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Weitsprung-Star Mihambo glückt Start aus «kalter Hose»

Nach einer Corona-Infektion springt Malaika Mihambo bei der EM im Vorkampf weiter als bei ihrem Titelgewinn vor vier Jahren. Für die deutsche Leichtathletik gibt sie eine optimistische Prognose ab.

Souverän: Olympiasiegerin Malaika Mihambo ist in München auf Goldkurs im Weitsprung.
Foto: Sven Hoppe/dpa

Malaika Mihambo winkte glücklich den jubelnden Fans zu. Nach schwierigen Tagen wegen einer Corona-Infektion nahm die Olympiasiegerin im Münchner Olympiastadion mit einem starken Vorkampfauftritt Kurs auf den angestrebten EM-Titel.

Mit 6,99 Metern gewann die 28-Jährige die Weitsprung-Qualifikation. Sie sprang damit deutlich weiter als bei ihrem EM-Gold in Berlin vor vier Jahren, als sie nach 6,75 Metern in der Sandgrube landete. «Ich fühle mich ganz gut. 6,99 Meter sprechen ja auch irgendwo für sich», sagte Mihambo am Stadion-Mikrofon und sorgte für erneuten Jubel der vielen Fans mit Deutschland-Fahnen.

Corona-Infektion machte Mihambo zu schaffen

Nach ihrer erfolgreichen WM-Titelverteidigung vor gut drei Wochen in den USA musste Deutschlands Leichtathletik-Star schwierige Tage durchstehen. Eine Corona-Infektion machte ihr gesundheitlich zu schaffen, zwang sie in München zum EM-Start «aus der kalten Hose», wie sie es locker formulierte. Begleitet war der Countdown auf die European Championships von reichlich Zweifeln um die körperliche Verfassung, die auch an der mental so starken Mihambo nicht spurlos vorbeigingen.

«Heute und die letzten Tage habe ich das aber schon nicht mehr an mich rangelassen, weil das ja auch etwas ist, was man nicht ändern kann», sagte sie bester Laune in den Katakomben der traditionsreichen Hauptsportstätte der Olympischen Spiele 1972. Dort gab es auch eine herzliche Umarmung von Teamkollegin Hanna Klein, die sich als Dritte über 1500 Meter sicher für das Finale qualifizierte.

Mihambos Stimmung ist trotz der holprigen Vorbereitung bestens. Und anders als etwa in Eugene, als nur sie und die Sprintstaffel der Frauen Medaillen gewannen, soll in München nicht nur «das Gesicht der Leichtathletik» (Präsident Jürgen Kessing) im Fokus stehen.

Mihambo: «Deutsche Leichtathletik ist nicht tot»

«Bei den Europameisterschaften merkt man, die deutsche Leichtathletik ist nicht tot. Aber sie braucht vielleicht noch ein bisschen was, um in die absolute Weltspitze vorzudringen», sagte Mihambo. «Wir haben schon sehr viele Medaillen geholt, mit ein bisschen Glück sogar noch mehr. Ich freue mich für das Team, dass es besser läuft als in Eugene.» Am Dienstag freute sich der Verband über Silber von Geher Christopher Linke über 35 Kilometer.

Ein Faktor sollen die Fans sein, die dem deutschen Weitsprung-Quartett in der Qualifikation zwei Tage vor der Medaillenentscheidung an diesem Donnerstag zujubelten. «Die Atmosphäre spürt man auf jeden Fall. Es war eine super tolle Stimmung», schwärmte Mihambo. Außer ihr schaffte es Merle Homeier (Göttingen) als Zwölfte mit 6,49 Metern in den Endkampf. Für Mikaelle Assani (Karlsruhe) und Maryse Luzolo (Königstein) reichte es nicht.

Zweitbeste in der Qualifikation war die Ukrainerin Maryna Bech-Romantschuk mit 6,87 Metern. Zu der Frau des bei der Schwimm-EM in Rom derzeit startenden Mychajlo Romantschuk hält Mihambo auch in den für die Ukrainer besonderes schwierigen Zeiten Kontakt. «Ich habe mich zu Beginn dieses Angriffskrieges durch Russland bei ihr erkundigt, wie es ihr und ihrer Familie geht, ob sie in Sicherheit ist, ob ich was für sie tun kann», hatte Mihambo in einem dpa-Interview gesagt. «Bei den Wettkämpfen haben wir auch über ihr Leben in Zeiten des Krieges gesprochen. Ich bin mit ihr über das Sportliche hinaus auch in dieser Zeit verbunden.»

dpa