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Privat-Uni und «Königsbett» als Nagelsmanns WM-Quartier

Das DFB-Team wohnt bei der WM in einem historischen Anwesen in North Carolina. Trainieren wird die Mannschaft an einer Privat-Uni. Bundestrainer Nagelsmann findet die gewünschten Bedingungen.

Die Fußball-Nationalmannschaft wohnt während der WM in Winston-Salem, North Carolina. (Archivbild)
Foto: Koen Van Weel/ANP/dpa

Julian Nagelsmann sitzt entspannt mit der sandfarbenen Basecap auf dem Kopf. Im Hintergrund flattert bereits die schwarz-rot-goldene Fahne im Innenhof des Graylyn Estate Hotels. Der Bundestrainer ist zufrieden. Er hat sein Traumquartier für die Fußball-WM mit idealer Kombination aus kurzen Wegen, Ruhe, angemessenem Luxus und vor allem perfekten Trainingsbedingungen gefunden.

Während der Weltmeisterschaft wohnt die deutsche Nationalmannschaft in einem stattlichen Anwesen im Bundesstaat North Carolina im Osten der USA. Nagelsmann und das Team um Kapitän Joshua Kimmich beziehen im Sommer Quartier in Winston-Salem; in einem schlossähnlichen Hotel mit großer Parkanlage, erbaut vor fast 100 Jahren von einem Tabakunternehmer.

Die schon lange erwartete Quartier-News verkündete der DFB am Freitag. Der Verband veröffentlichte Fotos vom Kurzbesuch nach der WM-Auslosung Anfang Dezember. Nagelsmann kickte da schon – beobachtet von Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig – mit einer Miniatur-Ausgabe des WM-Balls auf dem Trainingsplatz der Wake Forest University, die den Bundestrainer mit ihrer professionellen Ausstattung «super beeindruckte».

Kurze Wege als Plus

Dort will Nagelsmann im Sommer auf dem Gelände der Privat-Universität in der täglichen Turnierarbeit die WM-Form seines Teams sichern – zehn Minuten per Fahrrad vom Hotel entfernt. Drei Rasenplätze stehen zur Verfügung. «Aufgrund der großen Distanzen in den USA legen wir ohnehin weite Strecken zurück, die wir deshalb im Trainingsalltag möglichst vermeiden möchten. Das ist uns mit diesem Base Camp geglückt», sagte der 38 Jahre alte Bundestrainer. 

https://x.com/DFB_Team/status/2009643760335155207

Die Hotelanlage erinnert Nagelsmann an die Vorzüge des mehrfach bewährten und auch bei der Heim-EM 2024 genutzten DFB-Refugiums Homeground in Herzogenaurach. Man habe einen «Ort gefunden, der es ermöglicht, dass man immer wieder zusammenkommt, aber trotzdem auch die nötige Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten hat», erklärte Nagelsmann. 

Wandteppiche und Marmorbad

Alle 85 Zimmer hat der DFB für sich reserviert. Andere Hotel-Optionen in den USA hätten nicht diese für den Turnier-Fokus wichtige Exklusivität geboten. Viel Plüsch, ägyptische Wandteppiche und geschnitzte Holztafeln aus Damaskus, wie auf der Homepage erwähnt, sorgen für ein rustikales Ambiente. In der Premium Suite wartet ein Marmorbad und ein «Königsbett» mit vier Holzpfosten. 

Am 2. Juni fliegt der WM-Kader nach einer guten Woche Turniervorbereitung in Deutschland nach Chicago. Im dortigen Soldier Field steht am 6. Juni (20.30 Uhr/MESZ) die WM-Generalprobe gegen Gastgeber USA an. Am 8. Juni wird das DFB-Team dann nach Winston-Salem umziehen und sich dort auf bestmöglich acht Turnierspiele bis zum Finale am 19. Juli vorbereiten.

Uni-Heimat eines NBA-Stars

Die Stadt mit etwa 250.000 Einwohnern ist vor allem durch ein ATP-Tennisturnier sportlich bekannt. Vor seiner NBA-Karriere spielte Basketball-Star Tim Duncan für die Wake Forest University. Jamal Musiala, ein Basketball-Fan, wird darüber erfreut sein. Bei seinem Besuch warf Nagelsmann in der Uni-Sporthalle einige Körbe, wie er berichtete.

Winston-Salem ist kein Zentrum der Mega-WM. Atlanta und Philadelphia, die nächstgelegenen der insgesamt 16 WM-Spielorte in den USA, Mexiko und Kanada, sind mehrere Fahrstunden mit dem Auto entfernt.

An den Tagen vor den Gruppenspielen wird das DFB-Team zu den Spielorten fliegen. Am 14. Juni (19.00 Uhr/MESZ) findet das Eröffnungsspiel in Houston gegen den WM-Neuling Curaçao statt. In Toronto, Kanada, wird am 20. Juni (22.00 Uhr/MESZ) gegen die Elfenbeinküste gespielt. Der Abschluss der Vorrunde gegen Ecuador folgt am 25. Juni (22.00 Uhr/MESZ) in East Rutherford.

Kein Angebot aus FIFA-Katalog

Der DFB hatte früh das Graylyn Estate mit der Wake Forest University als ideale Kombination aus Wohnen und Arbeiten im Blick. Die Gruppe E erwies sich dann als geografisch und logistisch passend. Dennoch vergingen mehr als einen Monat nach der Auslosung in Washington, bis alles unter Dach und Fach war, da die Unterkunft nicht im offiziellen FIFA-Katalog aufgeführt war.

Die formalen Hürden sind jetzt überwunden. «Die Bedingungen sind optimal – sowohl sportlich als auch infrastrukturell», sagte DFB-Geschäftsführer Rettig und berichtete von «einem sehr aufwendigen Prozess».

Die Auswahl der Turnierunterkünfte hat beim DFB seit langem eine hohe Priorität. Das eigens errichtete Campo Bahia in Brasilien wurde nach dem Sieg bei der Weltmeisterschaft 2014 als entscheidender Erfolgsfaktor angesehen. Die Quartiere in Watutinki bei Moskau 2018 und in der katarischen Wüste 2022 wurden nach dem jeweiligen frühen Ausscheiden in der Gruppenphase stark kritisiert. Dies soll beim Graylyn Estate vermieden werden.

dpa