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Zverev verpasst Finale der Australian Open

Alexander Zverev sieht im Melbourne-Halbfinale schon wie der sichere Sieger aus. Doch dann versagen ihm die Nerven. Stattdessen steht sein Erzrivale im Finale der Australian Open.

Alexander Zverev entschied die ersten zwei Sätze für sich - verlor dann aber dennoch noch das Halbfinale.
Foto: James Ross/AAP/dpa

Alexander Zverev hat knapp den Einzug ins Finale der Australian Open verpasst, nachdem er eine seiner bittersten Niederlagen seiner Karriere erlitten hat. Der Tennis-Olympiasieger wurde im Halbfinale in Melbourne von seinem Erzrivalen Daniil Medwedew aus Russland mit 7:5, 6:3, 6:7 (4:7), 6:7 (5:7), 3:6 besiegt und gab dabei einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand. Medwedew nutzte nach 4:18 Stunden seinen ersten Matchball und zerstörte damit Zverevs Hoffnung auf den ersten Grand-Slam-Titel.

Im Finale trifft Medwedew am Sonntag auf den Italiener Jannik Sinner, der den Titelverteidiger Novak Djokovic überraschend mit 6:1, 6:2, 6:7 (6:8), 6:3 besiegt hat. Sinner beendet damit die Siegesserie des Serben in Melbourne. Es war die erste Niederlage des Weltranglisten-Ersten am Yarra River nach 2195 Tagen.

Zverev verliert nach 2:0-Satzführung noch das Match

Zuletzt musste Djokovic sich 2018 im Achtelfinale dem Südkoreaner Chung Hyeon geschlagen geben. Seitdem hat er in Melbourne 33 Spiele in Folge gewonnen und in den Jahren 2019, 2020, 2021 und 2023 vier seiner zehn Titel in Melbourne gewonnen. 2022 konnte er aufgrund seiner fehlenden Coronavirus-Impfung nicht teilnehmen. Das Finale der Australian Open zwischen Medwedew und Sinner ist das erste seit 2005, an dem weder Djokovic, Rafael Nadal noch Roger Federer teilnehmen.

Bis jetzt hat Zverev einmal in einem Grand-Slam-Finale gestanden. Im Jahr 2020 führte er im Endspiel der US Open gegen den Österreicher Dominic Thiem bereits mit 2:0-Sätzen, verlor dann jedoch noch das Spiel. Der 26-Jährige wäre der dritte Deutsche im Herren-Finale der Australian Open gewesen. Im Jahr 1991 und 1996 stand Boris Becker im Endspiel von Melbourne und gewann beide Male. Im Jahr 2003 schaffte es überraschend Rainer Schüttler bis ins Finale, musste sich dort jedoch dem Amerikaner Andre Agassi deutlich in drei Sätzen geschlagen geben.

Zverev hatte während der gesamten Zeit die Kontrolle über Medwedew. Allerdings ließen ihn in den Tiebreaks jedes Mal die Nerven im Stich. Mit gesenktem Kopf verließ Zverev die Rod Laver Arena, in der er am Sonntag gerne um den Titel gespielt hätte.

Zverev startet stark – Medwedew holt sich die Tiebreaks

«Ich bin erst im Halbfinale, habe das Turnier noch nicht gewonnen», hatte Zverev vor der Partie gegen Medwedew gesagt. Und genau mit dieser Einstellung ging der gebürtige Hamburger auch in die Begegnung. Wie gegen Alcaraz startete Zverev stark und nahm Medwedew gleich zweimal den Aufschlag ab. Allerdings half der Russe mit insgesamt vier Doppelfehlern auch fleißig mit.

Zverev zog auf 4:1 vor, verlor dann jedoch etwas an Schwung. Dadurch konnte Medwedew die beiden Breaks wieder wettmachen. Doch Zverev hielt stand, spielte am Ende des ersten Satzes zwei erstklassige Stoppbälle am Netz und sicherte sich nach 58 Minuten den ersten Satz. Zverev legte den Finger ans Ohr und motivierte die Zuschauer zu lauten Jubelrufen.

Im vergangenen Jahr hatte Zverev fünf von sechs Duellen mit Medwedew verloren. Doch Zverev wollte dem keine große Bedeutung beimessen. «Er war letztes Jahr in Bestform, ich kam zurück aus einer Verletzung, mein Selbstvertrauen war nicht da», sagte Zverev. «Und dann lässt man sich durch vieles rausbringen. Das hat er letztes Jahr gut genutzt. Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr ein anderer Spieler bin.»

Und tatsächlich blieb Zverev dieses Mal ruhig und konzentriert. Medwedew wirkte jedoch auch seltsam emotionslos und versuchte nicht, mit irgendwelchen psychologischen Spielchen den Rhythmus des Deutschen zu stören. Da Zverev auch die sehr langen Ballwechsel, die eigentlich eine Spezialität von Medwedew sind, meist gewann, blieb der 26-Jährige auf Kurs zum Finale. Beim Stand von 3:2 nahm er dem Weltranglisten-Dritten den Aufschlag ab und nach 1:43 Stunden sicherte sich Zverev den zweiten Satz.

Sinner das erste Mal in einem Grand-Slam-Finale

Im dritten Satz verbesserte sich Medwedew. Der Sieger der US Open 2021 schlug nun besser auf und nutzte eine Schwächephase von Zverev im Tiebreak, um den dritten Satz zu gewinnen. Auch im vierten Satz hatte Medwedew leichte Vorteile. Wieder musste die Entscheidung im Tiebreak fallen, wo Zverev bereits mit 5:4 führte, den Vorsprung jedoch nicht halten konnte. Im entscheidenden Satz machte Zverev dann zu viele Fehler und erlitt das entscheidende Break zum 2:3.

Sinner hatte zuvor gegen Djokovic eine ganz starke Leistung gezeigt und völlig verdient das erste Grand-Slam-Finale seiner Karriere erreicht. Djokovic war danach völlig bedient. «Das war eines meiner schlechtesten Grand-Slam-Matches, die ich je gespielt habe. Ich war schockiert von meinem Level, das ich gespielt habe», sagte Djokovic frustriert. «Um ehrlich zu sein, habe ich das ganze Turnier nicht gut gespielt. Jannik hat mich heute komplett dominiert und völlig verdient gewonnen.»

Der Italiener, bislang der dominanteste Spieler im Turnier, war einfach nur stolz. «Im Finale zu stehen, ist großartig. Ich werde mit einem Lächeln auf den Platz gehen», sagte der Davis-Cup-Champion des vergangenen Jahres.

dpa