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Prozess um Kuss-Skandal: Gutachter entlastet Ex-Verbandspräsidenten

Rubiales beteuert Einvernehmlichkeit des Kusses, Gutachter stärkt Glaubwürdigkeit mit Lippenlese-Analyse.

Der Prozess sorgt in Spanien seit Tagen für sehr viel Medienrummel.
Foto: Eduardo Parra/EUROPA PRESS/dpa

In dem Prozess um den Kuss-Skandal im spanischen Fußball wurde Ex-Verbandspräsident Luis Rubiales von einem Lippenleser entlastet. Ein Video zeigt, dass der wegen sexueller Aggression angeklagte Mann Weltmeisterin Jennifer Hermoso bei der Siegerehrung nach dem Finaltriumph bei der WM 2023 in Australien um Erlaubnis für den Kuss gebeten hat. Dies bestätigte der Gutachter vor dem Staatsgerichtshof in Madrid. Hermoso hatte zuvor vor Gericht betont, dass der Kuss gegen ihren Willen erfolgt sei.

Dem Ex-Profi droht eine lange Haftstrafe

Rubiales wird beschuldigt, sexuelle Aggression und Nötigung begangen zu haben. Der 47-jährige Ex-Profi riskiert eine mehrjährige Haftstrafe. Drei weitere ehemalige Verbandsmitarbeiter sind ebenfalls wegen Nötigung angeklagt. Die mündliche Verhandlung soll spätestens bis zum 19. Februar abgeschlossen sein. Das Urteil wird jedoch erst nach einigen Tagen oder Wochen erwartet.

Nach dem Gutachter war der Hauptangeklagte an der Reihe. Rubiales beteuerte wie bei früheren Aussagen, der Kuss sei einvernehmlich gewesen. «Sie drückte mich fest, hob mich hoch. Ich fragte sie, ob ich ihr einen Kuss geben darf, und sie sagte „Okay“.» Er sei sich «völlig sicher, dass sie mir ihre Zustimmung gegeben hat».

Dieser Einschätzung verlieh die Aussage des Gutachters mehr Glaubwürdigkeit. Er habe ein Tiktok-Video von guter Qualität analysiert und erkannt, dass Rubiales zu Hermoso gesagt habe: «Darf ich dir ein Küsschen geben?» Er habe «keine Zweifel. Ich habe es mehrere Male gesehen und bin mir sicher», beteuerte der gehörlose und als Lippenleser ausgebildete Mann in der Gebärdensprache.

Der Gutachter David Murillo wurde zwar von der Verteidigung vorgeladen, er beteuerte jedoch auf Frage der Staatsanwaltschaft, er habe keine Beziehung zu Rubiales. Er arbeite regelmäßig mit der spanischen Polizei zusammen. Ein anderer Gutachter bestätigte, dass das Video echt sei und nicht manipuliert wurde.

Der Spießrutenlauf nach dem WM-Triumph

Hermoso hatte gleich am ersten Verhandlungstag berichtet, der unfreiwillige Kuss nach dem Finale der Frauen-WM 2023 in Sydney habe bei ihr «Ekel und Abscheu» ausgelöst und «einen der glücklichsten Tage meines Lebens überschattet». Die 34-Jährige hatte auch erzählt, sie sei in den Tagen nach der WM von Rubiales und damaligen Verbandsmitarbeitern unter Druck gesetzt worden, damit sie die Sache herunterspiele und Rubiales nicht beschuldige.

Rubiales: «Auch viele männliche Fußballer» geküsst

Der Hauptangeklagte sagte zu seiner Verteidigung vor Gericht unter anderem auch aus, er habe bei ähnlichen Situationen «auch viele männliche Fußballer mit Küssen bedeckt».

dpa