Sein erstes Rennen nach dem großen Gold-Triumph läuft für Märtens nicht wie geplant. Medaillenchancen hat er am Mittwoch trotzdem. Einer der größten Konkurrenten kommt aus dem eigenen Nationalteam.
Märtens «ganz entspannt»: Deutsches Duo hat Medaillenchancen
Im Wissen um die schon gewonnene Goldmedaille gab sich Lukas Märtens betont gelassen. «Mein Soll ist hier erfüllt, deswegen bin ich ganz entspannt», sagte der Weltmeister über 400 Meter Freistil in den Katakomben der WM-Schwimmhalle von Singapur.
Der 23-Jährige ist auch über die doppelte Distanz Podestkandidat. Märtens merkte jedoch rund 40 Stunden nach seinem Triumph, dass es trotz Titel-Boost nicht von selbst läuft. Das 800-Meter-Finale erreichte er nur als Siebter der Vorläufe. Sein Gold-Rennen vom Sonntag steckte ihm noch in den Knochen.
Märtens: «Was habe ich zu verlieren?»
«Ich habe mich nicht besonders gut gefühlt. Deswegen habe ich auch nicht mit einer super schnellen Zeit gerechnet», sagte Märtens, der nach 7:45,54 Minuten anschlug. «Ich wollte jetzt auch nicht All in gehen.» Er erklärte: «Ich bin die 800 erst einmal geschwommen diese Saison. Was habe ich zu verlieren?»
Tatsächlich hat Märtens sein größtes WM-Ziel bereits am ersten Tag erreicht. Über 400 Meter ist er nun Olympiasieger, Weltrekordhalter und Weltmeister. Sollte er in Singapur noch einen weiteren Titel gewinnen, wäre er der erste Deutsche seit Paul Biedermann 2009, der bei einer WM zwei Goldmedaillen im Becken holt. Dies ist möglich – unabhängig von einem nicht optimalen Vorlauf.
Schwarz: «Keiner wollte die Karten so richtig auf den Tisch legen»
«Es war so ein bisschen anschnuppern. Mal gucken, was die anderen so machen», analysierte der zweite deutsche Hoffnungsträger Sven Schwarz die Rennen. «Keiner wollte die Karten so richtig auf den Tisch legen.» Mit Blick auf Ahmed Jaouadi, der als Schnellster ins Finale am Mittwoch (13.02 Uhr MESZ) einzog, ergänzte er: «Außer der Tunesier im Vorlauf vor uns.»
Laut Schwarz kommen fünf, sechs Schwimmer für die Medaillen infrage. Dazu gehören er selbst als Weltjahresbester und Vorlauf-Dritter sowie Märtens, der in diesem Jahr die bisher zweitschnellste Zeit schwamm.
Schwarz geht seinen eigenen Weg
Märtens‘ Titel gleich am ersten Tag der Beckenwettbewerbe habe dem Team «extrem viel Rückenwind» gegeben, sagte Schwarz. Der 23-Jährige ist der nächste stark aufstrebende deutsche Langstreckenschwimmer und hat wie Märtens, Florian Wellbrock und Oliver Klemet das Zeug zum Weltmeister.
«Es pusht einen und motiviert einen, dass die Konkurrenz im eigenen Land so stark ist auf den Strecken. Das wünscht man sich auf mehr Strecken», sagte Märtens jüngst. «Das treibt uns zu noch besseren Leistungen.»
Im Gegensatz zum derzeit besten deutschen Beckenschwimmer, Wellbrock und Klemet gehört Schwarz nicht zur Magdeburger Trainingsgruppe von Bundestrainer Bernd Berkhahn. «Wir sind natürlich befreundet, aber es ist dennoch eine bestimmte Konkurrenz da», erklärte er vor der WM.
Seit Jahren kooperiert er mit Coach Emil Guliyev und trainiert in Hannover. «Er hat eine andere Philosophie als Bernd», bemerkte Schwarz. «Es zeigt, es gibt nicht nur einen Weg.» Eins ist jedoch für ihn und Märtens vor dem großen Showdown an diesem Mittwoch gleich: «Jetzt gilt es erstmal, alles aufzuladen», sagte Schwarz.