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Streit um Sportförderung: DOSB droht mit Blockadehaltung

Die Pläne der Bundesregierung gefährden die Leistungssportreform und die Zusammenarbeit mit dem organisierten Sport. Die geplante Sportagentur ist Zankapfel.

Der DOSB sieht den Entwurf für ein Sportfördergesetz der Bundesregierung in Teilen kritisch.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Der Deutsche Olympische Sportbund befindet sich im offenen Konflikt mit der Bundesregierung im Streben nach einer Reform der Sportförderung. Der Dachverband reagierte unerwartet scharf auf den Entwurf des neuen Sportfördergesetzes und drohte mit einer Blockade bei den kommenden Verhandlungen.

Die Pläne des Bundesinnenministeriums seien «für den gesamten organisierten Sport in Deutschland nicht akzeptabel», ließ sich DOSB-Präsident Thomas Weikert zitieren. Aus Sicht des DOSB gefährde der 52-seitige Gesetzentwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, die Ziele der Leistungssportreform und stelle «die bisher vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem organisierten Sport infrage». Demnach wäre das Vorhaben «sogar eine Verschlechterung zum Status quo» und würde künftige Erfolge deutscher Athletinnen und Athleten gefährden, wetterte der Verband in seiner Mitteilung.

DOSB-Chef: Bund legt Sportagentur Fesseln an

Vor allem die geplante Sportagentur zur Verteilung der Förder-Millionen wird mehr denn je zum Zankapfel zwischen DOSB und Bundesregierung. Im Gesetzentwurf bekommt der Bund an entscheidender Stelle das letzte Wort bei grundsätzlichen Fragen für die Mittelvergabe. «Von einer Unabhängigkeit der Agentur kann man angesichts der ihr in diesem Entwurf durch den Bund angelegten Fesseln nicht mehr sprechen», kritisierte Weikert.

Das Innenministerium reagierte mit der vorgelegten Regelung auf die Intervention der Haushälter des Bundestags. Im vergangenen Herbst hatten sie die mit dem organisierten Sport ausgehandelte Spitzensportreform gestoppt und die parlamentarische Kontrolle über die Zuteilung der Fördergelder in Höhe von rund 300 Millionen Euro gefordert.

Das Herzstück der Reform ist die Sportagentur, die zukünftig die Verantwortung für Steuerung und Förderung übernehmen soll. Ein 18-köpfiger Stiftungsrat mit Vertretern von Bund, Ländern und DOSB wird die Leitlinien der Agentur festlegen, wobei die Bundesregierung den Vorsitz hat und bei Stimmengleichheit entscheiden kann. Ursprünglich hatten das Bundesinnenministerium und der DOSB vereinbart, dass sie in der Sportagentur gleichberechtigt handeln würden.

Dachverband kündigt massiven Widerstand an

Der Dachverband ist besorgt, dass sowohl die Unabhängigkeit der Agentur als auch der erhoffte Bürokratieabbau in der Sportförderung nun nicht mehr gewährleistet sind. «Das ist wenige Monate vor den Olympischen und Paralympischen Spielen in Paris eine herbe Enttäuschung», sagte DOSB-Chef Weikert.

Der Verband kritisierte, dass die Agentur, wie im Gesetzentwurf beschrieben, zu wenig Handlungsbefugnisse habe und kündigte an, sich im weiteren Gesetzgebungsverfahren massiv dagegen zu wehren. Laut den Plänen des Innenministeriums soll das neue Sportfördergesetz bis zur Sommerpause im Kabinett diskutiert werden. Es ist geplant, dass es spätestens im Winter im Bundestag verabschiedet und in Kraft treten wird.

Bundesregierung erwartet keine schnellen Reform-Erfolge

Die Sportagentur könnte dann Anfang 2025 mit ihrer Arbeit beginnen. Zwei gleichberechtigte Vorstände, die noch gesucht werden, sollen im Tagesgeschäft die Sportagentur leiten. Die Bundesregierung erwartet im ersten Jahr Kosten von fünf bis sechs Millionen Euro für den Aufbau und Betrieb der Agentur.

Die Politik rechnet jedoch nicht mit schnellen Erfolgen durch die neuen Strukturen. Laut Regierungskreisen wird das Sportfördergesetz mit der Sportagentur frühestens nach den Sommerspielen 2032 in Brisbane seine volle Wirkung in der Medaillenbilanz entfalten können.

dpa