Nachlegen im farbenfrohen EM-Trikot. So lautet der Plan gegen Holland. Die klare Rollenverteilung des Bundestrainers wird von den Spielern gelobt und gelebt. Wird die Turnier-Vorfreude voll entfacht?
Pink gegen Oranje: EM-Funke mit Fußballfest voll entzünden

Nun wird es farbenfroh beim Nationalteam. Allerdings soll bei der großen Premiere der Fußball-Zauberer Florian Wirtz und Jamal Musiala in Pink und Lila gegen das niederländische Oranje-Team die kontroverse Debatte um das EM-Trikot an den Rand gedrängt werden.
Julian Nagelsmann will mit der von ihm personell entrümpelten und frisch gestylten Nationalelf nach dem erstaunlichen 2:0 in Frankreich die EM-Euphorie mit einem weiteren Achtungserfolg im Heimspiel gegen den Erzrivalen aus dem Nachbarland richtig entfachen. Im Fußball geht es oft schnell: Zwei Siege – und es leuchtet wieder hell.
«Ich habe die gleiche Erwartungshaltung wie in Lyon. Da hatten wir einen guten Mittelweg aus Leichtigkeit und Arbeit», sagte der Bundestrainer zur Herangehensweise am Dienstag (20.45 Uhr/RTL) im Frankfurter EM-Stadion. Den dominanten Frankreich-Auftritt gelte es zu bestätigen. Die Holländer sind dafür ein idealer Prüfstein, zumal sie Deutschlands EM-Auftaktgegner Schottland gerade mit 4:0 abfertigen konnten. «Auch mit den Niederlanden ist zu rechnen», sagte Nagelsmann zur Rolle des Nachbarn bei der EM-Endrunde im Sommer.
Nagelsmann will seine Idee jetzt «durchziehen»
War Lyon wirklich der Wendepunkt nach Jahren der Länderspiel-Finsternis? Diese Frage will Nagelsmann mit seinem neuen und klar strukturierten Kader beim drittletzten Probelauf vor dem Turnier-Ernstfall mit einem klaren «Ja» beantworten. Und darum ist auch keine Rotation vorgesehen. «Wenn alle Spieler frisch sind, kann es eine Veränderung geben», sagte er. Aber sechs oder sieben Wechsel seien nicht geplant. Gründe für Umstellungen gibt es nicht.
Sie würden auch nicht zu Nagelsmann neuer, rigider EM-Strategie passen, wie er selbst ausführte: «Die Rollengespräche haben wir geführt mit einer gewissen Idee. Dann muss man die Idee auch durchziehen, natürlich immer unter Berücksichtigung der Belastung.»
Das bedeutet, dass nur Änderungen vorgenommen werden, wenn einer der Lyon-Starter nicht vollständig fit erscheint. Die eingeladenen EM-Kandidaten folgen Nagelsmanns klarem Kurs der A- und B-Besetzungen, unabhängig davon, ob sie Stammkraft oder Herausforderer sind.
Klare Hierarchie in der Mannschaft
«Kurz vor dem Turnier ist es extrem wichtig, dass jeder Spieler weiß, wo er dran ist. Jeder weiß um seine Rolle, das ist wichtig in einer Mannschaft mit so vielen Spielern», sagte Kai Havertz. Die neue Rollenzuteilung als Mittelstürmer Nummer eins dankte er Nagelsmann mit dem Tor zum 2:0-Endstand gegen Frankreich. Klaglos fügte sich derweil in Lyon Niclas Füllkrug in die Joker-Rolle, obwohl der Dortmunder Angreifer bis zur 80. Minute auf die Havertz-Auswechslung und den eigenen Kurzeinsatz warten musste. «Wir haben eine klare Rollenverteilung, eine klare Hierarchie in der Mannschaft», sagte der 31-Jährige.
Und so sieht es aus: An der Spitze der Hierarchie stehen Rückkehrer Kroos, Kapitän Ilkay Gündogan, der sein 75. Länderspiel gegen die Niederlande bestreiten wird, sowie der langjährige Kapitän und Torwart Manuel Neuer, der nach seiner aktuellen Verletzung zur Heim-EM als Nummer eins zurückkehrt. Dahinter folgen Abwehrchef Antonio Rüdiger und Joshua Kimmich, auch wenn der Münchner wieder nach rechts hinten versetzt wurde.
Gesperrter Sané muss wohl kämpfen
Dahinter folgen weitere, für die EM-Wunschelf gesetzte Akteure wie die Youngster Wirtz und Musiala oder Jonathan Tah. Dessen Leverkusener Vereinskollege Robert Andrich und der Stuttgarter DFB-Debütant Maximilian Mittelstädt warben in Frankreich für sich. «Natürlich gehört auch ein bisschen Mut dazu, einen Maximilian Mittelstädt reinzuwerfen. Aber ich mache das aus Überzeugung», erläuterte Nagelsmann seine Handlungsweise.
Der Bundestrainer sprach von einem Kern von 13 bis 14 Stammspielern im 23-köpfigen EM-Kader. Thomas Müller und Chris Führich wurden zuerst gegen Frankreich eingewechselt, was ein Zeichen war. Auch Leroy Sané wird um seine gewohnte Starter-Rolle kämpfen müssen, nachdem er seine Drei-Spiele-Sperre vor dem letzten EM-Test am 7. Juni gegen Griechenland abgesessen hat. Der Bayern-Profi wird am Dienstag ins Teamquartier kommen und am Abend als Zuschauer im Stadion sein.
Nagelsmann bestimmt die Ausrichtung, die Kroos und Co. umsetzen müssen. «Den Mut, den wir in gewissen Entscheidungen vorleben, wollen wir auch auf dem Platz sehen», sagte der Bundestrainer: «Wir werden auch gegen die Holländer wieder sehen wollen, dass wir versuchen, das Spiel zu gestalten und uns selbst etwas zutrauen.» Motto: «Wir kicken!»
Andrich will gegen Oranje den «Groove reinbekommen»
Der Sieg in Frankreich hat allen Beteiligten gutgetan, dem Bundestrainer, den DFB-Verantwortlichen um Rudi Völler – und nicht zuletzt den Spielern. «Auf das Holland-Spiel hätten wir uns auch so gefreut», sagte Füllkrug angesichts der speziellen deutsch-niederländischen Rivalität. Aber der Schub des Frankreich-Sieges macht vieles leichter: «Das Selbstbewusstsein wächst.»
Gegen die spielstarken Holländer von Bondscoach Ronald Koeman mit den in der Startelf erwarteten Bundesliga-Profis Matthijs de Ligt (FC Bayern), Donyell Malen (Dortmund) und Xavi Simons (Leipzig) soll die EM-Zuversicht weiter wachsen. «Wir wollen dranbleiben. Wir wissen, was wir auf den Platz bringen müssen. Wir müssen einen Groove reinbekommen», sagte Andrich, der neue Vorarbeiter: «Dann können wir schon was reißen.» Bei der EM.








