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Erst mal kein «Quälix»: Magath bittet Profis zum Training

Bei seiner ersten Trainingseinheit bei Hertha BSC schaut sich der neue Trainer Felix Magath alles erst mal in Ruhe an. Zug ist im Training trotzdem drin – durch Kommandos mit schottischem Einschlag.

Herthas neuer Cheftrainer Felix Magath (l) und Offensivtrainer Vedad Ibisevic (r) stehen während des Trainings auf dem Schenckendorffplatz.
Foto: Andreas Gora/dpa

Seinem Ruf als «Quälix» ist Felix Magath bei seiner ersten Trainingseinheit bei Hertha BSC nicht gerecht geworden. Knallharte Konditionsarbeit gab es zunächst nicht, dafür aber Trainingsspiele um einen ersten direkten Eindruck von den Profis zu kriegen.

Bei frühlingshaftem Wetter suchte der 68-Jährige nur selten den direkten Kontakt zu seinen Spielern und beobachtete eher. Einem Bericht der «Bild»-Zeitung nach hatte Magath die Mannschaft zuvor beim Frühstück kennengelernt.

Magath macht sich ein Bild von der Mannschaft

Im Anschluss an das Training ließ der Trainer über die Internetseite der Hertha ausrichten: «Wir werden auch die nächsten Einheiten nutzen, möglichst viele Eindrücke zu sammeln, um an den richtigen Stellen anzusetzen.» Man darf davon ausgehen, dass Magath genau schauen wird, wem er die Mission Klassenerhalt zutraut und wem nicht. Am Mittwoch soll gleich zwei Mal trainiert werden. «Alle waren wach und engagiert, haben gut mitgezogen», sagte der 68-Jährige. Auch für seinen Vorgänger Tayfun Korkut fand er ein Lob: «Ich habe hier eine fitte Mannschaft vorgefunden.»

Ein paar Minuten nach seiner Mannschaft hatte der neue Trainer des akut abstiegsgefährdeten Fußball-Bundesligisten den Platz betreten. Die Einheit begann mit rund 30 Minuten Verspätung und war nach knapp 90 Minuten beendet. Magath nahm sich noch Zeit für ein Selfie mit einem Fan und schritt von dannen.

Mit der Ernennung von Magath hatten Hertha und Geschäftsführer Fredi Bobic am Sonntag für eine faustdicke Überraschung gesorgt, sich aber auch viel Häme eingehandelt. Zuletzt hatte der 68-Jährige 2012 als Bundesliga-Trainer gearbeitet.

TSG Hoffenheim der kommende Gegner

Sportlich muss die Hertha besser heute als morgen wieder in die Spur kommen. Unter Magaths glücklosem Vorgänger Tayfun Korkut gewann der Hauptstadtclub in diesem Jahr noch kein Spiel und rutschte auf den 17. Tabellenplatz ab. Es heißt mal wieder Abstiegskampf im Westend. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) kommt der Tabellensechste von der TSG Hoffenheim ins Olympiastadion.

Im Vergleich zu seinem Chef trat Magaths schottischer Assistent Mark Fotheringham am Dienstag sehr lautstark auf. Er leitete die Einheit überwiegend. Bei einer Übung zum präzisen Pass- und Bewegungsspiel gab er immer wieder Kommandos, machte selbst mit und feuerte die Spieler, die er alle bereits mit Namen ansprach, in Deutsch mit leicht schottischem Einschlag an. «Lass die Handbremse weg» und «spiel einfach» rief der 38-Jährige, der bereits beim Karlsruher SC und dem FC Ingolstadt als Co-Trainer tätig war, den Profis unter anderem bei einem Trainingsspiel elf gegen elf zu.

Bei den Berlinern stand fast der ganze Kader zur Verfügung. Stevan Jovetic und Niklas Stark trainierten aufgrund von muskulären Problemen individuell. Aus dem gleichen Grund trat Kevin-Prince Boateng etwas kürzer.

Acht Spieltage um den Abstieg abzuwenden

Einem Bericht von «Bild» zufolge arbeiten die Berliner an einer Verpflichtung von Athletiktrainer Werner Leuthard, den Magath kennt und der bereits früher für die Hertha tätig war. So oder so, mögliche konditionelle Defizite dürfte Magath in den kommenden Wochen angehen, insbesondere in der Länderspielpause. Möglicherweise kommt dann auch der Sprinthügel zum Einsatz, den es am Trainingsplatz der Hertha schon gibt.

Der 68-Jährige hatte sich am Montag noch gewünscht, dass die ganze Stadt die Hertha beim Kampf gegen den Abstieg unterstützen müsse. «Falls irgendwo im Bereich ums Olympiastadion unsere Aufzüge nicht gehen: Das wollte der neue Hertha-Trainer so», schrieben die Berliner Verkehrsbetriebe dazu bei Twitter.

dpa