Thomas Müller geht nach Kanada. Der Rekordmann des FC Bayern wechselt in die Major League Soccer und spielt dort künftig gegen andere alternde Stars à la Messi.
Kanada-Abenteuer: Bayern-Ikone Müller künftig in Vancouver
Thomas Müller setzt seine Fußball-Karriere mit einem Abenteuer in Kanada fort. Nachdem sein Vertrag in München nicht verlängert wurde, entschied sich der 35-Jährige nach einiger Bedenkzeit für einen Wechsel in die nordamerikanische Major League Soccer (MLS). Die Vancouver Whitecaps sind Müllers neues Team – an der kanadischen Westküste hat er einen Vertrag bis Ende 2026 unterschrieben.
«Whitecaps – let’s make history», sagte Müller in einem Video, das er im Internet veröffentlichte. Dazu schrieb er: «Es ist vollbracht.» In einer Mitteilung des neuen Vereins sagte er: «Ich freue mich darauf, nach Vancouver zu kommen und diesem Team zu helfen, die Meisterschaft zu gewinnen.» Er habe viel Gutes über die Stadt gehört, komme in erster Linie aber, um Siege zu feiern.
«Thomas ist ein Weltklasse-Spieler – der ultimative Raumdeuter – bekannt für seine herausragende Chancenverwertung, sein unübertroffenes Raumverständnis und seine unermüdlichen Bewegungen ohne Ball», sagte der Whitecaps-Vorstandvorsitzende Axel Schuster in einer Mitteilung.
Müller sei «ein geborener Anführer, dessen Leidenschaft für das Spiel ansteckend ist. Dies ist eine bedeutende Verpflichtung unseres Vereins und unserer Eigentümer – ein transformativer Moment für unseren Verein und unsere Stadt.»
Von Bayern hinter die Rocky Mountains
Nach 25 Jahren beim FC Bayern möchte der Weltmeister von 2014 hinter den Rocky Mountains noch einmal etwas Neues erleben. In Übersee wird Müller künftig unter anderem gegen den Ex-Dortmunder Marco Reus spielen, der seine Karriere bei Los Angeles Galaxy ausklingen lässt. Beide Teams treten in der Western Conference der MLS an. Es sind auch mögliche Duelle mit Weltstar Lionel Messi, der mit Inter Miami in der Eastern Conference spielt.
Vancouver befindet sich in der Western Conference Tabelle in der oberen Hälfte – die Wahrscheinlichkeit, dass das Team an den Playoffs teilnimmt, ist hoch, da es von dem ehemaligen Bundesliga-Manager Axel Schuster (Schalke 04 und Mainz 05) zusammengestellt wurde.
Einen Wechsel nach Kanada, das 2026 gemeinsam mit Mexiko und den USA die WM ausrichtet, hatte Müller selbst zuletzt schon angedeutet. Zunächst bestätigte er, dass die Fußballer-Rente noch warten müsse. In einem Video kündigte er dann an, «übern großen Teich» zu gehen. In dem Clip sitzt Müller mit seinem Vater Gerhard und seinem Bruder Simon auf drei Klappstühlen an der Isar. «25 Jahre FCB. Schee war’s jeden Tag. Auch wenn es jetzt vorbei ist», sagt er.
«Es war eine unglaubliche Reise»
Nach fast 25 Jahren beim FC Bayern setzt sich also die von Rekorden und Titeln geprägte Karriere Müllers fort, obwohl eine Ära in München zu Ende ging. Müller war seit dem 1. Juli 2000 bei den Bayern – solch eine lange Zeit ist auf diesem Niveau eine Seltenheit. Die großen Erfolge machen Müller außerdem zu einem der erfolgreichsten deutschen Fußballer überhaupt.
«Es war eine unglaubliche Reise, geprägt von einzigartigen Erlebnissen, großartigen Begegnungen und unvergesslichen Triumphen», hatte der zweimalige Triple-Gewinner schon beim angekündigten Ende seiner Bayern-Zeit Anfang April erklärt. Zuletzt hielt er sich noch als Trainingsgast an der Säbener Straße fit.
Der Schritt nach Nordamerika bietet ihm die Chance, noch einmal etwas Neues kennenzulernen. Auch der von den Bayern-Fans als «Fußballgott» gefeierte Bastian Schweinsteiger beendete einst seine Karriere in der MLS bei Chicago Fire.
Wiedersehen mit alten Bekannten
Aktuell gehören zu den größeren Namen neben Messi (Miami) und Reus (Los Angeles Galaxy) auch Luis Suárez, Sergio Busquets und Jordi Alba (alle Inter Miami) sowie der ehemalige französische Nationaltorwart Hugo Lloris (Los Angeles FC).
In zahlreichen Spielen wird Müller auch auf Landsleute treffen. Der Berliner Hany Mukhtar zählt zu den Top-Spielern der Liga, war vor zwei Jahren Torschützenkönig für Nashville SC und wurde als wertvollster Profi der Major League Soccer ausgezeichnet. Timo Baumgartl und Marcel Hartel gehören zum großen deutschsprachigen Kontingent bei St. Louis City SC, zu dem auch der ehemalige BVB-Keeper Roman Bürki als Schweizer gehört. Verteidiger Kai Wagner ist eine feste Größe bei Philadelphia Union, während Erik Thommy seit drei Jahren für Sporting Kansas City spielt.
Rekorde, Rekorde, Rekorde
Müller hat bisher außer für den FC Bayern nur als Kind für den TSV Pähl gespielt. Seine Rekordzahlen sind lang. Der Offensivstar ist nicht nur eine Ikone des Vereins, sondern auch der Bundesliga. Müller ist der erste Spieler, der 350 Bundesliga-Siege feiern konnte.
Er ist der Rekordspieler des FC Bayern mit insgesamt 756 Pflichtspielen. Neben zwei Champions-League-Triumphen kann er auch auf 13 deutsche Meisterschaften und sechs Pokalsiege zurückblicken.
Müller soll über Karriere hinaus im Verein bleiben
Der FC Bayern hofft, dass sie auch nach dem Ende seiner Karriere auf den 131-maligen Nationalspieler zählen können. Viele Funktionäre und so gut wie alle Fans hoffen, dass Müller irgendwann wieder an die Säbener Straße zurückkehrt, am besten in einer leitenden Position im Profi-Management oder im Kernverein.
Die Störgeräusche um seine nicht verlängerte Bayern-Laufbahn hat Müller bereits hinter sich gelassen. «Zwischen mir und dem Club bleibt nichts Negatives hängen», hatte Müller erklärt. «Man muss sich nicht immer einig sein im Leben, um trotzdem voll auf einer Welle zu reiten. Wir haben gemeinsame Ziele und gemeinsame Interessen.»