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Kahn äußert sich deutlich zur hitzigen Bundestrainer-Diskussion im Fußball

Oliver Kahn kritisiert die Diskussion um den Bundestrainer und sieht die wahren Probleme der Nationalmannschaft tiefer verankert. Verantwortungsbewusstsein und Druckresistenz der Spieler seien entscheidend für zukünftige Erfolge.

Ganz anderes Problem: Kahn drischt auf entfesselte Bundestrainer-Debatte ein
KI-generiert

Für Oliver Kahn ist es offensichtlich: Die Herausforderungen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sind nicht nur auf die Trainerposition beschränkt. Der ehemalige Welttorhüter betont, dass es zahlreiche andere Baustellen gibt.

Probleme gehen über die Trainer-Aussichten hinaus

Inmitten der anhaltenden Diskussionen über die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann haben Ex-Weltmeister Bastian Schweinsteiger und Kahn eine Debatte über die Verantwortung und Werte innerhalb der Mannschaft angestoßen. Kahn äußerte auf LinkedIn, dass die Diskussion um den nächsten Trainer nicht am Kern der Probleme vorbeiführt.

„Drei Bundestrainer sind am selben Punkt gescheitert: Joachim Löw, Hansi Flick und Julian Nagelsmann. Drei unterschiedliche Spielideen. Drei unterschiedliche Führungsstile. Derselbe Ausgang: Bei der WM 2018 und 2022 in der Gruppenphase, jetzt im Sechzehntelfinale gegen Paraguay. Wenn drei Trainer mit unterschiedlichen Ansätzen immer am selben Punkt scheitern, liegt die Ursache tiefer“, erklärte der 57-Jährige.

Fehlende Verantwortung der Spieler

Kahn führt aus, dass die Spieler selbst Verantwortung scheuen. Er nannte als Beispiel, dass Kapitän Joshua Kimmich im Elfmeterschießen gegen Paraguay nach Schützen suchte.

„Eine Spitzenmannschaft sucht in diesem Augenblick keine Freiwilligen. Sie hat Spieler, die den Ball verlangen“,

so Kahn, der weiter betont:

„Was dieser Mannschaft fehlt, ist die Selbstverständlichkeit, im größten Moment Verantwortung zu übernehmen.“

Für Kahn sollten bereits junge Spieler lernen, Verantwortung zu tragen.

„Die Fähigkeit, unter größtem Druck handlungsfähig zu bleiben, ist kein Zufall. Sie wird über Jahre entwickelt“,

schrieb er und ergänzte:

„Der entscheidende Moment beginnt nicht im Nationaltrikot. Er beginnt viele Jahre früher, in dem Augenblick, in dem ein junger Spieler lernt, dass Verantwortung nichts ist, was man weitergibt, sondern etwas, das man übernimmt.“

Bequemlichkeit im deutschen Fußball

Der frühere Bayern-Schlussmann kritisierte auch eine allgemeine Bequemlichkeit.

„Wir bewundern Spitzenleistung, wollen aber immer seltener den Preis akzeptieren, den sie verlangt. Wir wollen Weltklasse möglichst ohne maximalen Druck. Außergewöhnliche Ergebnisse möglichst ohne Verzicht. So entsteht aber keine Spitzenleistung“,

stellte Kahn fest. Er bemängelte, dass anstelle von Fragen nach den Gründen für die wiederholten Misserfolge, die Diskussion über die Absetzung von Trainern geführt werde.

„Wir tauschen Gesichter aus und nennen das Veränderung“,

so Kahn.

Schweinsteiger sieht Mängel in der Ausbildung

Ähnlich wie Kahn lenkte auch Schweinsteiger die Diskussion weg von den Trainern. Er erklärte, dass man bereits vor Jahren den Fehler gemacht habe, ausschließlich nach fußballerischen Lösungen zu suchen.

„Unsere Tugenden, für die wir im Ausland respektiert wurden, haben wir aufgegeben oder vernachlässigt“,

kritisierte der 41-Jährige und nannte Beispiele wie Robustheit, Identität und Kampf.

Schweinsteiger führte weiter aus, dass diese Schwächen in den Spielen gegen Ecuador, Paraguay und die Elfenbeinküste deutlich wurden.

„Alle meine Ex-Kollegen sagen zu mir, ihr habt die DNA verloren und Fußball spielen könnt ihr auch nicht mehr so gut. Deswegen seid ihr ausgeschieden“,

resümierte er und fügte hinzu:

„Wenn du dreimal so früh bei einer Weltmeisterschaft ausscheidest, ist das kein Zufall mehr.“

Ungewisse Zukunft bis zur EM 2028

Wie Kahn betonte auch Schweinsteiger, dass der Fokus von den Trainern weggeführt werden müsse. Wenn der Trainer die geforderten Tugenden einfordere, sie aber nicht von den Spielern kommen, sei er machtlos. Er äußerte Zweifel, dass sich bis zur Europameisterschaft 2028 etwas ändern wird.

„Aktuell habe ich keine große Hoffnung. Wir sind Mittelmaß. Das ist die Wahrheit, die nackte Wahrheit. Wir müssen alles analysieren und wieder aufbauen, und das kostet viel Kraft und viel Energie“,

sagte Schweinsteiger abschließend.


Quellen: n-tv

Bildquelle: depositphotos

TS