Bitterer Rückschlag für Karl Geiger: Nach einem missglückten Sprung platzt der Olympia-Traum – doch der Allgäuer setzt sich neue Ziele und blickt nach vorn. Was ihn jetzt antreibt.
Geiger verfehlt Olympia-Quali im Skispringen: «Das tut weh»

Auch noch am Tag danach ärgerte sich Karl Geiger über seinen folgenschweren Fehler. Nach der verpassten Olympia-Qualifikation schrieb der 32-Jährige bei Instagram von einer «Chance, die ich mir selbst genommen habe. Das tut weh, gerade in einer Phase, in der es um so viel geht.» Ein völlig verkorkster zweiter Sprung am Samstag kostete den fünfmaligen Weltmeister letztendlich die geforderte interne Norm.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Oberstdorfer nicht an den Winterspielen teilnehmen wird, es sei denn, es gibt eine riesige Überraschung bei der Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Dies wäre das erste Mal seit 2014.
Die gesamte Saison über steckt Geiger in einer Krise. Der frühere Erfolgsgarant der deutschen Skispringer, der bereits Skiflug-Weltmeister war und drei Olympia-Medaillen gewonnen hat, hinkt der Weltspitze hinterher. Trotzdem hatte Geiger bis zuletzt Chancen, zum Saisonhöhepunkt in Predazzo, Italien, zu reisen, da auch die Konkurrenz im Team von Bundestrainer Stefan Horngacher derzeit nicht so stark ist.
Geiger: Arbeit «nicht umsonst»
Es hätte mindestens zwei Ergebnisse unter den Top 15 oder ein Top-Acht-Resultat gebraucht. Am Samstag wurde er 27. und beendete auf Platz 14.
Geiger, der akribische Arbeiter aus dem Allgäu, wäre aber nicht Geiger, wenn er das nicht als positive Entwicklung sehen würde. «Auch wenn die Olympianorm am Ende knapp verpasst wurde, fühlt sich dieses Resultat wichtig an. Es zeigt mir, dass die Arbeit der letzten Wochen nicht umsonst war und dass ich auf dem richtigen Weg bin», schrieb er.
Auch ohne Olympia hat Geiger noch ein Highlight im Sinn. «Jetzt richtet sich der Blick nach Oberstdorf, zurück in meine Heimat, zur Skiflug-WM», schrieb er mit Blick auf das am kommenden Wochenende anstehende Weiten-Spektakel auf der Heini-Klopfer-Skiflugschanze. «Ich freue mich darauf, vor bekannten Gesichtern an den Start zu gehen und alles, was ich aus Japan mitgenommen habe, in die Wettkämpfe einzubringen.» Horngacher sagte: «Ich glaube, er wird ein ganz wichtiger Mann werden für uns hier in Oberstdorf auf der Heimschanze.»
Noch zwei Heimspiele vor Olympia
Das deutsche Team wird voraussichtlich mit Philipp Raimund, Felix Hoffmann, Andreas Wellinger und Pius Paschke zu den Winterspielen reisen. Raimund, der in dieser Saison bereits Podestplätze erreicht hat und kürzlich von einer Infektion genesen ist, belegte in Japan die Plätze 15 und neun. Hoffmann, Wellinger und Paschke haben auf die Wettkämpfe am Ort der Winterspiele von 1972 verzichtet.
Die Deutschen sind diesmal nicht unter den Topfavoriten. Die Leistungen sind zu wenig konstant und die Konkurrenz zu stark. Beide Wettkämpfe in Sapporo hat der slowenische Vierschanzentourneesieger Domen Prevc gewonnen, der auch souverän im Gesamtweltcup führt. Auch Österreich und Japan sind stark einzuschätzen.
Vor den Winterspielen haben die Deutschen noch zwei Heimspiele: Zuerst beim Skifliegen in Oberstdorf, dann zur Olympia-Generalprobe nach Willingen.








