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Mehr als Zverev: Deutsches Team will auch in Malaga glänzen

Mit dem vorzeitigen Einzug ins Finale des Davis Cups haben die deutschen Tennis-Herren gezeigt, dass sie auch ohne Alexander Zverev zur Weltspitze gehören.

Alexander Zverev (l) und der deutsche Teamkapitän Michael Kohlmann jubeln über den Sieg gegen Belgien.
Foto: Frank Molter/dpa

Nach dem erfolgreichen Heimspiel im nasskalten Hamburg wanderten die Gedanken von Michael Kohlmann schon zur spanischen November-Sonne. Im Finalturnier des Davis Cups in Malaga wollen die deutschen Herren dasselbe emotionale und erfolgreiche Tennis zeigen wie in der Heimat – auch ohne ihren verletzten Star Alexander Zverev.

«Unser Ziel ist es nicht, nur eine Runde in Malaga zu gewinnen, sondern wir fahren dahin, um ganz weit zu kommen», sagte Kohlmann der Deutschen Presse-Agentur.

Das letzte Gruppenspiel am Rothenbaum gegen die ebenfalls qualifizierten Australier hatte größtenteils statistischen Wert – und bestimmte darüber, auf wen Deutschland im Viertelfinale des Final 8 (22. bis 27. November) trifft. Kohlmann war der Gegner vorerst egal. «Ich wüsste keine Mannschaft, vor der wir uns verstecken müssten», sagte der 48 Jahre alte Kapitän. Man wolle sich auf die Fahnen schreiben, für jedes Land ein unangenehmer Gegner zu sein.

Kohlmann über Zverev: «Nicht zu früh anfangen»

Dazu braucht es dann nicht einmal den am Fuß verletzten Zverev. «Wir wissen im Moment noch nicht genau, wie lange Sascha ausfällt», sagte Kohlmann. «Wir müssen da abwarten. Es ist für ihn wichtig, seinen Weg zu finden. Nicht zu früh anfangen, sich auf sich konzentrieren und sich körperlich in die Verfassung zu bringen, Top-Leistungen zu bringen. Wenn das mit dem Davis Cup passen würde, wären wir sehr froh.»

In den Worten schwingt zwar leise Hoffnung mit, doch realistisch planen kann Kohlmann mit seinem besten Spieler nicht. Selbst wenn der 25-Jährige sich von seinem Knochenödem erholt, wird ihm monatelange Spielpraxis fehlen. «Gerade ist es wichtig, dass Sascha auf sich guckt und die Zeit nutzt, dass er bald wieder dabei ist», betonte Kohlmann. In Spanien dürfte der 48-Jährige in den Einzeln wie schon in Hamburg auf Jan-Lennard Struff und Oscar Otte vertrauen.

«Bei Oscar wird es von Match zu Match besser»

Zumal das Duo dann auf einem besseren Niveau sein wird. Struff holte sich durch die Siege in Hamburg Selbstvertrauen nach einem bisher missratenem Jahr, in dem er in der Weltrangliste auf Platz 132 abgestürzt ist. Und Otte ist ohnehin erst kürzlich von einer Knie-OP zurückgekommen. «Bei Oscar wird es von Match zu Match besser und er wird im November auf einem anderen Level sein», sagte Kohlmann.

Und dann ist da ja noch das Erfolgsdoppel. Kevin Krawietz und Tim Pütz holten bei den Siegen gegen Frankreich und Belgien in Hamburg den jeweils entscheidenden Punkt. Auch, wenn da manchmal etwas Glück dabei war. «Wir hatten den Davis-Cup-Gott auf unserer Seite», sagte Krawietz. Und Pütz gab einen kleinen Einblick in das Erfolgsgeheimnis des Duos, das seine ersten sieben Davis-Cup-Spiele alle gewann: «Vielleicht hilft es auch, dass wir auf der Tour nicht zusammen spielen, dass es immer was Frisches ist.»

Diese Frische sollte sich mindestens bis Malaga halten. Und da man den ganz überragenden Nationen wie Gastgeber Spanien zum Auftakt des Finalturniers wohl aus dem Weg geht, sind Ansprüche durchaus legitim. «Wir haben uns in den letzten Jahren immer weiterentwickelt», betonte Kohlmann. «Letztes Jahr waren wir im Halbfinale, dieses Jahr ist es wieder mindestens das Viertelfinale.» Mindestens.

dpa