Darf sich ein traditionsreicher Fußballklub im Ringen um internationale Wettbewerbsfähigkeit bis an die äußerste statutarische Grenze wirtschaftlichen Investoren öffnen? Genau dieses Spannungsfeld prägt die Richtungsentscheidung an der Säbener Straße: Jahrelang diskutierten Mitglieder und Anhänger über das Ausmaß externer Beteiligungen, nun hat das Management Tatsachen geschaffen.
München: Neuer Gesellschafter Viessmann steigt bei Fußball-AG des FC Bayern ein

Darf sich ein traditionsreicher Fußballklub im Ringen um internationale Wettbewerbsfähigkeit bis an die äußerste statutarische Grenze wirtschaftlichen Investoren öffnen? Genau dieses Spannungsfeld prägt die Richtungsentscheidung an der Säbener Straße: Jahrelang diskutierten Mitglieder und Anhänger über das Ausmaß externer Beteiligungen, nun hat das Management Tatsachen geschaffen. Die FC Bayern München AG veräußert ihre allerletzte freie Anteilstranche und schöpft damit das satzungsmäßige Limit für externe Gesellschafter vollständig aus, was im Umfeld nicht nur Zustimmung, sondern auch Erinnerungen an hitzige vereinspolitische Auseinandersetzungen weckt.
Präsidium und Management setzen auf frisches Eigenkapital
Die Vereinsführung verteidigt den Schritt mit den wachsenden finanziellen Herausforderungen der Branche. Klubpräsident Herbert Hainer betonte, dass der Einstieg des neuen Anteilseigners das Fundament der Fußballgesellschaft entscheidend stärkt:
Die Vereinbarung stärkt die Eigentümerstruktur der FC Bayern München AG nachhaltig und verschafft dem Klub durch die deutlich ausgeweitete Eigenkapitalbasis zusätzliche Handlungsspielräume in einer Phase permanenter Veränderungen im internationalen Fußballmarkt.
Auf Investorenseite bekräftigte Vorstandschef Max Viessmann die langfristige Motivation seines Münchner Familienunternehmens. Der Verein verbinde internationale Spitzenleistungen mit klaren Werten und agiere mit ausgeprägter gesellschaftlicher Verantwortung. Ziel der Viessmann Generations Group sei es, einen messbaren und substanziellen Beitrag zur künftigen Stärke des Traditionsvereins zu leisten.
Verschiebungen im Gesellschafterkreis und finanzielle Eckdaten
Die Transaktion vollzieht sich nicht durch eine einfache Abtretung von Altaktien, sondern über eine gesellschaftsrechtliche Kapitalerhöhung, die an einem Donnerstag öffentlich verkündet wurde. Dies bringt konkrete Veränderungen für alle bisherigen Anteilseigner mit sich:
- Viessmann Generations Group: Übernimmt das ursprünglich auf 5 Prozent bezifferte Paket, hält aber durch die neu geschaffenen Anteile rechnerisch knapp 6,7 Prozent.
- Adidas, Audi und Allianz: Die Beteiligungsquoten der drei bisherigen Partner sinken durch Verwässerung von jeweils 8,33 Prozent auf etwas unter 7,8 Prozent.
- Gesamte Investorenquote: Die vier Minderheitsaktionäre kontrollieren künftig zusammengenommen exakt 30 Prozent der Anteile.
- Finanzvolumen: Medienberichten zufolge soll der Anteilsverkauf einen Erlös von rund 250 Millionen Euro in die Kassen des Klubs spülen; offizielle Bestätigungen zur genauen Summe blieben die Vertragsparteien schuldig.
Vereinsstatuten sichern dauerhafte Kontrolle der Mitglieder
Als regulatorische Schlichtung des dauerhaften Konflikts um Kommerzialisierung dient die feste Satzungsgrenze des FC Bayern München e.V.: Der eingetragene Stammverein muss laut Statuten stets eine absolute Mehrheit von mindestens 70 Prozent an der Fußball-Aktiengesellschaft halten. Eine frühere Initiative auf der Jahreshauptversammlung im Jahr 2021, die eine Sperrminorität von 75 Prozent festschreiben wollte, hatte unter den Stimmberechtigten keine Mehrheit gefunden. Dadurch war der Weg für das Präsidium frei, ohne erneute Konsultation der Basis zu verhandeln.
Neben dem Kapitalfluss vertieft sich auch die personelle Zusammenarbeit. Beide Seiten arbeiten bereits seit 2018 im Rahmen einer Partnerschaft zusammen. Nun soll Max Viessmann, der bereits im Verwaltungsbeirat sitzt, zusätzlich in den Aufsichtsrat der AG einziehen. Zu diesem Zweck wird das Kontrollgremium von derzeit neun auf künftig zehn Personen erweitert. Damit ist die gesellschaftsrechtliche Struktur des Rekordmeisters für die kommenden Jahre endgültig zementiert.
Quellen: Focus, Handelsblatt
Bildquelle: Red Nguyen auf Pexels
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