Trainer Kovac soll Dortmund auf Kurs bringen. Das gelingt bisher nicht. Der BVB steckt nach dem 0:2 in Bochum tief in der Krise. Für eine Aktion seiner Spieler hat der Coach eine kuriose Erklärung.
«Horror-Saison» droht: Desolater BVB taumelt auch mit Kovac
Vor der Fankurve schlug den Dortmunder Spielern die blanke Wut entgegen. Trainer Niko Kovac blieb nach der Blamage dagegen betont ruhig – zumindest in der Öffentlichkeit. «Wir werden nicht die Nerven verlieren», beteuerte der 53-Jährige. Wie es in ihm aussieht, verriet er nicht. Die Krise beim BVB spitzt sich immer weiter zu. Das 0:2 im Ruhrgebiets-Duell beim VfL Bochum war der nächste Tiefpunkt einer bislang komplett verkorksten Bundesliga-Saison.
Der Wechsel des Trainers von Nuri Sahin zu Kovac hat keine Auswirkungen gezeigt. Der ehemalige Bayern-Trainer ist der erste BVB-Trainer seit Timo Konietzka vor 41 Jahren, der seine ersten beiden Bundesligaspiele verliert. Die mit Nationalspielern gespickte Startruppe bietet höchstens Mittelmaß. Der BVB ist nicht in der Lage, einen Abstiegskandidaten zu beherrschen. Im Gegenteil: Dortmund unterlag Bochum verdient.
Hamann: «Da ist Hopfen und Malz verloren»
«Die Dortmunder spielen wie eine Jugendmannschaft. Professionalität, Seriosität, Leidenschaft – nicht zu sehen», sagte der frühere Fußball-Nationalspieler Dietmar Hamann als Sky-Experte. «Da ist Hopfen und Malz verloren. Alles, was Grundvoraussetzung sein sollte, das zeigen sie nicht. Die brauchen keinen Trainer, die brauchen einen Zauberer.»
Nationalspieler Nico Schlotterbeck forderte: «Es ist egal, welcher Trainer draufsteht: Die Mannschaft muss von sich aus aus den Pötten kommen. Wir müssen Leistung bringen, wir müssen ganz, ganz schnell den Turnaround schaffen und jeder Einzelne muss sich vielleicht auch mal anschauen und bessere Leistung bringen und vielleicht nicht Ausreden woanders suchen.»
Defensiv fehlerhaft, offensiv harmlos
Die Dortmunder konnten erneut nicht gegen einen körperlich starken und hochmotivierten Gegner standhalten. Ein verheerender Fehler von Abwehrspieler Niklas Süle führte zum 0:2 und es fehlte deutlich an Kreativität im Spiel nach vorne.
Weder die Flügelflitzer Jamie Gittens und Karim Adeyemi noch das zentrale Mittelfeld mit Marcel Sabitzer, Pascal Groß und Julian Brandt brachten die gut sortierte Bochumer Defensive nachhaltig in Gefahr. Brandt, der laut Kovac vom Niveau in Reichweite von Florian Wirtz und Jamal Musiala liegt, ist seit Wochen im Formtief. Hamann bescheinigte ihm in Bochum eine «unterirdische» Leistung.
Der 28-Jährige sollte eigentlich einer der führenden Spieler von Dortmund sein, der auf und neben dem Platz führt. Dies gelingt ihm jedoch nicht.
Kovac: «Ich bin ja da. Das reicht ja»
Nach den obligatorischen TV-Interviews war kein einziger Spieler von Dortmund in der Interviewzone des Ruhrstadions zu sehen. Kovac hatte eine kuriose Erklärung dafür gefunden.
«Wir spielen wieder in vier Tagen», sagte er mit Blick auf das Rückspiel in den Playoffs der Champions League gegen Sporting Lissabon am Mittwoch (18.45 Uhr/DAZN). «Es ist klar, dass die Jungs Maßnahmen unternehmen, dass sie so schnell wie möglich regenerieren, die Nahrung zu sich nehmen, die sie brauchen, um wieder an Bord zu sein.» Kovac ergänzte auf der Pressekonferenz mit einem Lächeln: «Ich bin ja da. Das reicht ja.»
Die aktuellen Leistungen reichen derzeit nicht aus, um die Ziele des BVB zu erreichen. Nach fünf Niederlagen in den ersten sieben Bundesligaspielen des Jahres liegt Dortmund auf dem elften Platz – für den stolzen Revierclub, der gerne Bayern-Jäger sein möchte, ist dies eine sportliche Katastrophe. Der Rückstand auf einen Champions-League-Platz – das Minimalziel der Borussia – beträgt bereits acht Punkte. Eine kommende Saison ohne internationalen Wettbewerb wird immer wahrscheinlicher.
Schlotterbeck fordert die «Basics»
Es ist derzeit schwer vorstellbar, dass die Dortmunder die Spielzeit noch versöhnlich beenden werden. Die Defizite sind zu groß. «Die Basics im Fußball – Zweikämpfe annehmen, vor allem Zweikämpfe führen erst mal – das muss sich schleunigst ändern», forderte Schlotterbeck.
Der 25-Jährige ergänzte: «Und wenn wir das nicht hinbekommen, dann sind wir da, wo wir gerade stehen – auch zurecht. Wir müssen das schnell hinkriegen, weil sonst ist die Saison eine Horror-Saison. Aber ich hoffe, wir kriegen das noch hin und ich glaube auch fest dran.»