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Kimmich vor dem Aus? Basler stellt seinen DFB-Stammplatz infrage

Joshua Kimmich galt im DFB-Team lange als praktisch unantastbar. Doch nach den ersten vier Länderspielen unter Jürgen Klopp stellt Mario Basler genau diesen Status infrage. Der Europameister sieht Deutschland ohne Kimmich schneller spielen – und mit Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof drängt bereits die nächste Generation ins Zentrum.

Foto: depositphotos

Kimmich ist plötzlich nicht mehr unantastbar

Joshua Kimmich gehört seit Jahren zu den wichtigsten Spielern der deutschen Nationalmannschaft. Kapitän, Führungsspieler, Taktgeber – unabhängig vom Bundestrainer war der Bayern-Star meist gesetzt. Doch unter Jürgen Klopp könnte sich diese Selbstverständlichkeit ändern. Zumindest wenn es nach Mario Basler geht.

Nach den ersten vier Länderspielen unter Klopp zieht Basler Bilanz und stellt ausgerechnet Kimmichs Stammplatz infrage. Besonders der Auftritt der deutschen Mannschaft ohne den Kapitän hat ihm gefallen. Deutschland habe schneller nach vorne gespielt, aggressiver gepresst und insgesamt dynamischer gewirkt.

Seine Konsequenz fällt deutlich aus: „Ich würde ihm keine Stammplatzkarte mehr geben.“

Eine bemerkenswerte Aussage über einen Spieler, der über Jahre zu den Fixpunkten der Nationalmannschaft gehörte. Basler äußerte seine Einschätzung in der aktuellen Ausgabe von „Basler Ballert“. Der Podcast selbst spielt dabei nur eine Nebenrolle – entscheidend ist die sportliche These dahinter: Ist die deutsche Nationalmannschaft möglicherweise besser, wenn nicht mehr alles über Kimmich läuft?

Basler sieht Deutschland ohne Kimmich schneller

Baslers Kritik richtet sich nicht grundsätzlich gegen Kimmichs fußballerische Fähigkeiten. Vielmehr stört ihn die Art und Weise, wie der 31-Jährige das deutsche Spiel prägt.

Kimmich fordert viele Bälle, bewegt sich über große Bereiche des Platzes und lässt sich häufig weit zurückfallen. Was nach Verantwortung und Einsatz klingt, ist für Basler inzwischen ein Problem.

„Wenn Kimmich halt spielt, ist das Spiel langsam von der deutschen Nationalmannschaft.“

Genau das habe sich beim Vergleich der unterschiedlichen DFB-Aufstellungen gezeigt. Ohne Kimmich sei der Ball schneller nach vorne gelaufen. Anstatt viele kurze Pässe neben oder hinter dem Ball zu spielen, habe die Mannschaft zielstrebiger den Weg Richtung gegnerisches Tor gesucht.

Für Fußballfans ist das eine spannende taktische Debatte. Kimmichs Qualitäten am Ball sind unbestritten. Doch die entscheidende Frage lautet nicht, wie häufig ein zentraler Mittelfeldspieler am Ball ist. Entscheidend ist, ob seine Aktionen das Spiel beschleunigen und Räume öffnen. Genau daran hat Basler Zweifel.

Pavlovic und Bischof werden zu echten Konkurrenten

Dass die Diskussion überhaupt entsteht, liegt auch an Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof. Die beiden jungen Mittelfeldspieler haben Basler in ihrer Kombination überzeugt.

Vor allem bei Pavlovic erkennt er eine interessante Entwicklung. In vorherigen Auftritten habe der Bayern-Profi teilweise versucht, ähnlich wie Kimmich überall auf dem Platz präsent zu sein. Er wollte viele Bälle haben, bewegte sich nach rechts und links, nach vorne und hinten.

Diesmal habe Pavlovic seine Rolle anders interpretiert. Er blieb stärker auf seiner Position, beteiligte sich am Pressing und versuchte, das Spiel schnell nach vorne zu verlagern.

Gemeinsam mit Bischof funktionierte das aus Baslers Sicht überraschend gut.

„Das hat mir gestern richtig, richtig gut gefallen, weil sie beide schnell nach vorne gespielt haben.“

Damit entsteht für Klopp eine echte Alternative im Zentrum. Kimmich konkurriert plötzlich nicht nur theoretisch mit anderen Spielern. Es gibt eine Kombination, die nach Baslers Einschätzung bereits gezeigt hat, dass Deutschland auch ohne ihn funktionieren kann.

Kimmichs Chipbälle werden zum Streitpunkt

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Kimmichs Spiel mit langen und halbhohen Bällen hinter die gegnerische Abwehr. Diese Chipbälle gehören seit Jahren zu seinem Repertoire. Doch Basler hält sie im DFB-Team zunehmend für berechenbar.

Gegen Griechenland habe sich gezeigt, wie einfach sich ein tief stehender Gegner darauf einstellen kann. Die Verteidiger hätten zahlreiche dieser Bälle abgefangen oder herausgeköpft.

