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Deutsche Handballer nach EM-Silber mit großen Ambitionen

Die Euphorie nach der EM-Niederlage ist groß. Die junge deutsche Mannschaft hat beste Perspektiven im Welthandball und strebt den WM-Titel an.

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Bundeskanzler Friedrich Merz gratuliert Deutschlands Handballern in der Kabine.
Foto: Guido Bergmann/Presse- und Informationsamt der Bundesregierung/dpa

Beim Selfie und Kaltgetränk mit Bundeskanzler Friedrich Merz schien die größte Enttäuschung über das verlorene EM-Finale bereits verflogen. Als die deutschen Handballer dann kurz vor Mitternacht in dicken Winterjacken in der verwaisten Silkeborger Innenstadt zum Team-Dinner eintrafen, hatte Andreas Wolff schon die erste Kampfansage an die Konkurrenz geschickt.

«Nächstes Jahr spielen wir bei uns zu Hause. Vielleicht haben wir da die ein oder andere vorteilhafte Situation auf unserer Seite und schlagen dann die Dänen im Finale», sagte der Torhüter mit Blick auf die Heim-WM 2027 und fügte an: «Vielleicht sind wir in zwei Jahren die Mannschaft, die es zu schlagen gilt.»

Gislason: Zu Dänemark fehlt nicht viel

Niemand klingt so, der einer EM-Niederlage lange nachtrauert. Stattdessen dient die Tatsache, dass die Auswahl von Bundestrainer Alfred Gislason die Partie gegen den nun amtierenden Olympiasieger, Weltmeister und Europameister 45 Minuten lang offen halten konnte, als Mutmacher für alles, was noch kommt.

«Zu Dänemark fehlt nicht viel», erklärte der Isländer. Und Torhüter David Späth meinte: «Ich hoffe, dass nächstes Jahr bei der Siegerehrung die Nationalhymne für uns gespielt wird.» Die Euphorie bei den Fans ist jetzt schon groß. Knapp 13 Millionen Menschen drückten der DHB-Auswahl beim Finale vor den TV-Bildschirmen die Daumen.

Als Mitfavorit in die Heim-WM

Mit Ausnahme der Weltmeisterschaft vor einem Jahr zeigt die sportliche Entwicklung des deutschen Teams deutlich nach oben: Platz vier bei der Heim-EM 2024, der sensationelle Silbergewinn bei den Olympischen Spielen wenige Monate später und nun die erste EM-Medaille seit zehn Jahren. Wenn der Trend anhält, könnte in einem Jahr der große Erfolg winken – ausgerechnet im Kölner Handball-Tempel.

«Wir sind heute enttäuscht, aber morgen wird der Hunger noch größer sein, die Dänen zu schlagen», kündigte Teammanager Benjamin Chatton an. Weltmeister-Trainer Heiner Brand hatte bei RTL/n-tv geschwärmt: «Es ist die talentierteste deutsche Mannschaft seit 50 Jahren – vergleichbar mit unserer Weltmeistermannschaft von 1978. Sie gehört zu den Mitfavoriten auf den WM-Titel.»

14 der 18 Spieler aus dem deutschen Silber-Kader sind jünger als 30 Jahre, die Dichte an Talenten mit riesigem Entwicklungspotenzial ist immens. Mit David Späth, Matthes Langhoff, Nils Lichtlein, Renars Uscins, Justus Fischer und Mathis Häseler gehörte ein Drittel des Silber-Kaders vor zweieinhalb Jahren noch zur U21-Auswahl, die den WM-Titel feierte. «Wenn man die Altersstruktur sieht, kann ein Großteil der Mannschaft noch zehn Jahre zusammenspielen. Diese Mannschaft hat die besten Perspektiven im Welthandball», befand Gislason. 

Gislason zeigt es seinen Kritikern

Der Isländer hat erneut bewiesen, dass er es seinen Kritikern gezeigt hat und eine Mannschaft aus talentierten Einzelspielern geformt hat. Die fehlende Unterstützung des Verbandes hat ihn während der EM nicht beeinflusst. Trotz des Drucks nach der Niederlage in der Vorrunde gegen Serbien blieb Gislason erstaunlich gelassen.

«Ich bin seit ’91 Trainer und habe vieles erlebt», antwortete Gislason. Ihn bringt nichts mehr aus der Fassung. Es wäre ein Wunder, wenn er seinen Vertrag bis nach der Heim-WM nicht erfüllen dürfte. «Er hat zwei Medaillen geholt. Ich weiß gar nicht, über was wir hier reden», hatte Routinier Rune Dahmke schon nach dem Halbfinale erklärt.

Gidsel: Deutsche Mannschaft unser größter Gegner

Gislason hat entscheidenden Anteil daran, dass Deutschland wieder eine große Nummer im Welthandball ist. Das bekommt auch die Konkurrenz mit. «Wie sie bei diesem Turnier gespielt haben, ist unfassbar. Das macht mir ein bisschen Angst», sagte Dänemarks Welthandballer Mathias Gidsel mit Blick auf die WM. «Weil sie dann den Heimvorteil haben. Jetzt ist die deutsche Mannschaft unser größter Gegner. Wir müssen akzeptieren, dass sie nah an uns dran sind.»

Dyn-Experte und Handball-Ikone Stefan Kretzschmar forderte, dass man die Dänen nicht «dämonisieren» dürfe. «Indem wir immer wieder von der besten Mannschaft der Welt und von der unschlagbaren Truppe reden und damit schon den ersten Schritt zur Niederlage vorprogrammieren», sagte Kretzschmar und nahm sich selbst von dieser Kritik nicht aus. 

Die Marschroute ändert sich also in Zukunft: Im Jahr 2027 streben die deutschen Handballer den WM-Titel an – um selbst zur besten Mannschaft der Welt zu werden.

dpa