Die israelischen Synchronschwimmerinnen lächeln bei der WM in Doha, doch die Sorge um die Sicherheit ihrer Landsleute ist allgegenwärtig. Trotzdem zeigen sie kämpferisch ihre sportlichen Fähigkeiten und setzen sich für die Freilassung aller Geiseln ein.
Israelische Synchronschwimmerinnen: Lächeln trotz Sorge um Sicherheit

Im Synchronschwimmen ist das Lächeln ein fester Bestandteil des Sports. Die Athletinnen lächeln bei ihrer Vorstellung. Beim Verlassen des Beckens lächeln sie. Und auch wenn sie auf die Punkte für ihre Darbietungen warten, lächeln sie.
Auch die Synchronschwimmerinnen aus Israel lächeln bei der Weltmeisterschaft in Doha. Allerdings tun sie dies nicht so unbeschwert wie die meisten ihrer Konkurrentinnen. Der Konflikt im Nahen Osten und die Besorgnis um ihre Landsleute sind allgegenwärtig. Nach dem Angriff von Hamas-Terroristen auf Israel hatte das Synchron-Team bei Instagram offen über ihre Angst berichtet, nach Katar zu fliegen.
«Bis zum Ende wussten wir nicht, ob wir hierherkommen können. Am Ende hat unsere Regierung entschieden, dass es für uns sicher ist – auch mit der Regierung von Katar», sagt die israelische Synchronschwimmerin Ariel Nassee der Deutschen Presse-Agentur. Katar ist einer der wichtigsten Vermittler im Nahost-Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen. Das Emirat hat Berichten zufolge vor Kriegsausbruch über lange Jahre mit Kenntnis und Billigung Israels die Hamas finanziell unterstützt.
Politik ausblenden
Die Situation in der Heimat sei «natürlich eine Belastung für uns», sagt Nassee. Kämpferisch sagt die 20-Jährige aber auch: «Wir sind hierhergekommen und wollen alles zeigen, was wir können. Wir beschäftigen uns jetzt nicht mit Politik.» Wie schwierig das ist, zeigt allein ein Blick auf ihr Engagement und das ihrer Teamkolleginnen in den vergangenen Monaten.
Immer wieder machten die Athletinnen deutlich, wie sehr sie die Lage in Israel und in Gaza beschäftigt. Mit ihren sportlichen Fähigkeiten setzten sie sich für die von der Hamas entführten Menschen ein. Im Schwimmbecken formten sie mit ihren Körpern den Satz «Bring them home now!» («Bringt sie jetzt nach Hause!»). 100 Tage nach dem Angriff der Hamas-Terroristen zeigten die Synchronschwimmerinnen im Wasser eine große 100. «100 Tage in der Hölle», steht neben dem Bild, mit dem die Schwimmerinnen die Freilassung aller Geiseln forderten.
Gedanken an München 1972
Am 7. Oktober hatten Hamas-Terroristen das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels begangen. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt. Noch immer sind mehr als 100 von ihnen in der Gewalt der Hamas. Auch die Synchronschwimmerinnen hatten Angst, bei den Weltmeisterschaften Opfer eines Attentats oder einer Entführung zu werden. «Wir haben Angst, dass sich München 1972 wiederholt», schrieben sie im November. Damals waren während der Olympischen Spiele elf israelische Sportler und Trainer von Terroristen ermordet worden.
Palästinensische Extremisten drangen in München in die Unterkunft der israelischen Sportler im Olympischen Dorf ein. Sie töteten zwei Männer und nahmen neun Geiseln, die später auf dem Flugplatz in Fürstenfeldbruck starben.
Wie stark genau Gedanken an die eigene Sicherheit die Sportlerinnen bei ihren Wettkämpfen im Aspire Dome beschäftigen, weiß jede von ihnen nur selbst. Nassee sagt: «Wir fühlen uns sicher – so wie es eben geht.» Klar ist: Eine normale Wettkampfreise ist der Trip nach Doha für sie nicht – trotz allen Lächelns.








