagte Moritz Wagner.
Die Brüder der Orlando Magic hatten lange um ihren Einsatz bangen müssen, aber am Ende gab es ein großes Happy End. Dirk Nowitzki und Detlef Schrempf als Basketball-Legenden, Jürgen Klopp und Thomas Müller als Fußball-Größen am Spielfeldrand.
Gemeinsam mit ihrem Team um Nationalmannschaftskollege Tristan da Silva gelang den Brüdern die Aufholjagd gegen die Memphis Grizzlies. «Es fühlte sich wie ein echtes Heimspiel an», sagte Franz Wagner. «Ich denke, ich brauche ein paar Wochen, zu reflektieren.»
Für die NBA war es auch ein Testlauf für ein Projekt, dass Liga-Commissioner Adam Silver vor der Partie als «die echte Schwerstarbeit» bezeichnete. Schon im Oktober 2027 will die NBA in Zusammenarbeit mit dem Weltverband Fiba eine eigene Liga in Europa an den Start bringen.
Wird Alba Berlin Teil der NBA Europe?
Ob die deutsche Hauptstadt eine der festen Franchises in der Liga kriegt, ließ Silver auch in Berlin offen. Was er über Alba sagte, ließ aber wenig Zweifel daran, dass der Club zum engsten Kandidatenkreis gehört. «Sie sind das Vorbild für die Art von Club, die wir uns in einer möglichen europäischen Liga wünschen würden», sagte Silver.
Der 63-Jährige hatte in Berlin auch Treffen mit Marco Baldi und Axel Schweitzer von Alba. Die Berliner hegen selbst keine Zweifel an ihren Ambitionen. Der andere große deutsche Kandidat Bayern München, der derzeit noch in der Euroleague spielt, gibt sich öffentlich zurückhaltender.
Wie werden die Pläne vorangetrieben?
In dieser Woche beginnt die NBA intensive Gespräche mit Interessenten, die ein Team in der Liga stellen wollen. Investoren, bestehende Basketballteams und Fußballteams, «die sehr daran interessiert sind, ein Basketballprogramm als Teil der NBA Europe aufzubauen» sind dabei, sagte George Aivazoglou, Geschäftsführer der NBA für Europa. Dem Vernehmen nach soll es schon in den kommenden Wochen Neuigkeiten zu den vielen noch offenen Details geben.
Die NBA gibt sich extrem optimistisch und sieht riesiges Wachstumspotenzial in Westeuropa, insbesondere auch in Deutschland. «Wir sind derzeit die am schnellsten wachsende Sportart in diesem Land», erklärte Silver. «Wenn ich glauben würde, dass die Obergrenze die bestehende Euroleague und das Interesse ihrer Fans wäre, würden wir nicht so viel Zeit und Aufmerksamkeit in dieses Projekt investieren.»
Die Geldmittel sollen zunächst von den Mitgliedsclubs der Liga stammen. Die NBA hat keine Stellungnahme zu den kolportierten Preisen von bis zu einer Milliarde Euro für ein Startrecht abgegeben. Es handelte sich um einzigartige Investitionen im europäischen Basketball in dieser Höhe.
Dass eine europäische Königsklasse im Basketball wirtschaftlich rentabel sein kann, gilt es noch nachzuweisen. Die NBA will einen langen Atem haben. «Ich denke, wenn wir diese neue Liga erfolgreich starten würden, würde es eine Weile dauern, bis sie ein rentables kommerzielles Unternehmen wäre», sagte Silver.
Läuft es auf einen Konflikt mit der Euroleague hinaus?
Die Euroleague ist aktuell noch der Platzhirsch und will diesen Platz sicher nicht abgeben. Gerüchte über ein drohendes juristisches Geplänkel moderierte Silver erst einmal ab. «Ich schicke die juristischen Schreiben an meine Anwälte, damit sie sich darum kümmern», sagte er etwas scherzhaft. «Ich glaube keineswegs, dass ein Konflikt unvermeidlich ist.»
Was sagen die deutschen Basketball-Stars?
Nowitzki und Franz Wagner finden die Idee spannend, hoffen aber, dass die europäische Basketball-Kultur der Fokus bleibt. Dass einige Plätze in der Liga anders als in der NBA und der Euroleague über sportlichen Wettbewerb vergeben werden sollen, hob Nowitzki im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur hervor. «Es macht unsere europäische Sportkultur aus mit Absteigen und Aufsteigen», sagte der 47-Jährige, der als TV-Experte für Prime Video in Berlin dabei war.
Wagner sagte: «Die Teamkultur und die Fankultur, die wir in Europa haben, sind großartig.» Die Herausforderung sei, das beizubehalten und den Sport trotzdem wachsen zu lassen. «Es geht nicht immer nur ums Geld, aber wir möchten, dass die Menschen das Spiel sehen, das wir alle lieben», sagte der 24-Jährige.








