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Deutscher Radprofi Politt auf dem Podium in Flandern

Nils Politt freut sich über seinen dritten Platz bei der Flandern-Rundfahrt und bereitet sich auf das Rennen in Roubaix vor, wo er auf Mathieu van der Poel trifft.

Der Erstplatzierte Mathieu van der Poel (M) aus den Niederlanden feiert auf dem Podium mit dem Zweitplatzierten Luca Mozzato (l) aus Italien und Nils Politt.
Foto: Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa

Nils Politt stieg völlig erschöpft in den Bus und warf seinen Radcomputer mit einer ordentlichen Ladung Frust auf den Sitz, als sein Teamchef bestens gelaunt auf ihn zukam. «Junge, du bist Dritter», rief ihm Mauro Gianetti zu. So beschrieb Politt den Moment, in dem er bei der schnellsten Flandern-Rundfahrt der Geschichte vom undankbaren vierten Platz aufs Podium rutschte. Der zunächst drittplatzierte Michael Matthews wurde von der Jury zurückversetzt, da er im Sprint die Fahrlinie verlassen hatte.

«Ich bin richtig glücklich damit. In Flandern auf dem Podium zu stehen, ist etwas sehr Besonderes. Das ist mein zweites Podium bei einem Monument nach Paris-Roubaix», sagte Politt in Oudenaarde. 2019 war der Kölner in der «Hölle des Nordens» auf Rang zwei gefahren. Am Sonntag soll es noch eine Stufe höher gehen. Roubaix ist der eigentliche Höhepunkt seiner Klassikersaison, die völlig verregnete Flandern-Rundfahrt war da sozusagen ein Training unter Extrembedingungen.

Schieben am Koppenberg

Um in Roubaix ganz oben zu stehen, muss Politt allerdings eine gewaltige Aufgabe lösen. Er muss das Ziel vor Mathieu van der Poel erreichen. Der Straßenrad-Weltmeister gewann Roubaix nicht nur im vergangenen Jahr überlegen, sondern zeigte schon bei «De Ronde» am Ostersonntag, dass er aktuell unantastbar ist.

Schon 45 Kilometer vor dem Ziel ließ der Niederländer die Konkurrenz am gefürchteten Koppenberg buchstäblich stehen. Der Anstieg mit 22 Prozent Steigung war aufgrund des Regens eigentlich unfahrbar geworden, aber van der Poel fand irgendwie eine Linie und zog davon. Fast alle Verfolger mussten auf dem rutschigen Kopfsteinpflaster absteigen und ihr Fahrrad schieben. Am Ende lag van der Poel über eine Minute vor seinen Verfolgern, von denen der Italiener Luca Mozzato den Sprint für sich entschied.

Das Wetter und die mit 44,5 Stundenkilometern noch nie so hohe Durchschnittsgeschwindigkeit zehrten allerdings auch an van der Poel. «Es ging heute nur ums Überleben. Es war durch das Wetter die härteste Ronde, die ich je gefahren bin», sagte der 29-Jährige. «Flandern im Weltmeister-Trikot zu gewinnen – da ist ein Traum wahr gewonnen. Ich bin völlig im Eimer.»

Regen und Rückenwind in Roubaix

Van der Poel gewann zum dritten Mal die Ronde und wurde damit Teil des exklusiven Kreises der Rekordsieger. Nur sechs andere Fahrer haben bisher ebenfalls drei Siege errungen. An diesem inoffiziellen belgischen Nationalfeiertag schaffte es Politt als erster Deutscher seit 15 Jahren wieder auf das Podium. Zuletzt gelang dies Heinrich Haussler im Jahr 2009 mit einem zweiten Platz, bevor er ein Jahr später die deutsche Staatsbürgerschaft aufgab, um für Australien zu starten.

Politt hat sich mit seiner beeindruckenden Leistung in Flandern verdient gemacht, am Sonntag neben van der Poel als Favorit zu gelten. Der Weg nach Roubaix ist komplett flach, was dem kraftvollen Schlaks aus dem Rheinland besser liegt als die flämischen Ardennen. Es deutet sich außerdem eine epische Ausgabe an. Im Norden Frankreichs soll es die ganze Woche regnen, als Trost schiebt den größten Teil der Strecke ein ordentlicher Rückenwind.

dpa