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Nächste Eskalationsstufe: Ter Stegen nicht mehr Kapitän

Erst das Disziplinarverfahren, nun die Absetzung als Mannschaftskapitän: Der Bruch zwischen Marc-André ter Stegen und dem FC Barcelona wird immer deutlicher.

Marc-André ter Stegen ist als Mannschaftskapitän beim FC Barcelona abgesetzt worden.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Das Wiedersehen zwischen Marc-André ter Stegen und dem Trainingsgelände Ciutat Esportiva Joan Gamper in Barcelona dürfte nicht allzu herzlich verlaufen sein. Die Kommunikation mit dem derzeit verletzten deutschen Fußball-Nationaltorhüter läuft längst über Anwälte, und am Donnerstag wurde schließlich die nächste Eskalationsstufe im katalanischen Sommer-Zoff erreicht. Wie der Club mitteilte, wurde Ter Stegen als Barça-Kapitän abgesetzt.

https://x.com/FCBarcelona/status/1953441811449757998

Erst am Dienstag hatte der spanische Meister ein Disziplinarverfahren gegen den früheren Gladbacher Keeper eingeleitet. Hintergrund ist die verweigerte Einverständniserklärung von ter Stegen, dass der Club den ärztlichen Bericht nach seiner Operation an die Liga weiterleiten darf. Damit hat der Schlussmann den finanziell weiter schwer angeschlagenen Club in die Bredouille gebracht. Die Registrierung neuer Spieler ist kurz vor Beginn der neuen Saison nur noch sehr schwer möglich.

Keine Zukunft trotz Vertrag bis 2028

Es ist schwer vorstellbar, dass ter Stegen überhaupt noch einmal das Barça-Trikot tragen wird, angesichts des Streits. Sein Vertrag läuft jedoch noch bis 2028. Der frühere Gladbacher schien einst der perfekte Torhüter für die Katalanen zu sein. Seit seiner Ankunft vor elf Jahren wurde er aufgrund seiner fußballerischen Fähigkeiten sogar von Stars wie Lionel Messi hochgelobt. Der Erfolg kam auch schnell: 2015 hielt ter Stegen bereits den Champions-League-Pokal in den Händen.

Ter Stegen hat aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit seinen Status verloren und in der vergangenen Saison viele Spiele verpasst. Deshalb plant der Club mit Joan García von Espanyol Barcelona und Wojciech Szczesny. Ein Sommerabgang schien sicher zu sein, da namhafte Clubs Interesse zeigten. Doch durch die erneute Rücken-Operation ist dies alles hinfällig.

Streit um Länge der Ausfallzeit

Jedoch war das noch nicht alles: ter Stegen hat seinen Verein mit einem Social-Media-Post verärgert, als er selbst von einer Ausfallzeit von nicht mehr als drei Monaten gesprochen hatte. Der Verein geht von einer Ausfallzeit von vier Monaten oder länger aus. In diesem Fall könnte Barça gemäß den in Spanien geltenden finanziellen Fairplay-Regeln 80 Prozent des Gehalts des verletzten Spielers nutzen, um einen neuen Spieler registrieren zu lassen. Interessanterweise handelt es sich dabei um García, und auch Szczesny soll noch keine Spielberechtigung haben.

Bereits in der letzten Saison hatte Barcelona Schwierigkeiten, die Registrierung des ehemaligen Leipzigers Dani Olmo zu bewerkstelligen. Nun steht erneut eine Verzögerung bevor. Und die Zeit drängt: Am 16. August beginnt Barça die Saison bereits gegen RCD Mallorca.

Araujo übernimmt Kapitänsamt

In der Mannschaft soll ter Stegen noch großen Rückhalt haben. Einer möglichen Abstimmung kam der Club nun zuvor. Zum Nachfolger ter Stegens wurde Ronald Araujo ernannt. Barça habe laut des Nachrichtenportals 3Cat und der Zeitung «Sport» den deutschen Trainer Hansi Flick beauftragt, diese «drastische Entscheidung» dem Keeper mitzuteilen. 

Quellen des Vereins bestätigten der Fachzeitung «Mundo Deportivo», dass die Frage der Kapitänsbinde kurzfristig geklärt werden musste, da das traditionelle jährliche Freundschaftsspiel um die Trophäe Joan Gamper am 10. August stattfindet. Dabei spricht unter anderem auch der Mannschaftskapitän zu den Fans, um sie für die neue Spielzeit zu mobilisieren. Der Club sei der Ansicht, dass nicht gerade ein Spieler, gegen den ein Disziplinarverfahren läuft, diese Rede halten sollte, schrieb die Zeitung.

Ein Ende der Posse um ter Stegen ist nicht absehbar. Auch für den Torhüter steht viel auf dem Spiel. Bei Bundestrainer Julian Nagelsmann ist er eigentlich als Nummer eins für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko vorgesehen, nachdem er sich jahrelang hinter Manuel Neuer einreihen musste. Daher könnte im Winter erneut ein möglicher Transfer zur Debatte stehen – vielleicht die beste Lösung für beide Seiten.

dpa