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Halbfinale nach Krimi im Blick: Handballer schlagen Island

Deutschlands Handballer haben den wichtigen Sieg gegen Island geschafft. Es war ein schwerer Kampf. Mit einem einmal mehr überragenden Andi Wolff im Tor.

Deutschlands Juri Knorr (r) beim Siebenmeter gegen Islands Torwart Viktor Gisli Hallgrimsson (l).
Foto: Federico Gambarini/dpa

Die deutschen Handballer haben den Beginn der EM-Festtage in Köln mit einem knappen Sieg gegen Island eingeleitet und die Erwartungen an ein neues Wintermärchen geweckt.

Bei ihrem ersten Spiel in der Hauptrunde besiegte die deutsche Handballnationalmannschaft das Heimatland von Bundestrainer Alfred Gislason in einem hart umkämpften Spiel mit 26:24 (11:10) und feierte somit einen wichtigen Sieg auf dem Weg ins Halbfinale. Vor 19.750 Zuschauern in der ausverkauften Kölner Lanxess Arena war Juri Knorr mit sechs Treffern der beste Torschütze der deutschen Mannschaft.

Am Donnerstag hatte Olympiasieger Frankreich knapp mit 34:32 gegen Kroatien gewonnen und die Tabellenführung in der Gruppe I mit 4:0 Punkten übernommen. Wie der Rekord-Weltmeister ist auch Österreich weiterhin ungeschlagen. Die Österreicher haben gegen Ungarn mit 30:29 gewonnen und haben nun 3:1 Punkte.

Falsche Hymne abgespielt

Das für Gislason «besondere und emotionale Duell» hatte mit einer Panne begonnen. Aus den Lautsprechern ertönte zwar die isländische Hymne, allerdings aufgrund technischer Probleme verzerrt. Beim zweiten Versuch klappte es und auch Gislason sang mit. «Ich bin zwar Isländer, aber ich arbeite mit der deutschen Mannschaft und liebe dieses Team», hatte der 64-Jährige vor dem Anpfiff klargestellt.

Jedoch hatte seine Mannschaft anfangs Schwierigkeiten mit den beweglichen Rückraumspielern Islands und lag bis zur 13. Minute im Rückstand. Auch gegen den robusten ehemaligen Kieler Aron Palmarsson, der im Eins-gegen-Eins kaum zu verteidigen war, fand das DHB-Team zu Beginn keine Lösungen.

Wolffs Paraden als Lebensversicherung

Deutschland benötigte das heimische Publikum, Linksaußen Rune Dahmke forderte die Menge zu noch mehr Unterstützung auf. Die Tatsache, dass die deutsche Mannschaft zu diesem Zeitpunkt nicht noch deutlicher im Rückstand lag, war Torhüter Andi Wolff zu verdanken, der sein Team mit starken Paraden im Spiel hielt. In der 14. Minute ging die DHB-Auswahl erstmals in Führung (6:5) und brachte den Kölner Hexenkessel zum Überkochen.

Deutlich unkonzentrierter als Wolff agierten seine Vordermänner, die Mitte der ersten Halbzeit gleich vier Angriffe verschenkten. Vor allem EM-Neuling Martin Hanne zeigte sich bei seinen Abschlüssen aus dem Rückraum viel zu ungeduldig. «Es ist ein sehr unangenehmes Spiel, weil die Isländer eine sehr aggressive, offensive Abwehr spielen, die uns am Spielfluss hindert. Was natürlich fehlt, ist unser Tempospiel. Wir müssen mit noch mehr Risiko ins Tempospiel gehen», forderte DHB-Sportvorstand Axel Kromer zur Pause. 

Gislason verzweifelt an der Seitenlinie

Jedoch hatte seine Ansprache keine Auswirkungen. Im Gegenteil, Deutschland setzte nach dem Wiederanpfiff seine Leistung fort, wie es zuvor aufgehört hatte – mit starken Reflexen von Wolff und schwachen Würfen auf das gegnerische Tor. Gislason war verzweifelt an der Seitenlinie. Sein Gesichtsausdruck verbesserte sich erst, als Rechtsaußen Timo Kastening mit beeindruckenden Drehern das 16:14 erzielte.

Jedoch blieb das deutsche Spiel zu hektisch. 14 Minuten vor Ende konnte Island den Ausgleich zum 16:16 erzielen und ging kurz darauf sogar wieder in Führung. Unmittelbar zuvor hatte Spielmacher Knorr einen Siebenmeter verschossen. Die Schlussphase entwickelte sich endgültig zu einem spannenden Handball-Krimi. Wolff hielt kurz vor Schluss einen Siebenmeter beim Stand von 24:22. Und das Gleiche tat er kurz darauf beim Stand von 24:23. Trotz Unterzahl retteten die Deutschen letztendlich den Sieg.

dpa