Basler sieht dabei einen entscheidenden Unterschied zwischen Verein und Nationalmannschaft. Beim FC Bayern kennt Kimmich seine Mitspieler, ihre Laufwege und Bewegungsmuster aus dem täglichen Training. Dort könne diese Spielweise deshalb deutlich besser funktionieren.

In der Nationalmannschaft fehlen diese Automatismen.

Hinzu kommt, dass sich Gegner mittlerweile auf Kimmich eingestellt haben. „Mittlerweile kennt man ja auch das Spiel von Kimmich. Das kann man ja lesen“, sagt Basler.

Schneller Fußball statt endloser Ballkontrolle

Hinter der Kimmich-Debatte steckt deshalb eine viel größere taktische Frage. Wie soll Deutschland unter Klopp künftig Fußball spielen?

Baslers Antwort ist eindeutig: schnell.

Beim ersten Duell mit Griechenland habe Deutschland dem Gegner noch dabei geholfen, seine defensive Ordnung aufzubauen. Der Ball sei zu langsam durch die eigenen Reihen gelaufen. Dadurch hatten die Griechen genügend Zeit, sich mit vielen Spielern hinter dem Ball zu positionieren.

Im späteren Auftritt erkannte Basler ein anderes Muster. Nach Ballgewinnen ging es schneller nach vorne. Nach Ballverlusten attackierten mehrere deutsche Spieler sofort den Gegner. Genau diese Mischung aus Gegenpressing und vertikalem Fußball hält er für den richtigen Weg.

„Heute ist schneller Fußball“, sagt Basler und verweist auf die Spielweise der Spanier.

Klopp steht vor einer schwierigen Kimmich-Entscheidung

Für Jürgen Klopp entsteht daraus eine der ersten großen Personalfragen seiner Amtszeit.

Nach vier Spielen und einem außergewöhnlich großen Casting mit insgesamt 44 Spielern beginnt nun die Phase, in der Entscheidungen getroffen werden müssen. Basler hält Klopps Vorgehen bislang für richtig. Der Bundestrainer habe zahlreiche neue Spieler kennenlernen und unterschiedliche Konstellationen ausprobieren können.

Doch dauerhaft kann der Kader nicht diese Größe behalten.

Bereits bei den nächsten Nominierungen erwartet Basler eine deutliche Reduzierung. Schritt für Schritt müsse Klopp einen Kern von Spielern finden, mit denen er langfristig arbeiten möchte. Einige der getesteten Akteure dürften deshalb in den kommenden Monaten deutlich seltener beim DFB auftauchen.

Kimmich dürfte natürlich weiterhin zu diesem engeren Kreis gehören. Basler fordert im Transkript ausdrücklich nicht dessen komplettes Aus aus der Nationalmannschaft. Seine Aussage zielt auf etwas anderes: Der Stammplatz soll nicht mehr automatisch vergeben sein.

Und genau das macht die Diskussion so brisant.

Braucht Deutschland Kimmich überhaupt noch als Fixpunkt?

Über Jahre stellte sich die Frage bei Kimmich eher danach, wo er spielt. Rechtsverteidiger? Sechser? Achter? Nun stellt Basler eine viel grundsätzlichere Frage: Muss er überhaupt zwingend in der Startelf stehen?

Pavlovic und Bischof haben zumindest eine Alternative aufgezeigt. Sie sind jung, spielen direkter und könnten genau für den Fußball stehen, den Klopp langfristig etablieren möchte.

Das bedeutet noch lange nicht, dass Kimmich abgeschrieben ist. Seine Erfahrung und seine Qualitäten bleiben wertvoll. Doch Konkurrenzkampf bedeutet auch, dass Verdienste aus der Vergangenheit keine automatische Einsatzgarantie liefern.

Für Klopp könnte die entscheidende Frage deshalb lauten: Will er den neuen DFB-Fußball weiterhin um Kimmich herum aufbauen – oder setzt er auf ein Mittelfeld, das vielleicht weniger erfahren ist, dafür aber schneller und direkter agiert?

Baslers Antwort nach den jüngsten Eindrücken fällt deutlich aus.

Basler fordert echten Konkurrenzkampf beim DFB

Kimmichs Situation steht damit exemplarisch für Klopps gesamten Neustart. 44 Spieler bekamen die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Einige konnten überzeugen, andere benötigen noch Zeit und manche könnten schon bei den nächsten Lehrgängen nicht mehr dabei sein.

Wenn Klopp diesen Konkurrenzkampf wirklich ernst meint, darf er nach Baslers Logik auch vor den großen Namen nicht Halt machen.

Genau deshalb ist die Diskussion um Kimmich mehr als eine Einzelkritik. Sie berührt die Hierarchie der neuen Nationalmannschaft.

Der Kapitän ist weiterhin einer der erfahrensten Spieler im Kader. Aber Basler hat in den vergangenen Partien etwas gesehen, das für ihn schwerer wiegt als Status und Erfahrung: Deutschland spielte ohne Kimmich schneller.

Und wenn Pavlovic und Bischof diese Leistungen bestätigen, könnte sich vor den nächsten Länderspielen tatsächlich eine Frage stellen, die vor kurzer Zeit noch kaum jemand gestellt hätte:

Ist Joshua Kimmich unter Jürgen Klopp wirklich noch gesetzt?

TS